Rettungsaktion in der Ostsee
Drama um Buckelwal – Timmy steckt wieder fest – strandete er gezielt?
Aktualisiert:
von Christopher Schmitt:newstime
Weiter Bangen um gestrandeten Wal (18. April)
Videoclip • 02:55 Min • Ab 12
Kurz nachdem sich Buckelwal Timmy freigeschwommen hatte, verharrt das Tier schon wieder auf einer Stelle. Könnte das sogar Absicht sein?
Das Wichtigste in Kürze
Der in der Ostsee gestrandete Buckelwal war losgeschwommen – und sitzt inzwischen wieder fest.
Der Wal wird von Booten geleitet.
Der ursprüngliche Rettungsplan hatte noch anders ausgesehen.
Der seit knapp drei Wochen vor der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns festsitzende Buckelwal ist am Montagmorgen (20. April) losgeschwommen – um nur rund zwei Stunden später offenbar an einer Stelle zu verharren. Dies war auf Livestreams im Netz zu erkennen. Das Tier scheint nahe von Fahrwassertonnen zu liegen.
Er liege nach vorliegenden Erkenntnissen nicht vollständig auf, sagte Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) am frühen Mittag. "Er könnte nach links ohne weiteres ausweichen, um dann in tiefes Fahrwasser zu kommen, um ihn dann aus dem Kirchsee herauszuführen."
"Es ist ein Nadelöhr, durch das er durch muss", sagte Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die den privaten Bergungsversuch mitfinanziert. Das Wasser außerhalb der Fahrrinne ist im Kirchsee vielerorts nur hüfttief. Backhaus sagte, man gehe davon aus, dass der Wal sich ausruhe und sich dann wieder aufmache.
Zuvor hatte der Wal mehrfach die Richtung gewechselt – mit Kirchdorf an einem Ende der Bucht und auf der anderen Seite in Richtung Ostsee. Angeleitet von Booten hatte er bis zu seinem Anhalten schließlich die richtige Richtung eingeschlagen.
Das Wasser sei seines Wissens nach am Ausgang des Kirchsees sehr flach, erklärte ein Sprecher des Schweriner Umweltministeriums. Um die Schwelle zu passieren, müsse der Wal einen Bogen schwimmen, um gut herauszukommen.
Die Bucht ist nach Angaben des Sprechers ansonsten zwischen 90 Zentimetern und 1,10 Meter tief. Mindestens mehr als neun Meter tief sei demnach das Fahrwasser der anschließenden Wismarbucht, die das Tier in Richtung Ostsee durchqueren muss.
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Wal Timmy schwimmt weg und wechselt Richtung
Timmy, wie das Tier auch genannt wird, wird aktuell von Booten begleitet. Diese hielten zumeist Abstand. Der Wal war am frühen Montagmorgen bei steigenden Wasserständen und starkem Wind losgeschwommen. Timmy müsste über die Nordsee zurück in den Atlantik – bis dahin warten aber noch viele Hürden.
Mittlerweile drängt die Zeit: Der Wasserstand in der Lübecker Bucht sollte ab Montagmittag bis Dienstag (21. April) wieder sinken. Dem Meeresbiologen Boris Culik zufolge kann das für Timmy schlimme Folgen haben: "Wenn er jetzt gemütlich mit dem Bauch auf einer Sandbank liegt und oben guckt das Blasloch raus, alles gut. Aber wenn dann 50 Zentimeter weniger Wasser da sind, dann entwickelt er ein unheimliches Gewicht, das dann auf seinen inneren Organen lastet. Er hat ein ganz schwaches Skelett im Vergleich zu uns." Es werde höchste Zeit, ihn von der Stelle wegzubugsieren.
Ist Timmy gezielt gestrandet?
Culik zufolge könnte der Wal gezielt immer wieder flache Stellen angesteuert haben: Ein geschwächter Wal könne durchaus auch gewollt stranden, wenn ihm dies das Atmen erleichtere. "Dass er in der Ostsee eine Sandbank aufsucht, um sich zu erholen, kann man sich schon vorstellen", sagte er. Das Tier war seit März bereits viermal an verschiedenen Stellen gestrandet, teils nur einige Stunden lang, zuletzt vor Poel rund drei Wochen.
Retter sahen sich auf gutem Weg
Die Vertreter:innen der Rettungsinitiative auf Poel sahen sich zuletzt auf sehr gutem Weg und im Zeitplan. Der Wal habe am Sonntagmorgen (19. April) "tolle Reaktionen" und viel Lebensenergie gezeigt. Sie schlossen am Sonntag nicht aus, dass sich der rund zwölf Meter lange Meeressäuger aus eigener Kraft freischwimme. In diesem Fall greife "Plan B".
"Das heißt, die DLRG-Boote sind auf Stand-by, dass für den Fall, dass er losschwimmt, wir ihn dann guiden können. Und es ist sichergestellt, dass wir ihn dann auch bis in die Nordsee und dann über die Nordsee in den Atlantik leiten können", sagte Rechtsanwältin Constanze von der Meden von der privaten Rettungsinitiative.
Ein Finanzier der Aktion, der Mediamarkt-Mitgründer Walter Gunz, zeigte sich pessimistischer. Der Wal registriere vollumfänglich, dass er völlig frei sei. Daher sei die Frage, "ob sich dieser Wal noch geleiten lässt".
Wal ist mehr als zwölf Meter lang
Bislang geplant war, dass unter den Wal eine zwischen Pontons – also schwimmenden Plattformen – befestigte Plane geführt wird. Damit soll er aus dem flachen Bereich geborgen und später Richtung Nordsee gebracht werden.
Die Pontons sollen dazu von einem Schlepper an einer langen Leine gezogen werden. Die Netzplane, auf der das Tier zwischen Pontons in die Nordsee und in den Atlantik transportiert werden soll, war nach Behördenangaben bereits im Wasser.
Messungen des Umweltministeriums zufolge ist der Buckelwal 12,35 Meter lang, 3,20 Meter breit und 1,60 Meter hoch. Der geschwächte Wal liegt bereits seit 20 Tagen in der Wismarbucht vor der Insel Poel.
Zwischen dem Hafen in Kirchdorf und dem vor der Insel Poel liegenden Wal waren zuletzt DLRG-Boote unterwegs, die auch zur Sicherung des Einsatzpersonals vor Ort waren.
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Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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