Energieversorgung
Gasspeicher sind deutlich leerer als üblich: Wie sicher ist die Versorgung?
Aktualisiert:
von Max Strumberger:newstime
Füllstand der Gasspeicher: Besorgniserregend niedrig
Videoclip • 01:02 Min • Ab 12
Deutschlands Gasspeicher sind nur knapp über der gesetzlichen Untergrenze, der Winter aber noch nicht vorbei. Regierung und Netzagentur beruhigen zwar, doch die Branche vor einem riskanten Spiel mit der Versorgungssicherheit.
Das Wichtigste in Kürze
Die Füllstände der deutschen Gasspeicher sinken auf ein heikles Niveau: Nur noch gut ein Drittel ist gefüllt.
Offiziell heißt es zwar, es gebe keinen Grund zur Sorge.
Doch Verbände und Opposition zweifeln, ob die Vorsorge für den nächsten Winter ausreicht.
Die deutschen Gasspeicher liegen nur knapp über der gesetzlichen Untergrenze: Zum 1. Februar müssen sie mindestens zu 30 Prozent gefüllt sein, aktuell sind es 32,44 Prozent. Ende Januar lag der Wert noch bei rund 35 Prozent – deutlich weniger als in den Vorjahren. Offiziell heißt es dennoch, es gebe keinen Anlass zur Panik. Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sagte während einer Reise nach Saudi-Arabien: "Sorgen sind nicht angebracht." Man beobachte die Lage täglich, die Versorgung sei abgesichert.
LNG-Gas hat Deutschland flexibler gemacht
Die Bundesregierung verweist vor allem auf neue Importmöglichkeiten. Neben dem Pipelinegas, das zu rund 45 Prozent aus Norwegen kommt und durch Lieferungen aus den Niederlanden und Belgien ergänzt wird, spielen inzwischen Flüssiggasterminals (LNG) an Nord- und Ostsee eine zentrale Rolle. "Die inzwischen gut ausgebaute LNG-Infrastruktur in Deutschland und Europa ermöglicht neben der bestehenden und sicheren Hauptversorgung durch norwegisches Pipelinegas die notwendigen Importe nach Deutschland", so das Bundeswirtschaftsministerium. Klaus Müller, Präsident der Bundesnetzagentur, betont, die Terminals seien derzeit nicht ausgelastet und gäben Deutschland "noch mal ein zusätzliches Maß an Sicherheit".
Doch aus der Branche kommen deutlich kritischere Töne. Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft e. V. spricht von einer "zentralen Herausforderung" für die Versorgungssicherheit. Hintergrund ist, dass die Speicher nach einem vergleichsweise normalen Winter bereits stark geleert sind – und für den kommenden Winter 2026/27 deutlich mehr Gas eingespeichert werden müsste als in diesem Jahr. "Leere Gasspeicher sind wie eine Versicherung ohne Deckung", warnt Timm Kehler, Vorstand des Verbandes. Setze sich der kalte Winter fort, könne es nötig werden, im Sommer fast 50 Prozent mehr Gas einzulagern als im vergangenen Jahr, um die Füllstandsvorgaben zu erreichen.
Wir Gas jetzt teurer?
Kritik kommt auch aus der Politik. Der energiepolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Michael Kellner, wirft der CDU-Ministerin und der Bundesregierung Versäumnisse vor: "Die Bundesregierung hat schlecht vorgesorgt, obwohl die kritische Lage schon lange von vielen Seiten vorhergesagt wurde. Die Füllstände fallen rapide, die Preise steigen, und die Situation kann schnell akut für die Menschen in Deutschland werden." Er fordert, jetzt konsequent Gas zu sparen. Dem widerspricht das Wirtschaftsministerium mit dem Hinweis, "die Gasversorgung ist sichergestellt", vor allem dank der neuen LNG-Kapazitäten.
Für Haushalte und Unternehmen ist die Lage bislang vor allem ein Sicherheits- und weniger ein Preisproblem. Zwar ist der Gaspreis an der Börse angesichts der hohen Nachfrage in Europa deutlich gestiegen – von 29,96 auf 36,80 Euro pro Megawattstunde zwischen Dezember und Anfang Februar. Doch bei Neuverträgen zahlten Kunden am 1. Dezember 2025 durchschnittlich 8,42 Cent pro Kilowattstunde, am 1. Februar 2026 waren es 8,05 Cent. Die Bundesnetzagentur beruhigt: "Selbst kurzfristige Preisänderungen haben keine direkten Auswirkungen auf die Endkundenpreise, da Verträge immer über eine bestimmte Laufzeit geschlossen werden und sich in dieser Zeit nicht ändern." Wie belastbar diese Zusicherung bleibt, hängt nun auch davon ab, ob der Restwinter mild verläuft – und ob es gelingt, die Speicher im Sommer wieder rechtzeitig zu füllen.
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