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Buckelwal Timmy: Die Chronologie von seiner Entdeckung bis heute
Aktualisiert:
von Marie-Finn Bruker, Christopher Schmitt:newstime
Timmy-Update: "Wal mit hoher Wahrscheinlichkeit tot"
Videoclip • 01:29 Min • Ab 12
Ein Buckelwal hielt wochenlang ganz Deutschland in Atem. Besonders die vielen Wendungen im Fall Timmy sorgten für Aufregung. Eine Chronologie von seiner Entdeckung bis heute.
Das Wichtigste in Kürze
Anfang März wird ein Wal im Wismarer Hafen gesichtet und schwimmt weiter in Richtung Lübeck.
Nach mehreren Strandungen wird Timmy immer wieder befreit und hängt letztlich auf einer Sandbank vor Poel fest.
Später gaben Behörden eine private Rettungsaktion frei – mittlerweile gibt es keine Daten mehr zu seinem Zustand.
Von freudiger Sensation zu traurigem Schicksal: Die Berichterstattung um Wal Timmy durchlief in der Ostsee ein regelrechtes Auf und Ab. Vermehrt brachte er sich in eine missliche Lage, erfuhr mehrere Bergungsversuche und sprang schon das ein oder andere Mal dem vermeintlich sicheren Tod von der Schippe.
Der Buckelwal vor Wismar – eine Chronologie
3. März: Der erste Auftritt
Im Hafen von Wismar taucht ein Wal auf. Ein seltenes Ereignis, das zahlreiche Schaulustige an den Hafen lockt. Die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd sowie weitere Einsatzkräfte sind vor Ort. Größtenteils gelingt es ihnen, die auf dem Tier liegenden Netzreste zu entfernen.
Gegen Abend schwimmt der außergewöhnliche Besucher wieder Richtung Ostsee. Zunächst geht das Deutsche Meeresmuseum von einem Finnwal aus.
4. bis 8. März: Zahlreiche Wiedersehen
In den ersten Märztagen gibt es mehrere Wal-Wiedersehen: In der Lübecker Bucht vor Brook westlich von Wismar taucht der Wal am 4. März erneut auf. Sea Shepherd versucht, die verbleibenden Leinenreste zu entfernen. Dies ist jedoch auch von einem größeren Schiff aus nicht möglich.
Gegen Abend des 7. März findet die Meeresschutzorganisation den Wal in der Bucht vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es schließlich, die verbleibenden Netzreste zu entfernen.
Das Deutsche Meeresmuseum erhält auch in den Folgetagen weiter Wal-Meldungen. So wurde das Tier in Westmecklenburg und Graal-Müritz östlich von Rostock sowie bei Wustrow und Ahrenshoop gesichtet.
10. März: Der Wal hängt fest
In Nordwestmecklenburg verfängt sich der Wal vor der Küste bei Steinbeck in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, anschließend wird das Geflecht durchtrennt und das Tier befreit. Der Wal richtet seinen Weg nun wieder seewärts.
14. bis 20. März: Auf dem Rückweg ins offene Meer?
Auch Mitte März gibt es an mehreren Küsten vor Nordwestmecklenburg Walsichtungen. Sea Shepherd beobachtet den Wal vor Travemünde und wird später auch von der Wasserschutzpolizei verständigt. Von einem Schlauchboot aus gelingt es der Organisation, einige der am Wal verbleibenden Netzteile zu entfernen.
Schließlich schwimmt der Wal mit letzten Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.
Erste Strandung: Aus dem Wal wird "Timmy"
23. bis 27. März: Es ist ein Buckelwal!
Am 23. März wird der Wal auf einer Sandbank vor dem Timmendorfer Strand entdeckt, er sitzt fest. Erst jetzt besteht die Einigung, dass es sich bei dem gestrandeten Tier um einen Buckelwal handelt.
Bagger graben eine Rinne, um den Wal zu befreien. Die Rettungsversuche laufen tagelang. Am 27. März ist der von Medien nach dem Strandungsort getaufte "Timmy" endlich frei. Er bahnt sich nun seinen Weg aus dem Timmendorfer Strand Richtung Lübecker Bucht.
Timmy strandet erneut – und verirrt sich in der Ostsee
28. und 29. März: Strandungen vor Wismar
Südlich der Insel Walfisch strandet Timmy erneut auf einer Sandbank vor Wismar. Der Wal schafft es kurzfristig, sich bei steigendem Wasserstand zu befreien, liegt aber wenige Meter weiter wieder im Sand auf.
30. März: Buckelwal auf Abwegen
Expert:innen hatten versucht, den Wal mit Lärm zu animieren. Am späten Abend schwimmt Timmy dann wieder – nur in die falsche Richtung, wie das Schweriner Umweltministerium berichtet. Er wird am Hafen von Wismar gesehen und bewegt sich danach Richtung Seebrücke.
Schicksal auf der Sandbank vor Poel
31. März bis 2. April: Rettungsversuche werden eingestellt
Nach Sichtungen vor Wismar sitzt der Wal erneut fest, diesmal im Kirchsee vor der Insel Poel. Expert:innen empfehlen, den bereits geschwächten Wal in Frieden zu lassen. Weitere Rettungsversuche werden eingestellt.
Anschließend wird die spätere Bergung des Tierkörpers vorbereitet. Ein Vermessungsboot beginnt, die Umgebung des Wals zu erkunden.
7. April: Das Gutachten – Timmy schwerstkrank
Ein Gutachten bietet erste Erkenntnisse über den Zustand des Wals. Expert:innen stellen diese gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor.
Timmy geht es laut Einschätzung der Expert:innen schlecht. Sie vermuten Organschäden durch das viele Aufliegen sowie einen sich verschlechternden Hautzustand des Tiers. Bei einer Rettungsaktion würde der Wal am Stress sterben. Backhaus bezeugt, das Tier sei "schwerstkrank", so der Umweltminister.
Am 11. April wird der vorerst letzte Versuch unternommen, den Wal mit Walgesängen unter Wasser zu mobilisieren. Dies bleibt ohne Erfolg.
Überraschung: Behörden geben privaten Rettungsversuch frei
15. bis 17. April: Der Rettungsversuch startet
Es ist der 15. April, als Backhaus auf einer Pressekonferenz über die Zulassung einer privaten Initiativrettung informiert. Timmy soll auf einem Luftkissen angehoben und anschließend lebend in die Nordsee und dann gegebenenfalls in den Atlantik transportiert werden. Die Aktion startet am 17. April. Ob der stark geschwächte Wal diese Aktion überleben wird, bleibt zu diesem Zeitpunkt unklar.
20. April: Zwischen Hoffnung und Bangen
Doch schon am Montagabend (20. April) bewegt sich Timmy selbst. Zuvor hatten Helfer:innen den Schlick unter dem Wal weggeblasen, um ihm den Weg in tieferes Wasser zu erleichtern.
Stehaufmännchen Timmy schwimmt los, ändert mehrmals den Kurs. Mit Hilfe anleitender Boote befindet sich der Wal schließlich auf dem richtigen Weg. Doch die Freude währt nicht lange – kurz darauf sitzt der Wal erneut fest.
21. April: Timmy steckt fest – kurz vor dem Ziel
In einer Bucht vor dem Kirchsee bleibt das Tier erneut stecken. "Es ist ein Nadelöhr, durch das er durchmuss", erklärt Unternehmerin Karin Walter-Mommert, die die Rettung mitfinanziert. Außerhalb ist das Wasser im Kirchsee oft nur hüfthoch.
"Solange er lebt, helfen wir ihm", äußert sich Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus. Dem gestressten Wal soll nun mit Futter geholfen werden. Der Zustand des zum fünften Mal gestrandeten Buckelwals sei laut Backhaus kritisch, aber vital.
22. April: Timmy gerät bei Geleitaktion in Panik
In "völlige Panik" gerät der Buckelwal während einer Geleitaktion laut Angaben des Schriftstellers Sergio Bambaren, der zum Team der privaten Rettungsinitiative gehört. Teammitglieder beschuldigen sich gegenseitig, falsch gehandelt zu haben.
25. bis 27. April: Vorbereitungen zum Abtransport
Zunächst werden mit Sand gefüllte Big Bags auf eine schwimmende Plattform geladen. Ziel ist, das Tier auf diese Weise zu stützen. Unterdessen wird an einer rund 100 Meter langen Rinne gebaggert, durch die der Wal in tieferes Fahrwasser gelangen soll.
Für den Transport wird eine sogenannte Barge verwendet, die zunächst den Nord-Ostsee-Kanal durchqueren muss und anschließend für den Transport des Wals vorbereitet wird.
Die Reise Richtung Nordsee beginnt
28. April: Für Timmy geht's ab durch die Rinne – und auf hohe See
Die "Arbeit am Wal" wird im flachen Wasser durch die Helfer:innen in Trocken- und Neoprenanzügen wieder aufgenommen. Stundenlang wird Timmy mit Gurten durch die gebaggerte Rinne zur Barge gezogen. Um 14:45 Uhr kommt die Erfolgsmeldung: Der Wal ist im abgesenkten Kahn angekommen.
Am Abend übernimmt der Schlepper "Robin Hood" die Barge – und zieht sie samt Wal in die offene Ostsee.
29. April: Der Schlepperverband ist auf dem Weg
Die Fahrt in die Freiheit hat begonnen: Am frühen Morgen durchquert der Schleppverband circa elf Kilometer die Gewässer südöstlich von Fehmarn. Mittlerweile wird die Barge vom Schlepper "Fortuna B" in Richtung Nordsee transportiert.
1. Mai: Sicherungsnetz wird entfernt
Ein Stück vor dem nördlichen Ende Dänemarks – also noch in der Ostsee – wird das Sicherheitsnetz der Barge entfernt. Der Lastkahn hat fast die Nordsee erreicht, doch muss rund 20 Kilometer vor der dänischen Nordspitze aufgrund schwieriger Wetterbedingungen abdrehen.
Timmy ist zurück in Freiheit
2. Mai: Kein Wahl in der Barge – doch Ärger um Daten
Der ersehnte Moment für viele, die in den vergangenen Wochen mit dem Buckelwal mitgefiebert haben, kommt am 2. Mai, als sich der Schiffskonvoi nördlich von Dänemark in Richtung Norwegen bewegt: Um 9 Uhr morgens ist der Lastkahn leer – Timmy ist iim Skagerrak in die Freheit geschwommen.
Später spricht die private Rettungsinitiative von einer voreiligen und chaotischen Entscheidung der Schiffsbesatzung. Diese habe den Einsatz offenbar beenden wollen. Timmy soll bei seiner Freilassung leichte Blessuren erlitten haben.
Ärger gibt es auch aufgrund der Sendertdaten zum Weg des Wals. Umweltminister Till Backhaus drückt bei News5 seinen Ärger aus. "Es war vereinbart, dass uns die Daten übermittelt werden, damit wir ihn auch begleiten können." (...) Uns sind bis heute keine Daten zur Verfügung gestellt worden." Laut der Rechtsanwältin der Initiative, Constanze von der Meden, können keine Angaben zur Schwimmrichtung des Wals gemacht werden.
4. Mai: Daten fehlen – wo ist Timmy?
Der am Timmys Flosse angebrachte GPS-Sender liefert nach Angaben von Initiatorin Karin Walter-Mommert nur eingeschränkt Standortdaten. Letzte Signale vom Samstagnachmittag (2. Mai) deuten aber darauf hin, dass der Wal in die "richtige Richtung" geschwommen sei – Richtung Nordwesten, zur norwegischen Atlantikküste. Thilo Maack von Greenpeace stellt klar, dass es sich bei den vom GPS-Tracker übermittelten Daten nicht um Vitaldaten handele.
5. und 6. Mai: Meeresmuseum vermutet Timmys Tod
Über das Schicksal des Meeressäugers gibt es auch Tage nach der Freilassung keine Informationen – doch Expert:innen gehen am von seinem Ableben aus. In einem Statement des Deutschen Meeresmuseums heißt es, es sei "mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass er nicht genug Kraft besaß, um längerfristig im tiefen Wasser zu schwimmen und nicht mehr lebt".
Gewissheit gibt es weiterhin nicht. "Mit der privaten Initiative ist vereinbart, dass sie sich bis heute mit den angeforderten Informationen zurückmeldet", erklärte Till Backhaus am Mittwoch (6. Mai). Dazu gehörten laut MV-Umweltminister "insbesondere die Daten der Peilsender sowie aktuelle Erkenntnisse zum Zustand des Tieres".
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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