Gegenmaßnahmen
Zollstreit zwischen USA und Kanada eskaliert: Steht ein Handelskrieg bevor?
Veröffentlicht:
von Fabia Söllner:newstime
Bis zu 100 Prozent: Trump verkündet neue Zölle
Videoclip • 59 Sek • Ab 12
Kanada antwortet auf die US-Zölle mit eigenen Maßnahmen. Wirtschaftsvertreter:innen in beiden Ländern befürchten steigende Kosten und drängen auf neue Gespräche, doch Trump verschärft den Handelsstreit weiter.
Das Wichtigste in Kürze
Die USA haben Zölle von 50 Prozent auf zahlreiche kanadische Waren verhängt.
Kanada kündigt Gegenmaßnahmen an.
Wirtschaftsvertreter auf beiden Seiten warnen vor steigenden Preisen und gestörte Lieferketten.
Der Zollstreit zwischen den USA und Kanada verschärft sich weiter und sorgt in beiden Ländern für wachsende Sorgen vor einem Handelskrieg. Wirtschaftsverbände warnen davor, dass neue Zölle Unternehmen und Verbraucher stärker belasten, Lieferketten stören und Investitionen bremsen könnten. Sie fordern deshalb, dass beide Regierungen wieder miteinander verhandeln und Handelsbarrieren abbauen.
Auch in Kanada wächst die Sorge über die wirtschaftlichen Folgen. Industrievertreter:innen kritisieren vor allem die anhaltende Unsicherheit, weil Unternehmen dadurch Investitionen zurückhalten könnten. Eine schnelle Einigung zwischen Washington und Ottawa gilt derzeit allerdings als wenig wahrscheinlich.
Verhandlungen sind gescheitert
Nach dem Scheitern nächtlicher Verhandlungen haben die USA neue Zölle von 50 Prozent auf bestimmte kanadische Waren eingeführt. Betroffen sind Importe im Wert von rund 20 Milliarden Dollar, darunter Hockeyschläger, Möbel, Honig und Wein.
Kanadas Premierminister Mark Carney kündigte daraufhin eigene Gegenmaßnahmen für September an. Er machte deutlich, dass Kanada den Schritt der USA als Angriff auf seine wirtschaftlichen Interessen betrachtet und entsprechend reagieren werde.
US-Präsident Donald Trump verteidigte die neuen Zölle und verschärfte seine Kritik an Kanada. Er warf dem Nachbarland vor, von den USA profitieren zu wollen, ohne entsprechende Pflichten zu übernehmen, und kritisierte besonders die hohen kanadischen Abgaben auf US-Agrarprodukte.
Auch in den News:
"Kostspielige und schädliche Spirale"
Der Experte Richard Fontaine warnt davor, dass gegenseitige Zollerhöhungen den Handelsstreit zwischen Kanada und den USA weiter verschärfen könnten. Kanada setze inzwischen bewusst auf einen härteren Kurs, weil die Regierung offenbar davon ausgehe, dass Zugeständnisse an Trump nur zu weiteren Forderungen führen würden.
Auch innerhalb Kanadas gibt es Unterstützung für den härteren Kurs gegenüber den USA. Ontarios Regierungschef Doug Ford begrüßte, dass Premierminister Carney das US-Angebot abgelehnt hatte, während Albertas Regierungschefin Danielle Smith zwar den Abbruch der Gespräche unterstützte, bei Gegenzöllen aber vorsichtiger blieb. Kritik am Vorgehen Trumps kam zudem aus den USA: New Yorks Gouverneurin Kathy Hochul warnte vor unnötigen Belastungen und höheren Preisen für Verbraucher:innen.
Politische Konsequenzen?
Ein Handelskrieg mit Kanada könnte auch innenpolitische Folgen für Trump haben. Da viele US-Bürger:innen bereits unter hohen Preisen leiden, könnten zusätzliche Kosten durch neue Zölle die Unzufriedenheit verstärken und Trumps Republikaner:innen bei den Zwischenwahlen im November belasten.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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