Rente steigt zum 1. Juli 2026

Rentenplus 2026: Wer wirklich mehr Geld hat – und wer fast nichts davon merkt

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

:newstime

Merz will Rente nach Beitragsjahren

Videoclip • 01:15 Min • Ab 12


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Zum 1. Juli 2026 ist eine Rentenerhöhung von 4,24 Prozent vorgesehen – das Plus fällt damit höher aus als zunächst erwartet. Doch Steuern, Kranken- und Pflegeversicherung sowie die Anrechnung auf die Grundsicherung sorgen dafür, dass bei vielen Rentner:innen deutlich weniger ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Renten sollen zum 1. Juli 2026 bundesweit um 4,24 Prozent steigen, der aktuelle Rentenwert erhöht sich auf 42,52 Euro.

  • Nach Abzügen für Kranken- und Pflegeversicherung sowie möglicher Einkommensteuer bleibt von der Brutto-Erhöhung teils deutlich weniger übrig.

  • Bezieher:innen von Grundsicherung spüren die Rentenerhöhung oft kaum, weil diese auf die Sozialleistung angerechnet wird – nur ein begrenzter Freibetrag schützt einen Teil der Rente.

Der 1. Juli 2026 bringt für rund 21 Millionen Rentner:innen in Deutschland ein deutliches Plus: Die Renten sollen nach aktueller Prognose um 4,24 Prozent steigen. Grundlage sind laut Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) eine Lohnsteigerung von 4,25 Prozent im Vorjahr und die politische Vorgabe, das Rentenniveau bei 48 Prozent zu halten. Die nun erwartete Erhöhung fällt höher aus als ursprünglich angenommen. Der sogenannte aktuelle Rentenwert steigt nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung von derzeit 40,79 Euro auf 42,52 Euro. Seit der Angleichung von Ost- und Westrenten im Juli 2023 gilt dieser Wert bundesweit einheitlich.

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So wirkt sich die Rentenerhöhung auf typische Renten aus

Anhand einer Beispielrechnung zeigt sich, wie sich die Erhöhung konkret auf die Bruttorente auswirkt. Wer derzeit 1.000 Euro brutto Rente erhält, kommt nach der Anpassung auf 1.042,40 Euro. Bei 1.400 Euro brutto steigt die Rente auf 1.459,36 Euro, bei 2.000 Euro auf 2.084,80 Euro. Eine bisherige Rente von 400 Euro erhöht sich auf 416,96 Euro, bei 800 Euro sind es künftig 833,92 Euro.

Die sogenannte Standardrente – 45 Versicherungsjahre mit Durchschnittsverdienst – legt laut BMAS um rund 77,85 Euro brutto im Monat zu. Ab Juli 2026 würde diese Standardrente damit bei 1.913,40 Euro brutto liegen. Viele erreichen diesen Wert allerdings nicht.

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Brutto ist nicht Netto: Abzüge drücken das Plus

Die tatsächliche Auszahlung liegt spürbar niedriger. Das VZ VermögensZentrum weist darauf hin, dass die Durchschnittsrenten oft deutlich unter der theoretischen Standardrente bleiben – unter anderem wegen kürzerer Erwerbszeiten oder geringerer Löhne. Zusätzlich mindern Sozialabgaben das Plus.

Für gesetzlich krankenversicherte Rentner:innen werden Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung fällig. Laut Schätzungen liegt der durchschnittliche Zusatzbeitrag der Krankenkassen 2026 bei etwa 2,9 Prozent. In der Pflegeversicherung beträgt der Beitragssatz 3,6 Prozent, Kinderlose zahlen mit Zuschlag rund 4,2 Prozent.

Das Portal "Rentenbescheid24“ geht davon aus, dass in Summe rund 12,35 Prozent der Bruttorente für Sozialabgaben abgezogen werden. Dort heißt es: Von 1.042,40 Euro Bruttorente bleiben "913,61 Euro" übrig. Das Rechtsmagazin Jurawelt kommt auf ähnliche Werte und schätzt die Nettorente nach Abzügen auf "rund 918 Euro".

Steuerpflicht: Wenn die Rentenerhöhung zur Steuerfalle wird

Mit der Rentenerhöhung könnten zudem mehr Senior:innen steuerpflichtig werden. Nach Angaben des VZ VermögensZentrum kann das passieren, wenn die Gesamteinkünfte den steuerlichen Grundfreibetrag überschreiten. Dieser wird für 2026 voraussichtlich bei 12.348 Euro im Jahr für Alleinstehende liegen.

Wer über dieser Grenze liegt, muss auf einen Teil der Rente Einkommensteuer zahlen. Ein Teil der Erhöhung fließt so indirekt an den Staat zurück. Wie stark die Belastung ausfällt, hängt vom individuellen Rentenbeginn, dem steuerpflichtigen Anteil der Rente und weiteren Einkommen ab.

Grundsicherung: Viele merken von der Erhöhung wenig

Für Rentner:innen mit sehr niedrigen Bezügen bleibt vom Plus oft kaum etwas übrig. Wer so wenig Rente erhält, dass der Lebensunterhalt nicht gedeckt ist, bekommt Grundsicherung im Alter nach dem Sozialgesetzbuch XII. Die Deutsche Rentenversicherung nennt hier eine grobe Grenze von etwa 1.101 Euro monatlichem Gesamteinkommen.

Im Jahr 2025 erhielten laut Statistischem Bundesamt rund 764.000 Menschen im Rentenalter Grundsicherung. Steigt die gesetzliche Rente, wird diese Erhöhung in der Regel vollständig als Einkommen angerechnet. Die Kampagnen-Organisation Campact erklärt: Das Sozialamt senkt dann die Grundsicherung – unterm Strich bleibt der Zahlbetrag oft nahezu unverändert.

Freibetrag schützt nur einen Teil – aber nicht alle

Etwas Schutz bietet ein Freibetrag für Menschen mit langen Versicherungszeiten. Wer mindestens 33 Jahre an Grundrentenzeiten – also unter anderem Arbeit, Kindererziehung oder Pflege – nachweisen kann, profitiert. Laut Campact setzt sich der Freibetrag aus 100 Euro plus 30 Prozent der restlichen Rente zusammen, allerdings gedeckelt bei 281,50 Euro.

Ist dieser Höchstbetrag erreicht, werden weitere Rentensteigerungen wieder voll auf die Grundsicherung angerechnet. Wer die erforderlichen Jahre nicht erfüllt, geht leer aus: In diesen Fällen wird, so Campact, "jedes Rentenplus vollständig von der staatlichen Unterstützung abgezogen".


Verwendete Quellen:

VZ VermögensZentrum

Rentenbescheid24

Campact

Nachrichtenagentur dpa

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