Autokonzern in der Krise
VW-Krise ohne Schließungen? Konzernchef Blume spricht von "intelligenteren Lösungen"
Veröffentlicht:
von Fabia Söllner:newstime
VW sucht Auswege aus der Krise
Videoclip • 01:48 Min • Ab 12
Volkswagen steht vor einer umfassenden Umstrukturierung. Dabei könnten über 100.000 Arbeitsplätze wegfallen, und auch einige Standorte sind möglicherweise von Schließungen bedroht. Konzernchef Oliver Blume betont jedoch, dass er bessere und sinnvollere Alternativen zu Werksschließungen sieht.
Das Wichtigste in Kürze
Volkswagen plant einen umfassenden Sparkurs mit einem möglichen Abbau von über 100.000 Arbeitsplätzen.
Konzernchef Oliver Blume setzt auf Einsparungen, sieht aber Alternativen zu Werksschließungen.
Schwache Verkaufszahlen, vor allem in China, erhöhen den Druck auf den Konzern.
Nach Berichten über den möglichen Abbau von mehr als 100.000 Arbeitsplätzen wächst bei den Beschäftigten von Volkswagen die Sorge, dass auch ganze Werke geschlossen werden könnten. Konzernchef Oliver Blume versucht jedoch, diese Befürchtungen zu entschärfen.
Er erklärte, dass es aus seiner Sicht bessere Möglichkeiten gebe, als Produktionsstandorte aufzugeben. Zudem verwies er darauf, dass ein laufendes Sparprogramm bereits Erfolge zeige: Die Kosten an den deutschen Werken seien im vergangenen Jahr im Durchschnitt um 20 Prozent gesunken. Seine Aussagen folgen auf eine Aufsichtsratssitzung, bei der ein umfangreicheres Sparpaket laut Medienberichten keine Mehrheit gefunden haben soll.
Vorstand plant weiteren Umbau
Welche Maßnahmen das abgelehnte Sparpaket genau umfasst, ist bislang nicht offiziell bekannt. Medienberichten zufolge könnten weltweit zwischen 100.000 und 120.000 Arbeitsplätze bei Volkswagen wegfallen – deutlich mehr als ursprünglich vorgesehen. Außerdem stehen mehrere deutsche Standorte, darunter die Werke in Hannover, Emden, Zwickau sowie das Audi-Werk in Neckarsulm, im Raum für mögliche Schließungen.
Das Unternehmen wollte sich zu den Berichten über die Aufsichtsratssitzung nicht äußern. Konzernchef Oliver Blume erklärte jedoch, dass Volkswagen den geplanten Wandel konsequent fortsetzen werde. Ziel sei es, den Konzern trotz schwieriger internationaler Marktbedingungen langfristig widerstandsfähiger und wettbewerbsfähiger aufzustellen.
Elektroflotte als Zukunft?
Trotz der aktuellen Herausforderungen blickt Oliver Blume optimistisch auf die neue Elektroauto-Generation von Volkswagen. Nach seinen Angaben wurden von der neuen Einstiegsreihe rund um den ID. Polo innerhalb der ersten vier Wochen bereits mehr als 50.000 Fahrzeuge verkauft. Damit sieht er Volkswagen sowohl bei Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor als auch bei Elektroautos als führend auf dem europäischen Markt.
Gleichzeitig verweist Blume auf die schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Geopolitische Konflikte, Handelshemmnisse, strengere Vorschriften, tiefgreifende Veränderungen in den Märkten und der starke Wettbewerb stellten den Konzern vor große Herausforderungen. Um die Ertragslage zu verbessern, seien deshalb weitere Einsparungen notwendig. Zudem soll das Modellangebot verkleinert werden, damit sich einzelne Fahrzeuge besser verkaufen und wirtschaftlicher produziert werden können.
Auch die Politik sieht Blume in der Verantwortung. Der Erhalt des Industriestandorts Deutschland könne nur gelingen, wenn Wirtschaft, Politik und Gesellschaft gemeinsam an der notwendigen Transformation arbeiten.
Beschäftigte verlieren Vertrauen
Der Betriebsrat wirft der Konzernführung vor, das Vertrauen der Beschäftigten verspielt zu haben. Aus Sicht der Arbeitnehmervertretung informierte Vorstandschef Oliver Blume zwar das Management über mögliche Werksschließungen in Deutschland und einen deutlich umfangreicheren Stellenabbau, ließ die übrige Belegschaft jedoch weiter im Unklaren. Dieses Vorgehen kritisierte der Betriebsrat scharf.
Zuvor hatte die Arbeitnehmervertretung Blume aufgefordert, sich bis Freitag gegenüber den Beschäftigten zu den Plänen zu äußern. Nach der Sommerpause soll sich der Konzernchef deshalb bei Betriebsversammlungen an mehreren Standorten den Fragen der Mitarbeiter:innen stellen. Dabei werde sich zeigen, ob der Vorstand die anstehenden Veränderungen gemeinsam mit der Belegschaft umsetzen wolle oder gegen deren Interessen handle.
Bereits am Donnerstag hatten Beschäftigte mit Protestaktionen auf die Sparpläne reagiert. Medienberichten zufolge lehnten die Vertreter der Arbeitnehmer sowie des Landes Niedersachsen das vorgeschlagene Sparpaket im Aufsichtsrat ab und verfügten dabei über die Mehrheit der Stimmen. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies machte zudem deutlich, dass das Land keine Maßnahmen unterstützen werde, die Werksschließungen als vermeintlich einfache Lösung vorsehen.
Auch in den News:
Absatz in China zeigt Probleme
Die aktuellen Verkaufszahlen verdeutlichen die schwierige Lage von Volkswagen. Im zweiten Quartal setzte der Konzern weltweit rund 2,08 Millionen Fahrzeuge ab und verzeichnete damit einen Rückgang von fast neun Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Damit hat sich der Absatzrückgang im Vergleich zum ersten Quartal, als das Minus noch bei vier Prozent lag, weiter verschärft.
Besonders stark fiel der Einbruch in China aus. Dort gingen die Verkäufe um mehr als ein Drittel auf rund 424.300 Fahrzeuge zurück. Gleichzeitig wächst in der deutschen Automobilindustrie die Sorge vor der zunehmenden Konkurrenz aus China. Aufgrund der schwachen Nachfrage im Heimatmarkt richten chinesische Hersteller ihren Blick verstärkt auf das Ausland und gewinnen insbesondere in europäischen Ländern wie Italien, Spanien und Großbritannien mit Plug-in-Hybridmodellen zunehmend Marktanteile.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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