Verbraucherorganisation
Stiftung Warentest: Wer steckt eigentlich hinter der Institution – und wie testet sie?
Veröffentlicht:
von Claudia Frickel:newstime
Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Smartphones, Tiefkühlpizzen, Kreditkarten, Sonnencreme und Streamingdienste: Die Stiftung Warentest prüft fast alles, was Verbraucher:innen im Alltag nutzen – zehntausende Produkte im Jahr. Wer ist die Institution, wie laufen die Tests ab und welche Streitereien gab es um die Ergebnisse? Außerdem verraten wir, was mit den getesteten Artikeln passiert.
Das Wichtigste in Kürze
Die Stiftung Warentest ist eine unabhängige Verbraucherorganisation, die alle möglichen Artikel und Services kritisch prüft.
Knapp 35.000 Produkte werden jedes Jahr getestet – nach standardisierten, wissenschaftlich fundierten Kriterien.
Gegründet wurde die Stiftung Warentest 1964 in Berlin auf Betreiben des Bundeswirtschaftsministeriums.
Was ist die Stiftung Warentest genau?
Die Stiftung Warentest ist eine gemeinnützige, deutsche Verbraucherorganisation. Sie prüft und bewertet Produkte sowie Dienstleistungen nach eigener Aussage "unabhängig, objektiv und unbestechlich". Als ihr oberstes Gebot sieht sie Neutralität.
Auf dem Prüfstand stehen alltägliche Dinge wie Haushaltsgeräte, Elektronik oder Lebensmittel, aber auch Dienstleistungen wie Versicherungen oder Bankprodukte. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass Nutzer:innen die Qualität, Sicherheit und Funktionsweise der Produkte einschätzen können. Sie erfahren unter anderem, wie zuverlässig etwas funktioniert und ob das Preis-Leistungs-Verhältnis gut ist.
Das Ziel der Tests: Verbraucher:innen sollen "Hintergründe verstehen, Probleme lösen und bessere Entscheidungen treffen", heißt es im Leitbild der Stiftung.
Wir testen Produkte und Dienstleistungen mit wissenschaftlichen Methoden – ohne Einfluss von Herstellern, Anbietern und Anzeigenkunden.
Die Stiftung Warentest ist eine Stiftung des bürgerlichen Rechts. Das bedeutet, sie ist rechtlich unabhängig und gehört niemandem – weder dem Staat noch Unternehmen. Sie hat einen Vorstand und Verwaltungsrat, die sicherstellen sollen, dass die Arbeit nach den selbstgesteckten Zielen und Regeln abläuft. Seit Januar 2024 ist die Journalistin Julia Bönisch alleinige Vorständin.
Die Stiftung ist nicht gewinnorientiert und finanziert sich hauptsächlich durch den Verkauf der Zeitschriften, Testberichte und Online-Angebote – nicht durch Werbung. Alle Tests werden transparent im monatlich erscheinenden "test"-Heft sowie online veröffentlicht.
Durch ihre Arbeit genießt die Stiftung Warentest "mehr Vertrauen als fast alle anderen Institutionen in Deutschland", heißt es auf der Webseite.
Es wäre toll, wenn wir alle Menschen in Deutschland mit unseren Testergebnissen erreichen würden, sodass sich Unternehmen noch mehr anstrengen müssen, um gute Produkte und Dienstleistungen anzubieten.
Wie viele Produkte prüft die Stiftung Warentest?
Jedes Jahr prüfen die Tester:innen mehr als 35.000 Produkte in über 210 Waren- und Dienstleistungstests. Die übergeordneten Tests decken jeweils eine bestimmte Kategorie ab – etwa Waschmaschinen, E-Roller oder E-Book-Reader. Dadurch werden die Ergebnisse vergleichbar. Dazu kommen Schnelltests, Marktübersichten und andere Reports.
Seit ihrer Gründung hat die Stiftung Warentest insgesamt rund 9.400 Tests durchgeführt. Darunter sind knapp 6.650 Tests von Waren und 2.750 Tests von Dienstleistungen.
Aktuell sind 200 Mitarbeiter:innen aus verschiedenen Fachbereichen wie Technik, Chemie, Gesundheit, Recht und Ökonomie für die Checks zuständig. Unabhängige Prüfinstitute und Expert:innen unterstützen die Arbeit der Stiftung.
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Wie ist die Stiftung Warentest entstanden?
Die Stiftung Warentest wird 1964 in Berlin gegründet. Der Deutsche Bundestag beschließt ihre Einrichtung, die Bundesregierung setzt sie anschließend um. Die Initiative geht vom Bundeswirtschaftsministerium aus. Mit der objektiven Institution sollen die Rechte von Verbraucher:innen gestärkt und der Markt transparenter gemacht werden.
Die Idee einer unabhängigen Organisation, die Produkte öffentlich vergleicht und bewertet, ist damals in Deutschland neu. Manche Unternehmen sind skeptisch, weil sie fürchten, dass negative Testergebnisse ihnen schaden könnten.
Von Anfang an führt die Stiftung Labor- und Praxistests für Alltagsprodukte durch. Damals stehen vor allem Lebensmittel, Textilien, Gebrauchsgegenstände und Haushaltsgeräte im Zentrum. 1966 erscheint das erste "test"-Heft – noch ohne Noten. Die nennt das Magazin erst ab 1968.
In den 1970er- und 1980er-Jahren erweitert sich das Testspektrum auf elektronische Geräte, Versicherungen und Finanzprodukte. Seit den 1990er-Jahren kommen Software, Apps und digitale Dienste dazu.
Welche Klagen und Kontroversen gibt es um die Stiftung Warentest?
Wenn die Stiftung Warentest ein Produkt schlecht bewertet, hat das Auswirkungen: Kund:innen greifen vielleicht lieber zu einer Alternative. Klar, dass Hersteller:innen darum immer wieder versuchen, rechtlich gegen Testurteile vorzugehen. Ob die Prüfer:innen Noten zu Recht oder zu Unrecht vergeben, müssen dann oft Gerichte entscheiden. In den meisten Fällen tun sie dies zugunsten der Stiftung, solange Tests sachlich und nachvollziehbar sind.
Schon kurz nach der Gründung löst ein Margarine-Test massive Kritik von Firmen aus, weil ihre Artikel schlecht abschneiden. 1975 befasst sich erstmals der Bundesgerichtshof (BGH) mit einem Urteil. Ein Hersteller von Skibindungen klagte gegen eine schlechte Bewertung. Das Gericht entscheidet zugunsten der Stiftung und stellt klar, dass die Tester bei ihren Bewertungen einen Spielraum haben.
Bekannt ist auch eine Klage von Uschi Glas, die das Landgericht Berlin Anfang der 2000er-Jahre ablehnt. Die Schauspielerin vertreibt damals eine Hautcreme. Der Testbericht straft sie mit "mangelhaft" ab, weil sie schlecht verträglich für die Haut sei.
Manchmal setzen sich allerdings die Firmen durch: Ritter Sport erreicht 2013/2014 vor Gericht eine einstweilige Verfügung. Die Stiftung darf seitdem nicht mehr behaupten, dass der Aromastoff Piperonal in der Schokolade "Voll‑Nuss" nicht natürlich ist.
2014 ist die Organisation in einen Skandal verwickelt: Der ADAC testet im Auftrag der Stiftung Reifen. Allerdings erfahren die Hersteller:innen vorher, was und wie getestet wird – und könnten die Reifen anpassen. Der ADAC bestreitet jedoch, dass es zu Manipulationen kam.
2025 wird die Stiftung erstmals zu Schadenersatz verurteilt – und das in Millionenhöhe. Ende 2020 erhält ein Rauchwarnmelder des Unternehmens Pyrexx die Note "mangelhaft". Danach geht der Umsatz deutlich zurück. Die Tester:innen müssen vor dem Landgericht Frankfurt die Prüfberichte des belgischen Prüfinstituts offenlegen – und diese zeigen Versäumnisse auf. Laut Gericht haftet die Stiftung auch für Fehler externer Prüfinstitute, wenn sie deren Arbeit nicht ausreichend überwacht. Die Institution will gegen das Urteil Berufung einlegen.
Wie laufen die Tests der Stiftung Warentest ab?
Die Stiftung Warentest arbeitet nach eigener Aussage mit einem strengen, wissenschaftlich fundierten Prüfungsansatz. Die Testmethoden sind standardisiert und werden mit Fachlaboren abgestimmt. Von der ersten Idee bis zum veröffentlichten Testbericht können mehrere Monate vergehen.
Produktauswahl: Zunächst entscheidet sich die Organisation für eine bestimmte Produktgruppe. Die Waren und Angebote sollen "aus allen Lebensbereichen" stammen und für Verbraucher:innen relevant sein.
Kauf der Produkte: Die Tester:innen erwerben die ausgewählten Artikel ganz normal im Handel. Sie zahlen bar oder mit Karte, aber so, dass nicht ersichtlich ist, wer hinter dem Kauf steckt. Mit diesem Vorgehen soll gewährleistet sein, dass die Waren die gleichen sind, die Verbraucher:innen ebenfalls erhalten.
Labor- und Praxistests: Die Produkte werden in Laboren von Fachleuten geprüft. Es geht beispielsweise bei elektronischen Geräten um Energieverbrauch, Haltbarkeit und Sicherheit. Außerdem gibt es Alltagstests. Dann werden Bedienung und Funktionen auf den Prüfstand gestellt. Je nach Dienstleistung oder Artikel gelten unterschiedliche Aspekte.
Bewertung: Die Tests orientieren sich an nachvollziehbaren Kriterien mit jeweils anderer Gewichtung. Bei Smartwatches können das etwa folgende sein: "Fitnessfunktionen", "Kommunikation", "Handhabung", "Akku", "Stabilität und Verarbeitung“ und "Datenschutz und Sicherheit". In jeder Kategorie werden Punkte vergeben. Daraus ergibt sich ein Gesamtergebnis. Bei gravierenden Mängeln kann es zu Abwertungen kommen.
Welche Noten vergibt die Stiftung Warentest?
Die Testurteile der Warentester:innen orientieren sich an den deutschen Schulnoten. Nur die schlechteste Note 6 fehlt:
0,5–1,5: sehr gut
1,6–2,5: gut
2,6–3,5: befriedigend
3,6–4,5: ausreichend
4,6–5,5: mangelhaft
Was macht die Stiftung Warentest eigentlich mit den getesteten Produkten?
Nach der Prüfung auf Herz und Nieren wirft die Stiftung Warentest viele Produkte meist nicht einfach weg – "wenn sie die ausgiebigen Tests überlebt haben", so die Organisation. Viermal pro Jahr kommen sie unter den Hammer: Ein Auktionshaus versteigert im Auftrag der Stiftung zum Beispiel Handys, Staubsauger, Waschmaschinen, Tablets oder Wassersprudler.
Zwei Wochen lang läuft eine Auktion normalerweise, und alle Interessierten können online mitbieten. Wer die Dinge vorher live ansehen will, muss jedoch nach Berlin fahren. Bei einem Zuschlag müssen die Gegenstände dort auch an bestimmten Tagen abgeholt werden – verschickt wird nichts. Es gibt jedoch Dienstleister, die das übernehmen. Informationen zu aktuellen und kommenden Auktionen findest du bei auf der Website von Stiftung Warentest.
FAQ: Stiftung Warentest
Hinter der Stiftung Warentest steht keine einzelne Person oder ein Unternehmen, sondern sie ist eine unabhängige Stiftung des bürgerlichen Rechts. Gegründet wurde sie 1964 auf Beschluss des Deutschen Bundestages. Die Stiftung hat keine Eigentümer – sie ist gemeinnützig und arbeitet neutral und unabhängig. Ein Stiftungsrat überwacht die Einhaltung des Stiftungszwecks.
Die Stiftung Warentest finanziert sich überwiegend über den Verkauf des Hefts, kostenpflichtige Downloads und Abos von "test.de". Außerdem nimmt sie Gelder durch Logolizenzen ein. Das Stiftungsvermögen von 180 Millionen Euro muss in seinem Bestand erhalten bleiben. Früher sollten staatliche Zuwendungen ausgleichen, dass die Stiftung keine Einnahmen aus Werbung erzielen darf. Bis 2023 wurden diese Zuschüsse schrittweise reduziert, seit 2024 entfallen sie ganz.
Dreimal pro Jahr legen die Expert:innen der Stiftung Warentest die Testthemen fest – bei Bedarf auch öfter. Eine Rolle spielen dabei Rückmeldungen von Verbraucher:innen sowie Marktanalysen. Häufig verkaufte Produkte wecken auch das größte Interesse an Informationen über ihre Qualität. Zudem behält die Stiftung technische Trends und neue Angebote im Blick. Hersteller:innen und Anbieter:innen haben keinen Einfluss auf die Themenwahl und können nicht bestimmen, welche Produkte getestet werden.
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