Preis soll sinken
Reformen geplant: Wird der Führerschein jetzt günstiger?
Aktualisiert:
von Jana Wejkum:newstime
So soll der Führerschein billiger werden (26. Oktober 2025)
Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
Der Führerschein ist so teuer geworden, dass ihn sich Fahranfänger:innen kaum mehr leisten können. Das Verkehrsministerium will mit Reformen dagegensteuern – ist das eine gute Idee?
Um die 3.500 Euro oder mehr - so viel kann ein Führerschein in Deutschland mittlerweile kosten. Zu viel, findet der Bundesverkehrsminister. "Mobilität ist Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge – sie darf kein Privileg sein", so Patrick Schnieder (CDU) auf der Webseite des Ministeriums. Geplant ist darum eine Reform der Fahrausbildung und der Fahrprüfung.
Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar, einer Fachtag für Verkehrssicherheit und Verkehrsrecht, wird ab Mittwoch (28. Januar) über die Vorschläge diskutiert. Die entstandenen Empfehlungen könnten vom Gesetzgeber berücksichtigt werden.
Was sich beim Führerschein ändern soll - und welche Vorteile und Probleme der Reformvorschlag mit sich bringt.
Das sind die wichtigsten Reformvorschläge:
Kein verpflichtender Theorieunterricht in Präsenz, sondern mehr digitale Angebote
Der Fragenkatalog für die Theorieprüfung soll um ein Drittel reduziert werden und sich auf die Verkehrssicherheit konzentrieren
Verstärkte Nutzung von Fahrsimulatoren, etwa, um damit vollständig das Fahren mit einem Schaltgetriebe zu lernen
Weniger verpflichtende Sonderfahrten (Nacht-, Autobahn- und Überlandfahrten), die teilweise im Simulator absolviert werden dürfen
Verkürzte Fahrprüfung von 25 Minuten
Weniger Dokumentationspflichten der Fahrschule
Experimentierklausel sieht vor, dass eventuell nahestehende Personen in die Fahrausbildung einbezogen werden können
Mehr Preistransparenz durch Vergleichbarkeit der Fahrschulen online
Das spricht für die Reform
Unfallforscher Siegfried Brockmann von der Björn Steiger Stiftung begrüßt gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa) die geringeren Anforderungen für Sonderfahrten. Solange je eine Autobahn-, Nacht- und Überlandfahrt Pflicht bleibt, seien Abstriche vertretbar. Auch den Einsatz des Simulators hält er für sinnvoll.
Laut Deutschem Verkehrssicherheitsrat könnte damit "insbesondere das gefahrlose Überholen" trainiert werden. Teilnehmer:innen einer Umfrage des Auto Clubs Europa (ACE) halten den Simulator auch zum Üben mit Schaltgetriebe geeignet.
In der Theorieprüfung würden nach Meinung von Chef-Unfallforscherin im Gesamtverband der Versicherer, Kirstin Zeidler, zu viele technische Themen abgefragt. Es könne gekürzt werden, sofern sicherheitsrelevante Fragen erhalten bleiben.
Das spricht gegen die Reform
Unfallforscherin Zeidler gibt zu bedenken: "Die Gruppe der 18- bis 24-Jährigen hat das höchste Unfallrisiko." Weil sie risikobereiter seien und wenig Erfahrung besitzen, sei es wichtig, die Anforderungen an die Fahrausbildung nicht zu senken. "Für echtes Fahrerleben sollten Prüfungsdauer oder Zahl der Sonderfahrten erhalten bleiben", findet sie.
Die Sonderfahrten findet auch Kurt Bartels von der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände unerlässlich, denn sie würden Bereiche abdecken, in denen die meisten Unfälle passieren. Simulatoren könnten nur ergänzen, denn sie seien teuer und nicht realitätsnah genug. Systeme, die aus mehr als lediglich drei Bildschirmen und einem Schalthebel bestehen, würden bis zu 70.000 Euro kosten.
Bartels verweist auf die Erfahrungen aus der Corona-Pandemie: Schüler:innen mit Online-Theorieunterricht hätten mehr Praxisausbildung benötigt. Er befürwortet daher die Präsenzlehre.
Die ACE-Umfrage zeigt, dass die Mehrheit der Befragten Sonderfahrten im Simulator oder gleich eine Streichung von Sonderfahrten, kürzere Prüfungen oder einen Wegfall der Präsenzpflicht kritisch sieht.
Fahrlehrer:innen protestieren am 28. Januar vor dem Brandenburger Landtag gegen die Reformpläne. Unter anderem kritisieren sie die "Experimentierklausel". Das sei eine "Laienausbildung mit hohem Risiko", kritisiert Hendrik Schreiber, Vorsitzender des Fahrlehrerverbands Brandenburg.
Diese Alternativen gibt es
Die Unfallforscherin und der Fahrlehrer sprechen sich für Lernstandserhebungen aus, die verhindern sollen, dass Schüler:innen mit zu geringem Wissensstand durch eine Prüfung fallen. Auch der Deutsche Verkehrssicherheitsrat hält das für den "wirksamsten Hebel für Kosteneinsparungen".
Bereits bestehende Regelungen müssten laut Bartels besser überprüft werden. Nach Angaben des TÜV Nord scheiterte jeder Dritte 2024 an der theoretischen und praktischen Prüfung, häufig zum wiederholten Mal.
Der ADAC schlägt vor, begleitetes Fahren mit den Eltern während der Fahrschulausbildung zu ermöglichen, um mehr Fahrpraxis zu sammeln.
Bartels plädiert für ein steuerliches Absetzen des Führerscheins, der ACE für einen einmaligen Mobilitätszuschuss Auch eine verpflichtende Verkehrsbildung im Schulunterricht sei denkbar.
Auch müssten bessere Bedingungen für Fahrlehrer:innen geschaffen werden, da fehlendes Personal für mehr Kosten und eine längere Ausbildungsdauer sorgt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Bundesministerium für Verkehr: "BMV legt umfassende Reformvorschläge für moderne, sichere und kostengünstigere Fahrausbildung vor"
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