Debatte um Attest
BKK-Analyse zeigt: Lange Krankschreibungen werden zum Kostenproblem
Aktualisiert:
von Nadine von Parseval17:30 SAT.1 Bayern
Kritik an Krankschreibung ab Tag 1: Gerlach warnt vor mehr Bürokratie
Videoclip • 25 Sek • Ab 12
Die Debatte über strengere Regeln bei Krankschreibungen bekommt neue Nahrung: Nach einer Analyse des BKK Dachverbandes sind nicht kurze Krankmeldungen, sondern langwierige Erkrankungen der größte Kostentreiber für die gesetzlichen Krankenkassen. Mehr dazu liest du hier.
Das Wichtigste in Kürze
Lange Krankheitsausfälle verursachen die höchsten Kosten für die gesetzlichen Krankenkassen.
Psychische Erkrankungen und Muskel-Skelett-Leiden sind die größten Kostentreiber.
Die geplanten strengeren Regeln bei Krankschreibungen setzen laut BKK am falschen Punkt an.
Die Diskussion über strengere Regeln bei Krankschreibungen dürfte nach einer neuen Auswertung der Betriebskrankenkassen neuen Zündstoff erhalten. Denn nach Einschätzung des BKK Dachverbandes entstehen die höchsten Kosten für die gesetzliche Krankenversicherung nicht durch kurzfristige Krankmeldungen, sondern durch lang andauernde Erkrankungen.
Vor allem lange Erkrankungen treiben die Ausgaben
Wie aus der Analyse hervorgeht, schlagen vor allem psychische Erkrankungen sowie Beschwerden des Muskel- und Skelettsystems finanziell zu Buche. Sie führen häufig zu längeren Fehlzeiten und damit zu einem deutlichen Anstieg der Ausgaben für Krankengeld.
Dieses wird erst ab dem 43. Tag einer Arbeitsunfähigkeit gezahlt und betrifft deshalb vor allem Versicherte, die über einen längeren Zeitraum ausfallen. Im vergangenen Jahr summierten sich die Ausgaben dafür laut BKK Dachverband auf 21,6 Milliarden Euro. Damit zählt das Krankengeld inzwischen zu den größten Ausgabenblöcken der gesetzlichen Krankenversicherung. Mehr als jeder vierte krankheitsbedingte Fehltag entfiel 2025 auf Beschäftigte, die bereits Krankengeld bezogen. Gegenüber dem Stand vor zehn Jahren nahm die Zahl dieser Ausfalltage um 24,4 Prozent zu.
BKK fordert mehr Prävention
Nach Ansicht von Anne-Kathrin Klemm, Vorständin des BKK Dachverbandes, muss deshalb stärker in die Vorbeugung investiert werden. Besonders die wachsende psychische Belastung vieler Beschäftigter bereite Sorgen. Obwohl psychische Erkrankungen nur einen vergleichsweise kleinen Anteil aller Krankschreibungen ausmachen, dauern sie im Durchschnitt länger als fünf Wochen. Dieser Trend setze sich seit Jahren fort. Ohne wirksame Präventionsmaßnahmen werde die finanzielle Belastung weiter steigen. Gleichzeitig dürfe nicht vergessen werden, dass hinter jeder langen Krankheitsphase ein persönliches Schicksal stehe, so Klemm.
Kurze Erkrankungen spielen finanziell eine geringere Rolle
Der allgemeine Krankenstand blieb nach den Daten der Betriebskrankenkassen im Jahr 2025 mit 6,1 Prozent nahezu unverändert. Die meisten Arbeitsunfähigkeiten gingen zwar auf Atemwegserkrankungen zurück. Da diese jedoch meist nach kurzer Zeit überstanden seien, spielten sie bei den Gesamtausgaben der Krankenkassen nur eine untergeordnete Rolle.
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Die Pläne der schwarz-roten Koalition zielen dennoch auf Krankschreibungen insgesamt ab. Vorgesehen ist, dass Beschäftigte künftig bereits am ersten Krankheitstag eine Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorlegen müssen. Außerdem soll die Möglichkeit entfallen, sich telefonisch krankschreiben zu lassen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hatte die geplanten Änderungen mit dem Ziel begründet, den Krankenstand in Deutschland zu verringern.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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