Klima im Pazifik
Phänomen El Niño: Woher kommt der Name und warum kippt er weltweit das Wetter?
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
El Niño 2026: Droht ein Wetterextrem?
Videoclip • 02:06 Min • Ab 12
El Niño und La Niña entstehen im tropischen Pazifik, wirken aber weit über Südamerika hinaus. Der Deutsche Wetterdienst erklärt, warum Regen, Dürre und Hitze dadurch weltweit beeinflusst werden.
Das Wichtigste in Kürze
El Niño entsteht im tropischen Pazifik, wenn sich Winde und Meeresströmungen ungewöhnlich verändern und sich das Wasser vor Südamerika erwärmt.
Die Folgen reichen von Starkregen und Überschwemmungen in Teilen Südamerikas bis zu Trockenheit in Australien, Südostasien und Teilen Afrikas.
La Niña ist das Gegenstück zu El Niño und beschreibt eine ungewöhnlich starke Abkühlung im östlichen Pazifik mit oft umgekehrten Wettereffekten.
Warum El Niño El Niño heißt
El Niño ist ein Klimaphänomen im tropischen Pazifik, das im Schnitt alle drei bis vier Jahre auftritt. Ursprünglich wurde es vor allem an der Westküste Südamerikas beobachtet. Inzwischen ist aber klar, dass El Niño, der in diesem Jahr besonders stark ausfallen dürfte, weltweit Folgen haben kann. Darauf weist der Deutsche Wetterdienst (DWD) in seinem Wetterlexikon hin.
Der Name stammt ursprünglich von peruanischen Fischern. "El Niño" ist spanisch für "das Kind" oder in diesem Zusammenhang "El Niño de Navidad" also "das Christkind". Der Hintergrund: Das Phänomen von ungewöhnlich warmem Wasser vor den Küsten fiel oftmals zur Weihnachtszeit auf. Die Fischer brachten das Naturereignis also mit dem Christkind in Verbindung.
In der normalen Lage treiben die Passatwinde warmes Oberflächenwasser von Südamerika Richtung Australien und Indonesien. Vor Peru steigt dafür kaltes, nährstoffreiches Tiefenwasser auf. Genau dieses Gleichgewicht gerät bei El Niño durcheinander.
Wenn der Pazifik aus dem Takt gerät
Lassen die Passatwinde nach oder drehen sie sich um, verlagert sich warmes Wasser wieder stärker Richtung Südamerika. Dann erwärmt sich der Ostpazifik vor Peru deutlich. Laut DWD bringt das an der Westküste Südamerikas oft starke Regenfälle, Überschwemmungen und Erdrutsche. Gleichzeitig leiden Teile Südostasiens, Australiens und des südlichen Afrikas eher unter Trockenheit.
Die Folgen sind nicht nur an Land spürbar. Wenn vor Peru weniger kaltes Tiefenwasser aufsteigt, fehlen wichtige Nährstoffe. Das kann Plankton, Fischbestände und ganze Nahrungsketten schwächen. Besonders betroffen sind laut den Quellen Meerestiere und Seevögel, die auf das kühle, fischreiche Wasser des Humboldtstroms angewiesen sind. Auch Korallen können durch höhere Wassertemperaturen zusätzlich unter Druck geraten.
La Niña ist das Gegenstück
Das entgegengesetzte Phänomen heißt La Niña. Dabei kühlt sich der östliche Pazifik stärker als üblich ab. Die Passatwinde wehen kräftiger, Indonesien und andere Teile Südostasiens bekommen oft mehr Regen, während es an der Küste Perus eher trocken bleibt. Der DWD beschreibt La Niña deshalb als "kalte Episode", während El Niño die "warme Episode" ist. Zusammen mit der neutralen Phase gehören beide zum größeren Klimasystem ENSO – der El Niño Southern Oscillation.
Wichtig ist: El Niño und La Niña bedeuten nicht überall automatisch dasselbe Wetter. Ihre Auswirkungen hängen stark von Region, Jahreszeit und weiteren Klimafaktoren ab. In Europa gibt es zum Beispiel meist nur begrenzte Fernwirkungen, während Regionen rund um den Pazifik oft sehr deutlich betroffen sind.
Warum das Phänomen so gefürchtet ist
Gefährlich ist El Niño vor allem, weil er viele Bereiche gleichzeitig trifft: Landwirtschaft, Fischerei, Trinkwasserversorgung und Katastrophenschutz. Der DWD betont, dass die betroffenen Regionen häufig über Monate mit den Folgen leben müssen. Extreme Regenfälle und Dürren können dabei nicht nur wirtschaftliche Schäden auslösen, sondern auch Krankheiten, Hunger und Versorgungsprobleme verschärfen.
Für 2026 wird dem Thema wieder besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Erste Behörden melden, dass im Juni 2026 Merkmale eines El Niño festgestellt worden seien. Das zeigt, warum das Phänomen nicht nur für Meteorolog:innen wichtig ist. Wenn sich der Pazifik verändert, spüren das oft Menschen auf einem großen Teil der Erde.
Verwendete Quellen:
Deutscher Wetterdienst: "El Niño und La Niña"
Wikipedia: "El Niño"
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