Traditionsfirma aus Baden-Württemberg

Ritter Sport: Wie Clara Ritter die Quadrat-Tafeln erfand – und den Namen gleich dazu

Veröffentlicht:

von Claudia Frickel

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Ritter Sport verliert Rechtsstreit um die quadratische Form

Videoclip • 01:17 Min • Ab 12


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Der Schokoladenhersteller Alfred Ritter GmbH & Co. KG aus der Nähe von Stuttgart ist über 100 Jahre alt. Die quadratischen Tafeln gibt es nicht seit Beginn – sie gehen auf Clara Ritter zurück, die von einem Sportplatz inspiriert wird. Alles über die Firma, ihre Geschichte und die Gründer:innen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Das Unternehmen Alfred Ritter GmbH & Co. KG wurde 1912 in Baden-Württemberg gegründet – mit einer Süßigkeitenfabrik.

  • Das Ehepaar Alfred Eugen und Clara Ritter produzierten von Anfang an Schokolade, aber erst seit 1930 die berühmten quadratischen Tafeln.

  • Das Unternehmen befindet sich bis heute in Familienbesitz und produziert ausschließlich in Deutschland und Österreich.

Was zeichnet die Firma Ritter Sport aus?

Stollwerck, Sarotti, Halloren, Hachez: In Deutschland gibt es viele traditionsreiche Schokoladenfirmen. Dazu zählt auch Ritter Sport, das die anderen in puncto Bekanntheit hinter sich lässt. Das Unternehmen mit Sitz in Waldenbuch in Baden-Württemberg hat ein Alleinstellungsmerkmal durch seine quadratischen Schokoladentafeln: Die Form ist seit Jahrzehnten das Markenzeichen der Firma.

Auch durch die bunte Farbgebung unterscheiden sich Ritter-Sport-Schokoladen von den Produkten der Konkurrenz: Dadurch ist jede Sorte auf den ersten Blick erkennbar. Typisch sind zudem die Knick-Öffnung und die wiederverschließbare Verpackung.

Die 1912 gegründete Firma befindet sich bis heute im Familienbesitz. Es ist nicht an der Börse notiert und beschäftigt 1.900 Mitarbeiter:innen. Sie produzieren die Schokolade ausschließlich in Waldenbuch sowie im österreichischen Breitenbrunn. Allein im deutschen Werk verlassen jeden Tag mehr als drei Millionen Tafeln die Fabrik.

Der Konzern konzentriert sich auf Schokotafeln. Zum Sortiment gehören heute knapp 40 Varianten in verschiedenen Größen. Neben Klassikern wie Alpenmilch, Rum-Traube-Nuss oder Voll-Nuss bietet Ritter Sport auch vegane und glutenfreie Sorten an. Neben der 100-Gramm-Tafel gibt es auch Mini- sowie 250-Gramm-Varianten und Schokowürfel.

Seine Schokolade verkauft Ritter Sport in über 100 Ländern. 2025 liegt der Umsatz der Firma bei 712 Millionen Euro.

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Die Geschichte von Ritter Sport: Wie ist die Firma entstanden?

Alfred Eugen und Clara Ritter gründeten ihre Schokoladen- und Zuckerwarenfabrik "Alfred Ritter" 1912 in Bad Cannstatt. Ihre erste Tafel produzierten sie unter dem Namen "Alrika" – eine Abkürzung von Alfred Ritter Kannstatt. Diese Tafel war noch länglich, die ersten quadratischen Varianten kommen erst später dazu.

1930 zog das Unternehmen nach Waldenbuch um, weil das Cannstatter Firmengelände zu klein wurde.

Während der Zeit des Nationalsozialismus wurden Kakao und andere Rohstoffe knapp. Weil Alfred Ritter sich weigerte, in die NSDAP einzutreten, erhielt die Firma keine Kakao-Zuteilung. Das Unternehmen stellte darum Süßwaren ohne den Rohstoff her, etwa Gelee-Artikel, Erfrischungstäbchen und Fondant. Zwischen 1940 und 1950 wurde die Produktion ganz eingestellt.

1952 starb Alfred Eugen Ritter, 1959 auch Clara Ritter. Ihr Sohn Alfred Otto Ritter übernahm die Geschäftsleitung. Anfang der 1960er-Jahre beschloß er, sich auf die quadratischen Tafeln zu konzentrieren und die länglichen Tafeln aus dem Sortiment zu nehmen. Jetzt hießen die Tafeln erstmals "Ritter Sport". Die Neuausrichtung war erfolgreich: Der Umsatz der Firma verdreifachte sich bis 1970.

1971 führte "Alfred Ritter" die erste Joghurt-Schokolade der Welt ein. In dieser Zeit entstand auch der bis heute verwendete Slogan "Quadratisch. Praktisch. Gut."

Bis 1974 war die Schokolade der Firma in braunem Zellophan verpackt. Dann kamen unter der Bezeichnung "Bunte Vielfalt" erstmals die farbenfrohen Tafeln auf den Markt, für die Ritter Sport auch im TV warb. Das hatte laut Unternehmen vor allem mit der zunehmenden Verbreitung des Farbfernsehens zu tun.

1976 führte das Unternehmen die bis heute typische Schlauchverpackung mit der Knicköffnung ein. Die Kombination erlaubt es, die Schokotafel zu öffnen, ohne die Schokolade anzufassen. Zudem ist die Packung seitdem wieder verschließbar.

Ritter Sport wird heute in der vierten Familiengeneration geführt: Die Enkelkinder und Urenkel der Gründer:innen sind weiterhin als Gesellschafter:innen und im Beirat eingebunden. Die operative Leitung übernimmt jedoch seit 2015 ein externer Geschäftsführer: Seitdem ist Andreas Ronken CEO.

Clara Ritters Erfindung: das erste Schokoladen-Quadrat mit dem Namen "Ritter's Sport-Schokolade" von 1932

Bild: Ritter Sport


Woher kommt der Name Ritter Sport und wieso sind die Tafeln quadratisch?

Als die Firma Ritter 1930 auf das größere Firmengelände in Waldenbuch zog, hat das ungeahnte Folgen. Denn gleich nebenan befand sich ein Sportplatz. Schokoladentafeln waren damals nur in länglichen Formen zu haben, wie sie auch heute noch weit verbreitet sind.

Aber diese Varianten passten nicht in die Taschen der Jacken, die Männer damals im Stadion und auf dem Sportplatz trugen. Kakao galt damals als Muntermacher, weshalb Schokolade für Sportler:innen interessant war.

Das brachte Clara Ritter auf eine "bahnbrechende Idee", wie es bei Ritter Sport heißt: Warum nicht ein Schokoquadrat nutzen, damit das Produkt problemlos in der Tasche Platz findet? Die quadratische Tafel ist zwar kleiner, dafür aber dicker und genauso schwer wie eine Langtafel. Dadurch ist sie zudem weniger bruchanfällig.

Machen wir doch eine Schokolade, die in jede Sportjackentasche passt, ohne dass sie bricht, und das gleiche Gewicht hat wie die normale Langtafel.

Clara Ritter

Das Schokoladen-Quadrat bekam den Namen "Ritter’s Sport Schokolade". Die Firma verkaufte es ab 1932. Damit war auch gleich der Markenname geboren – jedenfalls fast. Allerdings bot das Unternehmen noch jahrzehntelang zusätzlich längliche Tafeln und Pralinen an.

Ritter Sport hat sich die quadratische Tafel später als dreidimensionale Marke schützen lassen. Immer wieder gab es Streit, wenn andere Süßigkeitenhersteller ähnliche quadratische Formen anbieten wollten. Anfang Januar 2026 verliert die Alfred Ritter GmbH & Co. KG vor dem Landgericht Stuttgart gegen die Firma Wacker aus Mannheim: Deren Haferriegel "Monnemer Quadrat" ist ebenfalls quadratisch. Ritter Sport will jedoch in die nächste Instanz ziehen.

Dem Quadrat widmet das Unternehmen sogar ein eigenes Museum: Das "Museum Ritter" in Waldenbuch zeigt überwiegend geometrisch-abstrakte Kunst.

Clara Ritter erfindet die quadratischen Schokotafeln – und den Namen Ritter Sport.

Bild: Ritter Sport


Alfred Eugen und Clara Ritter: Wer sind die Ritter-Sport-Gründer:innen?

Alfred Eugen Ritter wurde 1885 auf der Schwäbischen Alb geboren. Die Familie zog kurz danach nach Sigmaringen, wo der junge Mann später in einem Café eine Konditorlehre absolvierte. Dann arbeitete er als Konditor in Stuttgart.

Clara Ritter, geborene Göttle, kam 1877 am Rand der Schwäbischen Alb zur Welt. Schon als Kind half sie gemeinsam mit ihren acht Geschwistern in der elterlichen Gastwirtschaft mit. Später absolvierte sie eine Ausbildung als Verkäuferin in einem Feinkostladen. Gemeinsam mit ihrer Schwester eröffnete sie anschließend in Bad Cannstatt ein Süßwarengeschäft.

1912 heirateten Clara und Alfred Eugen Ritter. Ungewöhnlich war zu der Zeit, dass die Braut acht Jahre älter war als ihr Mann. Noch im selben Jahr gründeten sie ihre Firma.

Die beiden arbeiteten im Team. Sie kümmerte sich um Verkauf und Marketing und beschäftigte sich zudem mit Einkauf und Kontakt zu Kund:innen. Im Ritter-Sport-Blog heißt es dazu: "Alfred entwickelte süße Köstlichkeiten und Clara wurde zur vorausschauenden Unternehmerin."

Nach dem Zweiten Weltkrieg ernannte die US-Besatzung Alfred Eugen Ritter zum stellvertretenden Bürgermeister in Waldenbuch, weil er während des Nationalsozialismus nicht der NSDAP angehörte. Das Amt übte er ein Jahr lang aus.

Russlandgeschäft: Warum gerät Ritter Sport in die Kritik?

Nachdem Russland im Februar 2022 die Ukraine angriff, zogen sich viele westliche Firmen aus dem russischen Markt zurück – aber nicht Ritter Sport. Diese Entscheidung sorgte für Empörung bei Kund:innen und Kritiker:innen.

Manche riefen deshalb zum Boykott der Schokoladenmarke  auf. Sie hielten es für moralisch verwerflich, dass Ritter Sport Umsatz in einem Land erzielt, das einen Angriffskrieg führt.

CEO Andreas Ronken verteidigte das Vorgehen seiner Firma. Russland mache knapp 20 Prozent des Geschäfts aus, erklärte er bei "T-Online". "Wenn wir aussteigen, kostet das massiv Arbeitsplätze in Deutschland", sagte er. Zudem hätte die Alfred Ritter GmbH & Co. KG  dann "Kakaobauern im Stich gelassen".

Ein Dilemma zwischen Verantwortung und Haltung. Ich habe mich für Verantwortung entschieden.

Andreas Ronken, CEO bei Ritter Sport

Nach eigenen Angaben macht die Alfred Ritter GmbH & Co. KG jedoch keine Werbung mehr in Russland und spendet die Gewinne an wohltätige Zwecke, unter anderem an die Ukrainehilfe.


Welches ist die beliebteste Ritter-Sport-Schokolade und warum gibt es Streit um sie?

Die weltweit beliebteste Schokoladensorte von Ritter Sport ist Voll-Nuss. Das bestätigt CEO Andreas Ronken im Interview von "T-Online". Weil die Tafeln durch die quadratische Form dicker seien, "passt viel Füllung rein". Er ergänzt: "Wir haben Platz für dickere Nüsse." Diese Sorte gibt es bereits seit 1968.

Ausgerechnet um die Voll-Nuss gab es aber 2013 einen Streit mit der Stiftung Warentest: Die Tester:innen bewerteten die Sorte 2013 mit "mangelhaft", weil es Zweifel an der natürlichen Herkunft eines Aromastoffs gab. Er sei "nicht natürlich", heißt es im Test. Ritter Sport widersprach der Aussage und verwies auf die Angaben des Aromenlieferanten.

Bei dem folgenden Rechtsstreit entschieden die Gerichte teilweise zugunsten von Ritter Sport: Die Stiftung Warentest darf nicht mehr behaupten, dass der Aromastoff nicht natürlich ist.

FAQ: Ritter Sport

Schokolade von Ritter Sport wird weltweit verkauft, aber die Firma ist deutsch. Die Alfred Ritter GmbH & Co. KG hat ihren Hauptsitz in Waldenbuch in der Nähe von Stuttgart. Sie gehört weiterhin der Familie Ritter und ihren Nachkommen. Das Mutterunternehmen der Alfred Ritter GmbH & Co. KG und des ganzen Konzerns ist die R² Holding GmbH & Co. KG. Dazu gehören 15 inländische und elf ausländische Tochterunternehmen.

Der Hauptteil der Produktion von Ritter Sport findet weiterhin im Stammwerk in Waldenbuch in Baden-Württemberg statt. Zusätzlich betreibt das Unternehmen seit 2021 ein Werk in Breitenbrunn in Österreich. Dort entstehen die vegane Schokolade des Herstellers und die Amicelli-Waffelröllchen. Die Röllchen gehören erst seit 2021 zum Sortiment, als "Alfred Ritter" die österreichische Produktionsstätte vom US-Konzern Mars übernimmt – inklusive der Süßigkeit.

Ritter Sport produziert mehr als drei Millionen Schokoladentafeln pro Tag am Hauptstandort in Waldenbuch. Das sind pro Jahr mehr als eine Milliarde Tafeln. Dazu kommt die Herstellung im zweiten Werk in Österreich.


Verwendete Quellen:

Webseite von Ritter Sport

T-Online: "Wir haben die Welt kaputt gemacht"

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