Grünen-Ikone im TV-Talk
"Worte haben Konsequenzen": Joschka Fischer kritisiert bei Markus Lanz Kanzler Merz
Aktualisiert:
von Natascha Wittmann:newstime
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Videoclip • 01:00 Min • Ab 12
Bei "Markus Lanz" sparte Ex-Vizekanzler Joschka Fischer nicht mit Kritik an Schwarz-Rot. Aus seiner Sicht fehle es der Koalition an einer gemeinsamen Grundlage, um das Land wieder auf Kurs zu bringen. Sein Appell fiel entsprechend scharf aus: "Wir können so nicht weitermachen!"
Das Wichtigste in Kürze
Ex-Außenminister Joschka Fischer geht bei Lanz hart mit der USA-Politik von Kanzler Merz ins Gericht.
Europa mahnt er dringend, sich verteidigungspolitisch auf eigene Füße zu stellen.
Beim aktuellen Verhältnis zu den Vereinigten Staaten wird die frühere Grünen-Ikone emotional.
Bei "Markus Lanz" wurde am Mittwochabend (6. Mai) deutlich, wie angespannt das Verhältnis zwischen Europa und den USA inzwischen ist. Nachdem Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) US-Präsident Donald Trump öffentlich eine fehlende Strategie im Irankrieg vorgeworfen hatte, reagierte Joschka Fischer kritisch.
Der Ex-Vizekanzler erläuterte in der ZDF-Sendung, dass er die jüngsten Spitzen aus Berlin Richtung Washington für riskant halte, und mahnte zur Vorsicht: "Worte haben Konsequenzen und vor allen Dingen die Worte des Bundeskanzlers." Der Grünen-Politiker betonte: "Ich hätte es nicht gesagt."
Lanz hakte prompt nach und wollte wissen, wie beschädigt das transatlantische Verhältnis wirklich sei. Joschka Fischer erklärte, dass das gewohnte Fundament des Westens - und damit die Sicherheitsgarantie für Europa - längst ins Wanken geraten sei: "Die Situation, in der wir uns jetzt befinden, ist, dass sich Trump von diesem transatlantischen Westen losgesagt hat." Die Konsequenz formulierte der frühere Außenminister unmissverständlich: "Wir Europäer müssen begreifen: Wir sind alleine jetzt und wir müssen für unsere eigene Sicherheit sorgen."
Joschka Fischer: "Das hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht denken können"
Der ZDF-Moderator reagierte nachdenklich und fragte, ob Fischer so einen Bruch je für möglich gehalten hätte. Der ehemalige Außenminister verneinte dies und wurde dabei spürbar emotional: "Das hätte ich mir in meinen schlimmsten Träumen nicht denken können." Es sei "tieftraurig". Besonders bitter sei für ihn, dass das Europa nach dem Zweiten Weltkrieg ein Ergebnis amerikanischer Außenpolitik gewesen sei: "All das wurde willentlich zerstört und mich lässt das emotional nicht unberührt."
Doch Fischer blieb nicht beim Thema Außenpolitik. Der frühere Grünen-Politiker nutzte die Sendung auch für einen scharfen Blick in Richtung Berlin. Auf Lanz' Frage, wie man die Bevölkerung davon überzeugen könne, "dass Reformen notwendig sind", lieferte er eine klare Warnung: "Für mich scheint es einfach sonnenklar, dass unser Land, wenn es so weitermacht wie bisher, abstürzen wird: wirtschaftlich abstürzen wird und damit auch sozialstaatlich abstürzen wird. Wir müssen unsere Wettbewerbsfähigkeit wiedergewinnen."
Ex-Außenminister über Regierung: "Wir müssen eine große Aufholjagd starten"
Zwar habe er der aktuellen Regierung "allen Erfolg gewünscht", doch er mahnte: "Wenn du große Reformen machen mussst, dann brauchst du als Koalition ein gemeinsames Projekt." Es sei "ganz offensichtlich so, dass sie sich auf ein gemeisames Projekt nicht einigen konnten". Joschka Fischer resümierte: "Wir können so nicht weitermachen!" Der 78-Jährige forderte indessen "eine große Aufholjagd".
Ebenso ehrlich sprach Fischer auch über seine eigene Zeit als Vizekanzler. In Bezug auf Altkanzler Gerhard Schröder sagte er: "Ich habe mit Gerhard Schröder vertrauensvoll gut zusammengearbeitet über sieben Jahre hinweg. Und ich denke, wir haben das auch einigermaßen ordentlich hinbekommen gemeinsam." Gleichzeitig machte er deutlich: "Ich teile seine Auffassung gegenüber Russland überhaupt nicht." Dennoch sei er am Ende des Tages "niemand, der nachtritt".
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