Niedrige Füllstände, strenger Winter
Leerer als 2022: Sorge um Gasspeicher in Deutschland
Aktualisiert:
von Joachim VonderthannDie Gasspeicher in Deutschland sind aktuell niedriger als im Krisenjahr 2022.
Bild: Axel Heimken/dpa
Deutschlands Gasspeicher sind ungewöhnlich leer. Fachleute warnen vor Risiken für die Versorgungssicherheit und steigenden Kosten.
Das Wichtigste in Kürze
Deutschlands Gasspeicher sind auf einem ungewöhnlich niedrigen Stand von 42 Prozent.
Das ist weniger als im Krisenjahr 2022.
Expert:innen warnen vor Risiken für die Versorgungssicherheit im nächsten Winter.
Der Füllstand der deutschen Gasspeicher hat ein besorgniserregendes Niveau erreicht. Laut der Bundesnetzagentur waren die unterirdischen Speicher Anfang der Woche nur zu etwa 42 Prozent gefüllt. Timm Kehler, Vorstand des Verbandes "Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft", sagte der "Augsburger Allgemeinen", dass die Speicher "aktuell leerer als im Krisenjahr 2022" seien. Gründe hierfür seien vor allem die kalte Witterung der vergangenen Wochen und eine unzureichende Befüllung vor Beginn der Heizperiode. 2022 waren die Energiepreise infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine extrem nach oben geschossen und die Versorgung mit Gas insgesamt war äußerst gefährdet.
Gasspeicherstände sind extrem niedrig
Im Vergleich zum 1. November 2024, als die Speicher zu 98 Prozent gefüllt waren, begann der aktuelle Winter mit einem Stand von lediglich 75 Prozent. Die Bundesregierung hatte zuvor ihre Vorgaben für die Befüllung gelockert, um einen Anstieg der Gaskosten zu vermeiden. Experten wie Sebastian Heinermann vom Verband der Speicherbetreiber Ines warnen jedoch: "Die aktuellen Mechanismen sichern die Versorgungssicherheit nicht ausreichend ab." Eine Überarbeitung des gesetzlichen und regulatorischen Rahmens sei dringend notwendig.
Dank LNG Versorgung nicht akut in Gefahr
Trotz der niedrigen Füllstände besteht laut Fachleuten keine akute Gefahr für die Gasversorgung in diesem Winter. Flüssiggas-Terminals (LNG-Terminals), die unter dem früheren Grünen-Wirtschaftsminister Robert Habeck installiert wurden, ermöglichen den Import zusätzlichen Erdgases. Sowohl die Bundesnetzagentur als auch der Verband der chemischen Industrie gehen dem Bericht zufolge davon aus, dass die Gasversorgung stabil bleibt. Dennoch mahnt Kehler: "Dank der Versorgung mit LNG werden wir diesen Winter zwar kein Versorgungsengpass bekommen, aber mit sehr leeren Speichern aus der kalten Jahreszeit kommen."
Große Herausforderung für den kommenden Winter
Die Wiederbefüllung der Speicher wird zur entscheidenden Herausforderung für den kommenden Winter. Wenn Gas kurzfristig nachgekauft werden muss, könnten hohe Kosten entstehen, wie erste Preissteigerungen an den Großhandelsmärkten bereits zeigen. Dies betrifft nicht nur Unternehmen, sondern auch Verbraucher:innen. Laut einer Berechnung des Abrechnungsdienstes Techem werden Heizkosten steigen – insbesondere für Fernwärme (+13,2 Prozent) und Gas (+9,7 Prozent).
Gas-Großhändler:innen nutzen Speicher, um günstig eingekauftes Erdgas zu einem anderen Zeitpunkt gewinnbringend zu verkaufen – vor allem im Winter, wenn der Bedarf groß ist. In der Regel sinkt der Gaspreis im Sommer deutlich, sodass viele Versorger Erdgas einkaufen und es in den Anlagen zwischenspeichern. Je höher aber der Gaspreis im Sommer, desto weniger lohnt sich das Befüllen der Speicher.
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Verwendete Quellen:
Augsburger Allgemeine: "Gasspeicher in Deutschland leerer als im Krisenjahr 2022"
Nachrichtenagentur dpa
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