Traditionsunternehmen aus Deutschland

Kärcher: Von der Tüftlerwerkstatt zum Weltmarktführer für Reinigungstechnik

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

Das Unternehmen Kärcher ist bis heute in Familienbesitz.

Bild: Imago / CHROMORANGE


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Wer den Namen Kärcher hört, denkt wahrscheinlich an die gelben Hochdruckreiniger. Aber die Traditionsfirma aus Baden-Württemberg hat tausende weitere Produkte im Portfolio. Alles über ihre Geschichte und die Eheleute, die das Unternehmen nacheinander zum Erfolg führen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Alfred Kärcher gründet das deutsche Unternehmen 1935. Es ist bis heute im Besitz der Familie.

  • Seine Frau Irene macht die Firma nach seinem Tod zum weltweit erfolgreichen Konzern.

  • Die Alfred Kärcher SE & Co. KG ist Weltmarktführer bei Hochdruckreinigern und in 85 Ländern aktiv.

Wer steckt hinter Kärcher und wofür ist die Firma bekannt?

Dampfreiniger, Staubsauger, Kehrmaschinen: Kärcher stellt zahlreiche Produkte im Bereich Reinigungstechnik her. Aber berühmt ist die Firma vor allem für ein Gerät: den Hochdruckreiniger. Diesen verbinden so viele Menschen mit der Marke, dass daraus ein Verb entstanden ist – und das hat sogar Einzug in den Duden gehalten. "Kärchern" bedeutet demnach: "mit einem Hochdruckreiniger reinigen".

Die Alfred Kärcher SE & Co. KG ist ein Unternehmen mit Sitz in Winnenden in Baden-Württemberg. Es wurde vor über 90 Jahren in der Nähe von Stuttgart gegründet. Heute ist die Gruppe mit 170 Gesellschaften in fast 90 Ländern aktiv. 17.000 Menschen arbeiten weltweit für den Konzern. Die Werke der Firma stehen unter anderem in Deutschland, China, Mexiko und Brasilien. Viele Produkte werden in Deutschland gefertigt. CEO Hartmut Jenner führt den Konzern bereits seit dem Jahr 2001.

Kärcher bietet ein breites Spektrum an Reinigungsgeräten für die private, gewerbliche und industrielle Nutzung. Ein Markenzeichen der Firma ist die charakteristische gelb-schwarze Farbe der Geräte. Allerdings sind nur Produkte für Verbraucher:innen und für draußen so gefärbt. Geräte für den Innenbereich gestaltet Kärcher dagegen seit 2024 weiß. Zur besseren Unterscheidung sind Profimodelle zudem in Anthrazit gehalten.

"Wir wollen das Leben unserer Kunden einfacher machen, indem wir ihnen die beste Reinigungslösung bieten. Selbst für Herausforderungen, die sie noch gar nicht sehen.

Hartmut Jenner, CEO der Alfred Kärcher SE & Co. KG
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Was stellt Kärcher her?

Das Kärcher-Portfolio umfasst nach Firmenangaben über 3.000 Produkte. Die Übersicht zeigt eine Auswahl davon:

  • Hochdruckreiniger für Haus und Garten

  • Professionelle Hochdruck-Systeme

  • Trocken- und Nass-Staubsauger

  • Waschsauger für Autos und Polster

  • Multifunktions-Staubsauger

  • Kehrmaschinen für Innen und Außen

  • Hartbodenreiniger

  • Dampfreiniger

  • Fenster- und Glasreiniger

  • Dampfsauger

  • Garten-Pumpen

  • Bewässerungssysteme

  • Autonome Reinigungsroboter

  • Düsen, Schläuche, Bürsten

  • Reinigungsmittel

Auch in den News:

Irene und Alfred Kärcher machten das Familienunternehmen groß.

Bild: Kärcher


Wie entstand die Firma Kärcher? Die Ära des Gründers Alfred Kärcher

Alfred Kärcher wurde 1901 in Bad Cannstatt geboren, einem heutigen Stadtteil von Stuttgart. Nach seinem Maschinenbau- und Elektrotechnikstudium 1924 stieg er in den Betrieb seines Vaters Emil ein. Dort plante und vertrieb er Anlagen für Wäschereien und Großküchen.

Darüber hinaus konstruierte der Tüftler eigene Geräte, etwa Tiegelöfen und eine Innenheizung für Salzbadöfen. Vor allem letztere wurde zu einem Erfolg. Daraufhin erteilte ihm die Lufthansa 1934 einen Auftrag: Er sollte eine Vorrichtung bauen, die Flugzeugmotoren anwärmen kann. Kärchers benzinbetriebener Heißluftbläser ging 1935 in Serie.

Im selben Jahr gründete er in Bad Cannstatt seine Firma Alfred Kärcher Kommanditgesellschaft, aus der später die Alfred Kärcher SE & Co. KG wurde. Auch das Reichsluftfahrtministerium zeigte sich an dem Gerät interessiert und bestellte es in größeren Stückzahlen.

Daraufhin verkaufte Alfred Kärcher das Patent seiner Salzbadöfen-Heizung und konzentrierte sich auf den Heißluftbläser. Mit dem Erlös kaufte er ein Fabrikgebäude in Winnenden und verlegte 1939 den Firmensitz dorthin. Winnenden ist bis heute die Unternehmenszentrale.

Ein Arbeiter bedient Kärchers ersten Heißwasser-Hochdruckreiniger aus dem Jahr 1950.

Bild: Kärcher


Im Zweiten Weltkrieg produzierte die Firma unter anderem Heiz- und Enteisungssysteme für Flugzeuge der Luftwaffe. Es war in die Rüstungswirtschaft eingebunden und beschäftigte auch Zwangsarbeiter:innen.

Nach dem Krieg konzentrierte sich Kärcher auf die Produktion von Herden, Handkarren und Anhängern für die Bevölkerung. 1950 entwickelte das Unternehmen den ersten Heißwasser-Hochdruckreiniger in Europa. Dieser war für den Einsatz in der Industrie gedacht, etwa zum Säubern von Maschinen.

Der DS 350 ist das erste Kärcher-Produkt in der Reinigungssparte. Bis er zum umsatzstarken Schwerpunkt des Konzerns wird, dauert es aber noch viele Jahre. Doch die Konstruktion, mit der das Wasser darin erhitzt wird, bildet bis heute die Basis für die Brenner in Kärcher-Heißwassergeräten.

Am 17. September 1959 starb Alfred Kärcher mit 59 Jahren an einem Herzinfarkt. Er hinterließ seine Ehefrau Irene und zwei Kinder.

Irene Kärcher führt das Unternehmen zum internationalen Konzern.

Bild: Kärcher


Wer ist Irene Kärcher?

Irene Kärcher, geborene Herzog, kam 1920 in Esslingen zur Welt. Nach ihrem Realschulabschluss ging sie auf eine Haushaltsschule und arbeitete später bei Daimler-Benz. Sie machte schnell Karriere und stieg bis zur Sekretärin des damaligen Generaldirektors Wilhelm Haspel auf.

1949 heirateten Irene und Alfred Kärcher. 1950 wurde Sohn Johannes geboren, 1957 Tochter Susanne.

Wie entwickelt sich Kärcher zum globalen Konzern? Die zentrale Rolle von Irene Kärcher

Nach dem frühen Tod ihres Ehemanns stand Irene Kärcher mit zwei kleinen Kindern alleine da. Zunächst wollte die 39-Jährige die Firma verkaufen, aber die 250 Mitarbeiter:innen setzten alle Hoffnungen auf sie. Sie produzierten zu der Zeit Anlagen zur Dampferzeugung, Brennersysteme und Hochdruckreiniger.

Also übernahm Irene Kärcher 1959 die Leitung des Unternehmens. Schon im ersten Jahr wuchs der Umsatz um 70 Prozent. Unter ihrer Führung expandierte Kärcher international. 1975 wurde in Brasilien die erste Produktionsstätte der Firma außerhalb von Deutschland eröffnet.

Außerdem traf Irene Kärcher 1974 eine wegweisende Entscheidung: Seitdem fokussiert sich das Unternehmen nur noch auf maschinelle Reinigungstechnik.

Nicht zuletzt prägte Irene Kärcher das Erscheinungsbild der Firma: Sie stellte die Farbe der Geräte 1984 von Blau auf Gelb um. Im selben Jahr erschien zudem der erste Hochdruckreiniger für den privaten Gebrauch. Der tragbare HD 555 war ein wichtiger Meilenstein der Firmengeschichte – und erschloss das neue Geschäftsfeld Heim und Garten.

Irene Kärcher traf in den 30 Jahren als Unternehmensleitung "viele weitsichtige Entscheidungen", sagt der heutige Vorstandsvorsitzende Hartmut Jenner. Diese seien die Voraussetzung dafür, "dass sich Kärcher von einem mittelständischen Betrieb zu einem Weltmarktführer" entwickelte.

Irene Kärcher hat unser Unternehmen und unsere Firmenkultur maßgeblich geprägt.

Hartmut Jenner, CEO der Alfred Kärcher SE & Co. KG

Die Unternehmerin erhielt viele Ehrungen, darunter 1984 das Bundesverdienstkreuz. Das Handelsblatt nahm Irene Kärcher 2009 als erste Frau posthum in seine "Hall of Fame" von Unternehmenspersönlichkeiten auf.

Als Irene Kärcher 1989 im Alter von 68 Jahren starb, hatte die Firma mehr als 3.200 Mitarbeiter:innen in 20 Gesellschaften.

Nach ihrem Tod übernahm eine angestellte Geschäftsleitung die Führung der Firma, die später zur Alfred Kärcher SE & Co. KG umfirmiert wurde. Sie befindet sich immer noch im Besitz der Familie und ist nicht an der Börse notiert. Die Kinder und Enkelkinder sind weiterhin in den Betrieb involviert. Franziska Kärcher etwa ist die Vorsitzende des Aufsichtsrats. Sie ist die Enkelin von Alfred und Irene Kärcher und die Tochter von Johannes Kärcher.

Der Vorstandsvorsitzende Hartmut Jenner stammt selbst aus dem Kärcher-Heimatort Winnenden. Der Diplom-Ingenieur und Diplom-Kaufmann ist bereits seit über 35 Jahren bei Kärcher, davon seit 25 Jahren als CEO.

Wie hoch ist der Umsatz von Kärcher?

Der Umsatz der Alfred Kärcher SE & Co. KG betrug im Geschäftsjahr 2025 rund 3,48 Milliarden Euro. Das war nach Angaben der Firma ein neuer Rekord – auch wenn das Wachstum im Vergleich zum Vorjahr mit 1,1 Prozent eher moderat ausfällt.

86 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet das Familienunternehmen aus Winnenden inzwischen im Ausland.

Warum ist Kärcher so erfolgreich?

Der Erfolg von Alfred Kärcher SE & Co. KG beruht auf mehreren Faktoren. Der Konzern bringt jedes Jahr Dutzende neue Reinigungsgeräte auf den Markt. Diese werden immer weiterentwickelt: 90 Prozent aller Produkte sind fünf Jahre alt oder jünger. Kärcher hat nach eigenen Angaben 1.300 Patente und Gebrauchsmuster.

Bei Hochdruckreinigern und einigen anderen Produkten ist die Firma Weltmarktführer.

Das Unternehmen sieht sich als Premiumanbieter und setzt auf hohe Qualitätsstandards. Es will Lösungen für nahezu alle Reinigungsanforderungen bieten – von Hochdruck- und Dampfreinigern bis zu automatisierten Systemen für Profis.

Kärcher ist eine starke Marke: Der Name ist eng mit Hochdruckreinigung verbunden. Die unverwechselbare Farbgebung sorgt zudem für einen hohen Wiedererkennungswert.

Warum reinigt Kärcher berühmte Bauten?

Weltweit sorgt Kärcher mit spektakulären Reinigungsaktionen von Denkmälern und historischen Bauten für Schlagzeilen. Diese übernimmt das Unternehmen kostenlos. Kärcher sieht das als Kultursponsoring und arbeitet mit Restaurator:innen und der Denkmalpflege.

Eines der ersten Projekte ist 1980 die Christusstatue in Rio de Janeiro. Sie wurde danach weitere viermal gereinigt. Zu den bisher über 190 Reinigungsprojekten gehört etwa die Säuberung des Brandenburger Tors nach dem Mauerfall 1990. Außerdem putzt die Firma zum Beispiel die Space Needle in Seattle, die Freiheitsstatue in New York und die Kolonnaden am Petersplatz in Rom.

FAQ: Kärcher

Ja, Kärcher ist ein deutsches Unternehmen und hat seinen Sitz in Winnenden in Baden-Württemberg. Viele Produkte wie professionelle Kehrmaschinen sowie Hochdruckreiniger, Dampfreiniger und Staubsauger für Privatkund:innen werden in deutschen Werken gefertigt. Daneben hat Kärcher weltweit verschiedene Produktions- und Logistikstandorte, zum Beispiel in Mexiko, Brasilien und China.

Alfred Kärcher gründete die Firma 1935. Heute handelt es sich um einen global agierenden Konzern mit einem Umsatz von knapp 3,5 Milliarden Euro im Jahr 2025. Das Unternehmen ist Weltmarktführer bei Reinigungsgeräten.

Alfred Kärcher SE & Co. KG ist bis heute ein Familienbetrieb. Nach dem Tod von Firmengründer Alfred Kärcher 1959 leitete seine Frau Irene Kärcher den Betrieb 30 Jahre lang. Zwar wurde die operative Leitung inzwischen von einer Geschäftsleitung übernommen. Aber das Unternehmen befindet sich immer noch im Besitz der Familie: Die SKB GmbH und die Johannes Kärcher Beteiligungsgesellschaft mbH halten jeweils 50 Prozent der Anteile der Firma. Dahinter stecken die beiden Kinder des Ehepaars Kärcher.


Verwendete Quellen:

Kärcher-Webseite und Pressebereich

Nachrichtenagentur dpa

Handelsblatt-Porträt über Irene Kärcher

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