Talk zum AfD-Wahlsieg
"Auf dem Niveau bringt die Debatte nichts": Wagenknecht platzt nach Lanz-Vorwurf der Kragen
Aktualisiert:
von Natascha Wittmann:newstime
AfD will regieren: BSW als Königsmacher?
Videoclip • 01:42 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" spitzte sich die Debatte nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt schnell zu. Als der ZDF-Moderator Sahra Wagenknecht mit dem Vorwurf konfrontierte, sie mache sich zum "Steigbügelhalter" der AfD, platzte der BSW-Mitgründerin der Kragen.
Die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt endet mit einem klaren Sieger: Die AfD landet nach den vorläufigen Hochrechnungen bei rund 43,8 Prozent. Damit erreicht die Partei zwar einen Rekordwert, für die alleinige Regierung reicht es trotzdem nicht. Genau deshalb schaute Markus Lanz am Montagabend (7. September) besonders auf das Bündnis Sahra Wagenknecht. Mit 5,3 Prozent hat das BSW den Einzug in den Landtag nur knapp geschafft, könnte nun aber zum Zünglein an der Waage werden.
Wagenknecht nutzte die ZDF-Sendung zunächst dafür, um das Ergebnis als Abrechnung mit der bisherigen Politik zu deuten. Mit Blick auf die CDU sagte sie: "Das ist doch wirklich ein so deutliches Zeichen einer abgrundtiefen Unzufriedenheit mit der herrschenden Politik."
Lanz wollte daraufhin wissen, ob das BSW am Ende einen AfD-Ministerpräsidenten möglich machen würde. Sahra Wagenknecht wich jedoch aus: "Wir wollen, dass in Sachsen-Anhalt die Politik gemacht wird, die sich die Menschen wünschen." Als der Moderator nachlegte, blieb Wagenknecht schwammig und sagte über gemeinsame Abstimmungen im Parlament: "Da, wo es gemeinsame Mehrheiten gibt bei vernünftigen Positionen, für die wir auch gewählt werden, werden wir versuchen, im Landtag diese Mehrheiten zu nutzen."
Lanz zeigte sich unzufrieden und fragte erneut, ob das BSW Ulrich Siegmund "vorher zum Ministerpräsidenten" wählen werde. Wagenknecht reagierte genervt: "Das haben wir doch immer ausgeschlossen! Wir haben immer gesagt, wir wünschen uns einen überparteilichen Ministerpräsidenten (...) - jemanden, der für einen politischen Neubeginn steht."
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Markus Lanz rechnet hart mit Sahra Wagenknecht ab
Die BSW-Mitgründerin wetterte weiter: "Ich fände es gut, wenn wir eine Persönlichkeit finden mit Statur, die tatsächlich über Parteigrenzen hinaus respektiert wird - aber die natürlich für eine neue Politik steht." Nicht nur AfD-Chef Tino Chrupalla, sondern auch Lanz hatte Schwierigkeiten, sich eine geeignete Person für die Position vorzustellen.
Der ZDF-Moderator wurde daraufhin persönlich und hielt Wagenknecht ihre Vergangenheit vor: "Jahrzehntelang haben Sie (...) die große Antifaschistin gegeben (...). Und jetzt das!" Wagenknecht konterte empört: "Auf dem Niveau bringt die Debatte nichts!" Als Lanz wissen wollte, "was passiert ist, dass Sie sich jetzt plötzlich zum Steigbügelhalter für die AfD machen", kam die knappe Antwort: "Das finde ich unverschämt!"
In die Auseinandersetzung platzte auch AfD-Chef Tino Chrupalla. Er bezeichnete es als unverschämt, "dass Sie zum Beispiel unterstellen, dass wir Faschisten sind". Wagenknecht ergänzte: "Nach Ihrer Logik muss jeder die CDU und das Altparteien-Kartell unterstützen. Wer das nicht mehr macht, der ist Steigbügelhalter der AfD!" Die ehemalige BSW-Vorsitzende drängte derweil auf die Ursachenfrage und gab zu bedenken: "Wir müssen darüber sprechen, warum hat die AfD diesen riesigen Erfolg?"
Auch Journalistin Melanie Amann brachte Zündstoff in die Runde, als sie das Resultat in Sachsen-Anhalt als "eine Katastrophe für unsere Demokratie" bezeichnete. Tino Chrupalla hielt dagegen: "Wir haben die Demokratie wiederbelebt." Für ihn stand fest, dass es am Ende nur "einen Ministerpräsidenten Ulrich Siegmund geben" könne. Chrupalla wetterte weiter, dass die Brandmauer "abgewählt" sei, denn: "Die Bürger haben die Nase voll von diesem Schwachsinn!"
Chrupalla über Russland: "Ich halte die Sanktionen in jeglicher Form für nicht sinnbringend"
Auch die Außenpolitik war am Montagabend Thema. Lanz fragte Chrupalla: "Würden Sie sofort jede Unterstützung an die Ukraine einstellen?" Der AfD-Vorsitzende sagte zunächst vage: "Die humanitäre Unterstützung, da gibt's überhaupt keine Diskussion, dass man die natürlich leisten muss." Als es um die Sanktionen gegen Russland ging, wurde er deutlicher: "Ich halte die Sanktionen in jeglicher Form für nicht sinnbringend und vor allen Dingen haben sie der deutschen Wirtschaft selbst massiv geschadet." Ebenso kritisch sah Chrupalla die bisherigen Waffenlieferungen. Als Lanz das mit möglichen Fluchtbewegungen in Verbindung brachte, platzte Sahra Wagenknecht der Kragen: "Herr Lanz, das ist doch eine wirkliche Pseudo-Debatte!"
Politologe Peter Neumann hielt jedoch dagegen: "Es gibt Millionen von Ukrainern, (...) die einer russischen Besetzung Widerstand leisten würden. Der Konflikt würde weitergehen (...) und das würde ganz sicher zu vielen Flüchtlingen führen." Wagenknecht sah dies anders und mahnte: "Wir lassen uns immer tiefer in diesen Krieg hineinziehen und das ist gefährlich!" Laut der Politikerin hätten viele Bürger gerade deshalb die AfD gewählt, "weil sie sich in dieser Frage Veränderungen wünschen, weil sie Angst haben vor einem großen Krieg - und zwar berechtigte Angst".
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