Firmenporträt
Rheinmetall: Die Geschichte eines der wichtigsten Rüstungsunternehmen Europas
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel17:30 SAT.1 Bayern
Rheinmetall baut aus: Mehr Munition aus Oberbayern
Videoclip • 01:13 Min • Ab 12
Rheinmetall zählt heute zu den bedeutendsten Rüstungskonzernen Europas – der Ukraine‑Krieg hat das Wachstum des Unternehmens deutlich beschleunigt. Seine Wurzeln reichen bis ins Kaiserreich Ende des 19. Jahrhunderts zurück.
Das Wichtigste in Kürze
Rheinmetall wurde 1889 in Düsseldorf als Hersteller von Munition gegründet.
Das Unternehmen war jahrzehntelang ein Mischkonzern und betrieb neben der Rüstung auch eine große Automotive‑Sparte.
Heute fokussiert sich Rheinmetall auf Rüstungs- und Verteidigungstechnik und zählt zu den wichtigsten Partnern der Bundeswehr.
Was ist Rheinmetall?
Rheinmetall ist der größte börsennotierte deutsche Rüstungskonzern und zählt zu den wichtigsten Unternehmen der europäischen Verteidigungsindustrie. Er entwickelt und produziert unter anderem Panzer und andere militärische Fahrzeuge, Munition, Waffen und Flugabwehrsysteme.
Die Firma mit Sitz in Düsseldorf hat in ihrer über 135-jährigen Geschichte zahlreiche Umbrüche erlebt. Nach dem Start als Munitionshersteller in Düsseldorf entwickelte sich Rheinmetall zu einem international tätigen Unternehmen.
Rheinmetall ist an der Frankfurter Börse notiert, gehört zum DAX und beschäftigt weltweit rund 32.000 Mitarbeiter:innen.
Der Jahresumsatz hat sich im Vergleich zum Jahr 2020 fast verdoppelt: Im Geschäftsjahr 2025 lag er bei 9,94 Milliarden Euro (2020: 5,4 Milliarden Euro). Der russische Angriff auf die Ukraine führte zu einer stark erhöhten Nachfrage nach Munition und militärischer Technik.
Eine Flagge der Rheinmetall AG weht über dem Werksgelände.
Bild: picture alliance/dpa
Die Geschichte von Rheinmetall: So entstand der Rüstungskonzern
Rheinmetall wurde am 13. April 1889 als "Rheinische Metallwaaren- und Maschinenbaufabrik Aktiengesellschaft" gegründet. Dahinter stand ein anderer Industriebetrieb, der Hörder Bergwerks- und Hüttenverein: Dieses sogenannte Montanunternehmen war in der Bergbau- und Metallindustrie tätig.
Es hatte vom Kriegsministerium des Deutschen Reiches einen Auftrag zur Herstellung von Munition für ein neues Gewehr erhalten. Weil es dafür keine Kapazitäten hatte, entstand in Düsseldorf-Derendorf ein neues Werk, das im Dezember 1889 mit der Produktion begann.
Der Ingenieur und Erfinder Heinrich Ehrhardt begleitete den Aufbau des Unternehmens und leitete Rheinmetall bis 1920. Erst im Alter von 80 Jahren zog er sich aus der Unternehmensführung zurück.
Er hatte sich schon vorher mit Waffen und Munition beschäftigt und stellte Rheinmetall zahlreiche seiner Patente zur Verfügung. Dazu gehörte auch ein 1891 patentiertes Verfahren zur Herstellung nahtloser Rohre. 1898 stellte Rheinmetall ein so gefertigtes neuartiges Rohrrücklaufgeschütz vor – ein technologischer Durchbruch für die damalige Artillerie. Die Technologie kommt heute noch in der Industrie zum Einsatz.
In den folgenden Jahren entwickelte sich Rheinmetall zu einem bedeutenden Hersteller von Waffen und Munition. Im Ersten Weltkrieg expandierte Rheinmetall massiv und beschäftigte zeitweise bis zu 48.000 Menschen – zu Beginn des Krieges waren es rund 8.000.
Von der Rüstung zur zivilen Produktion nach dem Ersten Weltkrieg
Nach dem Ersten Weltkrieg und der deutschen Niederlage stand Rheinmetall vor großen Herausforderungen: Der Versailler Vertrag schränkte die deutsche Rüstungsindustrie stark ein und verbot die Herstellung vieler Waffen.
Das Unternehmen musste seine Produktion umstellen und fertigte nun vor allem zivile Produkte wie Lokomotiven, Eisenbahnwaggons, landwirtschaftliche Geräte sowie Schreib- und Rechenmaschinen.
Ab 1921 war unter Auflagen wieder eine begrenzte Rüstungsproduktion möglich. 1925 übernahm das Deutsche Reich die Aktienmehrheit an Rheinmetall und band das Unternehmen damit stärker an staatliche Interessen.
Rheinmetall im Nationalsozialismus und Zweiten Weltkrieg
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 wurde Rheinmetall wieder stark auf die Rüstungsproduktion ausgerichtet. Das Unternehmen entwickelte und fertigte unter anderem Maschinengewehre, Minenwerfer, Feldkanonen und Panzerabwehrwaffen für die Wehrmacht.
Rheinmetall übernahm den Lokomotivhersteller Borsig in Berlin. 1936 fusionierten die Firmen zur Rheinmetall-Borsig AG. Zwei Jahre später verlegte der Konzern seinen Sitz nach Berlin.
Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Rheinmetall-Borsig zu den wichtigsten deutschen Rüstungsproduzenten. Das Unternehmen wurde zunehmend vom NS-Staat kontrolliert und in die Kriegsvorbereitung eingebunden. Teilweise waren über 85.000 Beschäftigte für den Konzern tätig.
Rheinmetall-Borsig setzte in all seinen Werken Zwangsarbeiter:innen ein. Die Außenlager Berta I und Berta II des Konzentrationslagers Buchenwald in Düsseldorf standen unter der Verwaltung des Unternehmens. Die Häftlinge mussten unter unmenschlichen Bedingungen in der Rüstungsproduktion arbeiten. Viele starben infolge von Hunger, Krankheiten und Gewalt. Allein im Werk Unterlüß wurden rund 5.000 Zwangsarbeiter:innen und Kriegsgefangene unter extremen Bedingungen eingesetzt.
Die Produktionsstätten des Konzerns wurden 1944 und 1945 durch Luftangriffe beschädigt und zerstört. Rheinmetall-Borsig verlegte sie deshalb teilweise in andere Gebiete, etwa in Polen.
Rheinmetall nach 1945: Neustart und Rückkehr zur Rüstung
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs untersagten die Alliierten zunächst die Rüstungsproduktion. Viele Anlagen wurden demontiert oder zerstört. Rheinmetall konzentrierte sich deshalb erneut auf zivile Produkte. In Düsseldorf stellte das Unternehmen unter anderem Schreibmaschinen, Stoßdämpfer und Aufzüge her.
Mit der Gründung der Bundesrepublik Deutschland und dem Aufbau der Bundeswehr in den 1950er-Jahren änderte sich die Situation. 1956 übernahm die Röchling-Gruppe aus Mannheim die Mehrheit an der Rheinmetall-Borsig AG und verkaufte Borsig an die Salzgitter AG. Das Unternehmen firmierte anschließend bis 1996 als Rheinmetall Berlin AG – seitdem handelt es sich um die Rheinmetall AG.
Ebenfalls 1956 nahm Rheinmetall die Produktion von Rüstungsgütern wieder auf und fertigte unter anderem Maschinengewehre, Maschinenkanonen und weitere Geschütze. Ab Mitte der 1960er-Jahre kamen auch schwere Waffensysteme hinzu.
Ab den 1960er‑Jahren entwickelte sich Rheinmetall zu einem zentralen Ausrüster der Bundeswehr: Rheinmetall war an der Bewaffnung des Kampfpanzers "Leopard 1" beteiligt und entwickelte Ende der 1970er-Jahre die Kanone für den "Leopard 2".
Rheinmetall als Mischkonzern: Automotive und weitere zivile Bereiche
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wandelte sich Rheinmetall zunehmend zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern. Neben der Rüstung baute das Unternehmen neue zivile Geschäftsfelder auf, darunter Maschinenbau, Elektronik und später die Automobilindustrie.
Mit der Übernahme des Autozulieferers Pierburg 1986 entwickelte sich der Automotive-Bereich zu einem wichtigen Standbein. Der Konzern entwickelte und produzierte unter anderem Komponenten für Motoren, Abgas- und Thermosysteme sowie weitere Fahrzeugteile. Über Jahrzehnte prägten zwei Bereiche das Unternehmen: Defence mit Waffen, Munition und militärischer Fahrzeugtechnik sowie Automotive mit Komponenten für die Automobilindustrie.
Zudem gehörten zeitweise auch Unternehmen wie die Württembergische Metallwarenfabrik (WMF) zum Konzern: Rheinmetall übernahm 1980 die Mehrheit an dem Hersteller von Haushaltswaren und Gastronomieprodukten, verkaufte sie aber später wieder.
Im Lauf der Zeit trennte sich Rheinmetall wieder von verschiedenen zivilen Bereichen und konzentrierte sich erneut auf Verteidigungstechnik. Die frühere Automotive-Sparte wurde 2021 als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert. 2026 kündigte Rheinmetall den Verkauf dieses Bereichs an die Münchner Aequita an.
Auch in den News:
Rheinmetall heute: Wachstum durch den Ukraine-Krieg
Der Rüstungs- und Technologiekonzern Rheinmetall hat seinen Sitz heute wieder in Düsseldorf. Das Unternehmen gehört seit 2023 zum DAX. Die Aktien befinden sich im Besitz zahlreicher privater und institutioneller Anleger:innen. Seit 2013 ist Armin Papperger Rheinmetall-Vorstandsvorsitzender.
Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Februar 2022 ist Rheinmetall deutlich stärker in den Fokus gerückt. Die Verteidigungsbudgets vieler NATO‑Staaten sind seit 2022 stark gestiegen – Rheinmetall profitiert davon unmittelbar. Besonders gefragt sind Artilleriemunition, gepanzerte Fahrzeuge wie der Schützenpanzer Puma sowie Systeme zur Luftverteidigung.
Der Konzern baut deshalb seine Produktionskapazitäten aus und zählt heute zu den wichtigsten Lieferanten der Bundeswehr und europäischer Streitkräfte.
Zum aktuellen Portfolio gehören neben Panzern auch Munition, Artilleriesysteme, Flugabwehr und militärische Elektronik.
Gleichzeitig bleibt Rheinmetall wegen seiner Rüstungsexporte und der Rolle als Waffenhersteller umstritten. Befürworter:innen betonen dagegen die Bedeutung des Unternehmens für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands und Europas.
FAQ: Rheinmetall
Rheinmetall ist ein deutscher Rüstungskonzern, der militärische Fahrzeuge, Waffen und Munition entwickelt und produziert. Dazu kommen Elektronik- und Schutzsysteme für Streitkräfte.
Die Rheinmetall AG ist ein deutscher Rüstungskonzern mit Hauptsitz in Düsseldorf. Das Unternehmen hat Standorte in vielen Ländern.
Rheinmetall gehört keinem einzelnen Eigentümer. Das Unternehmen ist börsennotiert, die Aktien befinden sich im Besitz zahlreicher institutioneller und privater Anleger:innen aus dem In- und Ausland.
Verwendete Quellen:
Rheinmetall-Homepage
Rheinische Post: "Rheinmetall: Die Geschichte des Düsseldorfer Rüstungskonzerns"
Spiegel: "Wie Rheinmetall vom Schmuddelkind zum Champion wurde"
Capital: "Rheinmetall im Lauf der Zeit"
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