Unfall auf 5.700 Metern
Laura Dahlmeier: Ein Jahr nach tragischem Bergunfall – Biathlon-Freundin erinnert sich
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Laura Dahlmeiers letzter Anruf: Simon Messner erinnert sich (13. Juli)
Videoclip • 01:08 Min • Ab 12
Vor einem Jahr starb die ehemalige Profi-Biathletin Laura Dahlmeier bei einem tragischen Bergunfall. Ihre Kollegin und enge Freundin Maren Hammerschmidt erinnert sich.
Das Wichtigste in Kürze
Die mehrfache Olympiasiegerin und Biathletin Laura Dahlmeier wurde am 28. Juli 2025 von einem Steinschlag erfasst und getötet.
Die damals 31-Jährige konnte nicht vom Unfallort, einem Berg in Pakistan, geborgen werden.
Den Verbliebenen bleibt auch ein Jahr nach dem Unglück die Erinnerung an ein Ausnahmetalent, eine Tochter und enge Freundin.
Sie holte zweimal Gold bei Olympia, erzielte sieben Weltmeistertitel und siegte im Biathlon-Gesamtweltcup: Laura Dahlmeier war die erfolgreichste deutsche Biathletin des vergangenen Jahrzehnts. Am 28. Juli 2025 stirbt die damals 31-Jährige aus Oberbayern bei einem tragischen Bergunfall.
Eine Freundin der Leistungssportlerin, Maren Hammerschmidt, erinnert sich – rund ein Jahr, nachdem ein Bergmassiv Laura Dahlmeier auf etwa 5.700 Metern verschluckte.
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Das letzte Gespräch der beiden Freundinnen
"Ich habe immer gedacht, ihr passiert nie irgendwas", erzählt die Biathletin Maren Hammerschmidt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Gemeinsam mit Laura Dahlmeier wollte sie im September Deutschlands höchsten Berg über die traditionelle Eisenzeitroute besteigen. Nun erklimmt Maren Hammerschmidt die Zugspitze Anfang Juli – ohne ihre Freundin.
"Es wäre richtig schön gewesen, es mit ihr zusammen zu machen. Sie hätte mir in ihrer Heimat jedes Fleckchen zeigen können", so Hammerschmidt. Sie erinnert sich noch genau an den Abend, an dem die beiden Freundinnen am Telefon die Bergtour planten. "Ich habe das noch sehr bildlich vor Augen, weil ich bei mir zu Hause durch den Garten gegangen bin und gegossen habe", erzählt die Biathletin.
Laura habe ihr in diesem Telefonat auch von ihrer anstehenden Reise nach Pakistan erzählt. Dort will sie ihren Sehnsuchtsberg, den 6.069 Meter hohen Laila Peak, besteigen. Es ist das letzte Gespräch der beiden.
Sie verband eine enge Freundschaft: Maren Hammerschmidt (links) und Laura Dahlmeier. (Archivbild)
Bild: picture alliance / dpa
Freundin über Laura Dahlmeier: "Sie war einfach die Beste"
Ein Zufall führte die jungen Frauen im Dezember 2015 zusammen. Beim Weltcup in Hochfilzen waren Dahlmeier und Hammerschmidt Zimmerkolleginnen, weil "wir quasi übrig geblieben sind", erinnert sich die heute 36-Jährige. "Wir haben viel gelacht, uns fast jeden Tag gefoppt, hatten einfach unheimlich viel Spaß zusammen." Es ist der Beginn einer engen Freundschaft.
"Laura stand mir immer mit Rat und Tat zur Seite", so Hammerschmidt, "wenngleich sie natürlich auch egoistisch ihre Ziele verfolgt hat." Und das mit Erfolg: Die knapp vier Jahre jüngere Freundin wird der alles überragende Star des Teams. "Das hat sie aber nie raushängen lassen, das habe ich an ihr immer sehr geschätzt. Sie war einfach die Beste."
Im Mai 2019 beendete Dahlmeier überraschend ihre Karriere als Profi-Biathletin. Sie habe keine sportlichen Ziele mehr, erklärte die damals 25-Jährige. Was bleibt, ist Dahlmeiers Liebe zum Bergsport. "Das war für sie Erholung. Das fand ich immer sehr beeindruckend", so Maren Hammerschmidt.
Fast hätte Dahlmeier diese Leidenschaft beendet, als ein enger Freund beim Klettern verunglückte. "Aber sie hat gesagt: 'Das wäre doch nicht mehr ich'", erzählt Hammerschmidt gegenüber der dpa. "Und ich habe gesagt: 'Ja, das ist einfach dieses absolute Argument dagegen'."
Dahlmeier verunglückte auf 5.700 Metern Höhe
"Laura war für mich eine Naturgewalt, die unzerstörbar war", erinnert sich ihre Biathlon-Kollegin. Doch dann passierte es. Am 28. Juli 2025 bestieg Dahlmeier mit einer Seilpartnerin den pakistanischen Laila Peak. Eigentlich war dieser Traum mit ihrem im Januar 2022 bei einem Lawinenunglück gestorbenen Ex-Freund (29) geplant.
Dahlmeier war staatlich geprüfte Berg- und Skiführerin und aktives Mitglied der Bergwacht. Sie galt als erfahrene, aber auch risikobewusste Bergsteigerin. Doch an diesem schicksalhaften Julimontag brach die ehemalige Spitzensportlerin den Gipfelsturm wegen schwieriger Wetterbedingungen ab. Gemeinsam mit ihrer Partnerin trat sie den Abstieg an.
Auf 5.700 Metern Höhe wurde Laura Dahlmeier von einem Steinschlag am Kopf getroffen. Sie war mutmaßlich sofort tot. Ihre Kletterpartnerin überlebte.
Bild: Hussain - stock.adobe.com
Trotz aufwendiger Rettungsversuche konnte ihr Leichnam aufgrund der schwierigen Bedingungen mit Steinschlag und Wetterumschwung nicht geborgen werden. Es war Dahlmeiers ausdrücklicher und niedergeschriebener Wille, dass in einem solchen Fall niemand sein Leben riskieren dürfe. Damit fand die 31-Jährige am Berg ihre letzte Ruhestätte.
"Ich glaube, das ist der schönste Friedhof, den es für die Laura gibt. Verschmolzen mit dem Herzen der Berge. Das war sie und das ist sie", sagt die Mutter der verunglückten Ex-Biathletin, Susi Dahlmeier. Maren Hammerschmidt kann sich anfangs damit nicht anfreunden. Mittlerweile denkt aber auch sie: Wo, wenn nicht in den Bergen, hätte Dahlmeier lieber ihre letzte Ruhe gefunden?
ARCHIV - 27.02.2026, Bayern, Garmisch-Partenkirchen: Die Mutter von Laura Dahlmeier, Susi Dahlmeier sitzt vor der Offiziellen Umbenennung des Kurparks in "Laura Dahlmeier Park", im künftigen Laura-Dahlmeier-Park bei einem Dreh für das ZDF. (zu dpa: «Emotionale Erinnerung an Dahlmeier: Sie war die Beste») Foto: Felix Hörhager/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
Bild: Felix Hörhager/dpa
Viele Fragen bleiben offen
Über einen möglichen Tod auf den teils hochgefährlichen Bergtouren hatten die beiden nie geredet, erinnert sich Hammerschmidt. "Auch wenn es bei dem, was sie tat, eigentlich naheliegend gewesen wäre." Als Extremsportlerin war Laura Dahlmeier auf den Fall der Fälle vorbereitet, hatte ihr Testament gemacht, die Beerdigung geplant.
Am 22. August 2025 fand die Trauerfeier statt. In der Zeit danach sprach Maren Hammerschmidt kaum über ihre enge Freundin. Sie habe alles in sich reingefressen, gemeinsame Bilder und Videos gemieden. "Das hat mir in meinem Trauerprozess natürlich nicht geholfen. Weil es einfach unbegreiflich für mich war." Hammerschmidt wurde krank, Körper und Psyche streikten als Reaktion auf das schier Unfassbare.
Besonders beschäftigt die 36-Jährige, viele Dinge im Trubel des Alltags aufgeschoben zu haben. "Ich bereue, was ich alles nicht mit ihr gemacht habe. Gespräche, die ich gerne noch geführt hätte, Fragen, die ich noch hatte."
Knapp ein Jahr nach dem Unglück ist der immense Verlust für Hammerschmidt, die mittlerweile Pressesprecherin des deutschen Biathlon-Teams ist, immer noch präsent. Die Trauer komme in Wellen, aufschieben wolle sie nun nicht mehr so viel. "Wenn ich Sachen mache, die außerhalb meiner Komfortzone liegen, denke ich tatsächlich oft: Das hätte Laura gefallen."
"Ich glaube nicht, dass das das Ende ist"
Neben vielen prägenden Erlebnissen bleibt Maren Hammerschmidt eine ganz besondere Erinnerung an ihre Freundin. Als Goldschmiedin schenkt ihr Laura Dahlmeiers Mutter eine Kette, die sie einst für ihre Tochter gemacht hatte. "Diese Kette hat auch Laura viel bedeutet", erzählt Hammerschmidt. An dem Schmuckstück hängt ein kleiner Buddha, den die heutige Ex-Biathletin in schwierigen Situationen immer wieder berührt. "Das gibt mir dann ein bisschen Ruhe und Stärke", erzählt sie.
Auch ein besonderes Ritual der spirituellen und dem Buddhismus zugeneigten Laura Dahlmeier übernimmt Hammerschmidt bis heute: "Laura ist immer mit einem Palo Santo ("heiliges Holz") gereist", erzählt sie. "Und manchmal hat sie bei uns im Zimmer auch weißen Salbei angezündet, um die schlechten Geister zu vertreiben."
Dahlmeier, mit der sie unter anderem WM-Staffel-Gold gewann, habe "an diesen inneren Frieden geglaubt" und "sich dafür Zeit genommen". Zündet Hammerschmidt jetzt einen Palo Santo an, erinnert sie der Geruch an ihre Freundin.
"Laura glaubte sehr stark an eine innere Kraft und dass man auf verschiedenen Ebenen miteinander verbunden sein kann", erzählt Maren Hammerschmidt. Ihre Freundin sei überzeugt gewesen, dass der Tod nicht das Ende ist.
Auch Hammerschmidt glaubt, dass sie ihre Freundin Laura wiedersehen wird: "Ich kann nicht sagen, wo man dann sein wird. Aber ich glaube nicht, dass das das Ende ist. Wir müssen ja noch einige Gespräche führen."
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Tagesschau: "Warum Laura Dahlmeier nicht gerettet werden konnte"
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