Neuer Sipri-Bericht

Europa verdreifacht Waffenimporte – Deutschland weltweit viertgrößter Exporteur

Veröffentlicht:

von Jana Wejkum

:newstime

Deutschland exportiert mehr Waffen

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Der Bericht von Friedensforscher:innen zeigt, dass Europa zum Aufrüstungs-Hotspot geworden ist. Der Krieg im Iran dürfte die Nachfrage nach Rüstungsgütern weiter in die Höhe treiben.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Laut Sipri-Bericht hat sich die Zahl der Waffenimporte in europäischen Staaten in den letzten fünf Jahren verdreifacht.

  • Deutschland ist zum weltweit viertgrößten Waffenexporteur aufgestiegen und löst damit China ab.

  • Grund für die hohe Waffennachfrage in Europa ist der Ukraine-Krieg und die wahrgenommene Bedrohung durch Russland.

Ein neuer Bericht des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri zeigt auf, in welchen Regionen der Welt die meisten Waffen gekauft und verkauft wurden. Das schwedische Institut liefert seit 1950 kontinuierlich Daten über den internationalen Waffenhandel.

Sipri misst dabei nicht den Wert der Waffen, sondern deren Anzahl. Die Friedensforscher:innen untersuchten einen Zeitraum von fünf Jahren. Dementsprechend beziehen sich die Erkenntnisse auf die Entwicklung des Waffenhandels zwischen 2021 und 2025 im Vergleich zu den fünf vorangehenden Jahren.

Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um den Sipri-Bericht auf einen Blick.

Welche Staaten exportieren die meisten Waffen und wer sind ihre Abnehmer?

Global gesehen sind die Waffenlieferungen laut Sipri im Vergleich zum letzten Messzeitraum (2016 bis 2020) bis 2025 um mehr als neun Prozent gestiegen.

Die USA sind mit 42 Prozent aller globalen Waffentransfers weiterhin der größte Exporteur weltweit und liefern in fast 100 Staaten. Zum ersten Mal seit 20 Jahren ist Europa der größte Abnehmer, gefolgt vom Nahen Osten.

Frankreich gilt mit einem Anteil von beinahe zehn Prozent des globalen Handels als zweitgrößter Exporteur der Welt. Der größte Anteil der Waffen landete im außereuropäischen Ausland, wobei sich die Lieferungen innerhalb Europas verfünffachten.

Russland ist der drittgrößte Waffenexporteur, obwohl seine Exporte während des Ukraine-Kriegs von ehemals 21 Prozent auf 6,8 Prozent des weltweiten Volumens sanken. Indien, China und Belarus gelten als die Hauptabnehmer russischer Waffen.

Zu den größten Exporteuren gehören außerdem Deutschland, China, Italien, Israel und das Vereinigte Königreich.

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Wie entwickelt sich der Waffenhandel in Europa?

In den letzten fünf Jahren haben die europäischen Staaten die Zahl ihrer Waffenimporte laut Sipri verdreifacht. Insgesamt erhielt Europa in diesem Zeitraum ein Drittel der globalen Waffenimporte. Neben der Ukraine gehörten Polen und das Vereinigte Königreich zu den größten Abnehmern. Die meisten der importierten Waffen stammten aus den USA. Die Mitgliedsstaaten der NATO haben demnach 143 Prozent mehr Waffen importiert als noch zwischen 2016 und 2020.

Hauptgrund dafür ist der Ukraine-Krieg. Die wahrgenommene Bedrohung durch Russland hat laut Bericht das Aufrüsten in Europa ausgelöst. Nach Einschätzung von Sipri-Expertin Katarina Djokic sei Russland "eigenhändig für den starken Anstieg der europäischen Rüstungsimporte verantwortlich". Auch die Unsicherheit, ob die USA andere Staaten der NATO im Ernstfall verteidigen würden, habe die Nachfrage in die Höhe getrieben.

"Obwohl europäische Unternehmen ihre Waffenproduktion hochgefahren haben und die neuen Investitionshilfen der EU für die Rüstungsindustrie der Mitgliedstaaten zu einer Reihe von Aufträgen innerhalb der EU geführt haben, haben die europäischen Staaten auch im Zeitraum 2021 bis 2025 weiter US-Waffen importiert", so Djokic. Besonders gefragt seien US-Kampfflugzeuge und Luftabwehrsysteme mit großer Reichweite.

Außerdem würde der Waffenhandel laut Sipri-Forschenden beiderseitig dazu genutzt, die Beziehungen zwischen den USA und den Abnehmerländern zu stärken.

Welche Rolle spielt Deutschland bei den Waffenexporten?

Deutschland hat sich von 2021 bis 2025 zum viertgrößten Waffenexporteur der Welt entwickelt. Mit einem Weltmarktanteil von 5,7 Prozent hat es China auf den fünften Platz verwiesen. Beinahe ein Viertel aller deutschen Exporte flossen in die Ukraine-Hilfe, weitere 17 Prozent gingen an andere europäische Staaten.

Auch im außereuropäischen Ausland spielen deutsche Waffenexporte eine bedeutende Rolle: Insgesamt stammen rund sieben Prozent der Waffenimporte im Nahen Osten aus Deutschland. "Auch die Lieferungen in andere traditionelle Exportziele wie Ägypten und Israel sind gestiegen", sagte Djokic. So war Deutschland nach den USA der wichtigste Lieferant für Israel.

Auch in den News:

Gibt es Regionen, in denen die Waffenimporte gesunken sind?

Sipri berichtet, dass in den letzten Jahren die Importe in afrikanische Staaten um 41 Prozent zurückgegangen sind. Im gleichen Zeitraum nahmen auch die Importe in Asien und Ozeanien ab. Das liegt vor allem daran, dass China mehr als 70 Prozent weniger Waffen importierte als noch zwischen 2016 und 2020. Auch die sinkende Nachfrage in Südkorea (minus 54 Prozent) und Australien (minus 39 Prozent) trugen dazu bei. Gleichzeitig gehören vier Staaten der Region zu den weltweit größten Importeuren: Indien, Pakistan, Japan und Australien.

Insgesamt sind laut Sipri die Waffenimporte im Mittleren Osten um 13 Prozent gesunken. Israel erhielt aufgrund des Gaza-Kriegs hingegen mehr Waffen. Auch Saudi-Arabien, Katar und Kuwait gehören zu den weltweit größten Importeuren.

Welchen Einfluss könnte der Iran-Krieg auf die Rüstungsindustrie haben?

Der von den USA und Israel begonnene Krieg in Nahost dürfte die Nachfrage nach Rüstungsgütern in der Region und in Europa künftig weiter anheizen. So musste das NATO-Bündnis bereits mehrfach Raketen mit dem Ziel Türkei abfangen. Auch Zypern war von einem Drohnenangriff auf einen britischen Luftwaffenstützpunkt betroffen.

Die Sipri-Expertin Djokic warnt vor möglichen Lieferproblemen durch den US-Angriff auf den Iran: "Wenn es in den USA zu Engpässen etwa an Abwehrraketen kommt, [...]könnte das dazu führen, dass das Land seine eigenen Streitkräfte priorisiert und die Lieferungen an andere Staaten einschränkt." Weil die USA immer noch mit großem Vorsprung Hauptlieferant für Waffen in Europa sind, könnte das zum Problem werden.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Sipri: "Global arms flows jump nearly 10 per cent as European demand soars"

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