Überraschende Verbindung
Kurioser Deal der 80er: Warum WMF zeitweise zum Rüstungskonzern Rheinmetall gehörte
Aktualisiert:
von Claudia Frickel:newstime
Rüstung boomt: Rheinmetall wächst kräftig (11. März)
Videoclip • 02:02 Min • Ab 12
WMF steht für Besteck, Töpfe und Kaffeemaschinen – doch die bekannte Haushaltswarenmarke gehörte in den 1980er-Jahren zeitweise einem Unternehmen, das heute vor allem für Panzer und Munition bekannt ist: dem Rüstungskonzern Rheinmetall.
Rheinmetalls ungewöhnlicher Ausflug ins Haushaltswarengeschäft
Wer an Rheinmetall denkt, hat vorwiegend Militärtechnik vor Augen. Das Unternehmen aus Düsseldorf produziert unter anderem Munition, gepanzerte Fahrzeuge und Waffensysteme für die Bundeswehr. Weniger bekannt ist jedoch: In den 1980er-Jahren gehörte die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) zeitweise zu Rheinmetall.
1980 übernahm der Rüstungskonzern die Mehrheit an der Firma aus Geislingen an der Steige in Baden-Württemberg. WMF war damals bereits ein traditionsreicher Hersteller von Haushaltswaren, Gastronomieprodukten und professioneller Küchentechnik.
Das Unternehmen war seit Ende des 19. Jahrhunderts börsennotiert und hatte eine lange Geschichte: Nach der Gründung 1853 wechselten die Eigentümer mehrfach, bevor die Familie Siegle über 100 Jahre die Mehrheit hielt.
Der Einstieg bei WMF passte zur damaligen Strategie von Rheinmetall. Der Konzern wollte sich breiter aufstellen und "sich einen ertragsstarken zivilen Bereich zuzulegen", heißt es auf der Rheinmetall-Webseite. Es gab noch einen weiteren Grund: Die bisherigen Großaktionäre der Familie Siegle waren weitläufig mit der Röchling-Familie verwandt, dem Mehrheitseigner der Rheinmetall-Gruppe.
Doch dann erhob das Kartellamt Einspruch. Die Behörde befürchtete, dass Rheinmetalls Finanzkraft die starke Marktposition von WMF weiter ausbauen könnte. Der damalige Rheinmetall-Vorstandschef Dr. Hans-Ludwig Hockel konterte, "niemand könne ernsthaft annehmen, dass Panzerwaffen und Tischbesteck dieselben Kunden hätten".
Das Verfahren zog sich vier Jahre lang hin, bis Rheinmetall aufgab und WMF 1985 für 60 Millionen D-Mark wieder verkaufte. Der neue Inhaber war der Investor Wolfgang Schuppli. Seit 2016 gehört das Unternehmen zur französischen SEB-Gruppe, die ebenfalls Haushaltswaren, Geschirr und kleine Elektrogeräte produziert.
Auch in den News:
Nach WMF folgte der Einstieg in die Autoindustrie
Nach dem Verkauf von WMF blieb Rheinmetall zunächst ein Mischkonzern: 1986 übernahm das Unternehmen den Autozulieferer Pierburg und machte den Automotive‑Bereich zu einem wichtigen Standbein.
Erst Jahrzehnte später folgte die Rückkehr zur klaren Ausrichtung auf Verteidigungstechnik: 2026 verkaufte Rheinmetall seine Automotive-Sparte und konzentriert sich seitdem wieder vollständig auf Rüstung und Militärtechnik.
Verwendete Quellen:
Newstime: "Rheinmetall: Die Geschichte eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen Europas"
Rheinmetall-Webseite: "125 Jahre Rheinmetall – die Jahre 1956 bis 1989"
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