Was wollen Eltern?
Elterngeld: Mehr Vätermonate, kürzere Leistungsdauer – das plant Familienministerin Prien
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Künftig nur noch zwölf Monate Elterngeld?
Videoclip • 01:06 Min • Ab 12
Große Reform beim Elterngeld: Familienministerin Prien plant Änderungen mit Folgen für Millionen Eltern. Im Zentrum steht auch der Sparkurs der Regierung.
Das Wichtigste in Kürze
Familienministerin Karin Prien (CDU) hat ein neues Modell für das staatlich finanzierte Elterngeld vorgelegt.
Der Entwurf sieht unter anderem eine Kürzung der Bezugsdauer sowie mehr "Vätermonate" vor.
Bei Frauen- und Familienverbänden stoßen Priens Reformvorschläge auf Kritik.
Karin Prien (CDU) will die Regelungen des staatlich finanzierten Elterngelds neu angehen. Dazu hat die Familienministerin nun ein neues Modell vorgelegt: Sie will Väter mehr in die Erziehungsarbeit einbinden – und 500 Millionen Euro im Jahr sparen.
"Wir entwickeln das Elterngeld weiter, indem wir mehr Anreize für mehr Partnerschaftlichkeit, insbesondere mehr Väterbeteiligung in alleiniger Verantwortung, setzen", hieß es bereits im Koalitionsvertrag von Union und SPD 2025. Jetzt erhöhen die Sparzwänge der Regierung den Reformdruck.
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Das Elterngeld – bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie?
Bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie – das versprach das Extrageld für Eltern bei seiner Einführung 2007. Derzeit wird es 14 Monate lang gezahlt. Vorausgesetzt, beide Elternteile beteiligen sich jeweils für mindestens zwei Monate an der Kinderbetreuung. Mit dem "Elterngeld Plus" kann diese Zahlungsdauer verlängert werden, die monatlichen Summen sind dafür dann kleiner.
Auf Antrag bekommen Eltern 65 Prozent ihres Nettoeinkommens, mit mindestens 300 Euro und maximal 1.800 Euro pro Monat. Seit April 2025 liegt die Grenze des Anspruchs bei 175.000 Euro. Für Eltern über dem zu versteuernden Jahreseinkommen gilt die Leistung nicht mehr.
Erstes Plus seit 20 Jahren: Das könnte sich für Eltern ändern
Priens Gesetzesentwurf sieht die Zahlung nun nur noch für 12 Monate vor – sofern beide Elternteile jeweils mindestens drei "Vätermonate" der Erziehungszeit übernehmen. "Sechs weitere Monate können zwischen den Eltern flexibel aufgeteilt werden", heißt es im Portal "Politico" über die Vorschläge der Familienministerin. Alleinerziehende könnten aber bis zu zwölf Monate volles Elterngeld erhalten.
Steigen sollen auch die monatlichen Summen. Seit fast 20 Jahren könnte es demnach für Paare und Alleinerziehende ein kleines Plus geben, mit einem Mindestbetrag von 330 statt 300 Euro. Die Höchstzahlung soll um 100 Euro auf 1.900 Euro aufgestockt werden.
Der Gesetzentwurf sieht außerdem eine Änderung des Mutterschutzgesetzes vor. Statt acht Monaten werde das arbeitszeitliche Beschäftigungsverbot "mit der Neuregelung (...) auf zwölf Monate nach der Entbindung eingeschränkt."
Das Familienministerium hatte die Angaben zu dem Gesetzesentwurf auf "Politico" bestätigt, mit dem Hinweis, die Pläne befänden sich bislang noch in der Ressortabstimmung. Damit muss sich die Regierung also noch final einig werden, dann ist das Parlament am Zuge.
Kürzungen sorgen für starke Kritik
Die geplanten Kürzungen im Etat des Familienministeriums stoßen auf Kritik. Ausgerechnet bei der beliebtesten familienpolitischen Leistung werde gespart, so etwa die Vorsitzende des Deutschen Frauenrats, Beate von Miquel. Sie warnt, der Haushalt werde im kommenden Jahr um acht Prozent schrumpfen, bis 2029 sogar um ein Fünftel.
"Die Bundesregierung hat jungen Menschen im Koalitionsvertrag versprochen, ihre Familienplanung mit einer verbesserten Leistung zu stärken", betont von Miquel. "Nun soll im nächsten Jahr allein hier eine halbe Milliarde eingespart werden. Mütter werden diese Kürzungen zulasten der eigenen Berufstätigkeit kompensieren."
Auch das Zukunftsforum Familie warnt vor Kürzungen. Die Organisation fordert stattdessen eine Anhebung des Mindestbetrags auf 506 Euro. Anschließend solle dieser "dynamisiert" angepasst werden.
Die geplanten Neuregelungen betreffen nach Angaben des Statistischen Bundesamts 1,61 Millionen Menschen (Stand 2025). Darunter sind 1,19 Millionen Frauen, der Anteil der Elterngeld beziehenden Männer betrug zuletzt 25,9 Prozent. Wegen der stetig sinkenden Geburtenrate sanken die Zahlen auch 2025 um knapp 14 Prozent seit 2021.
Damit sinken auch die staatlichen Ausgaben für die Leistung konstant. Waren es 2022 noch gut 7,6 Milliarden Euro, so lag die Summe 2025 nach Angaben des Bremer Instituts für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe nur noch bei knapp 7,1 Milliarden Euro.
Und was wünschen sich die Eltern?
Die Betroffenen selbst wünschen sich Änderungen, jedoch anders, als derzeit von der Familienministerin geplant. Laut einer Umfrage für die Bertelsmann-Stiftung von 2025 sprachen sich von 2.500 Befragten 45 Prozent der Frauen und 42 Prozent der Männer für ein "egalitäres Modell" aus. Demnach solle jedes Elternteil sieben Monate Elternzeit nehmen – bezogen auf die bisher gültige Gesamtdauer von 14 Monaten Elterngeld. Eine derartige Aufteilung sei im zuständigen Ministerium bereits diskutiert, jedoch nicht weiter verfolgt worden.
39 Prozent befürworten laut Umfragewerten die bisher übliche Aufteilung der Betreuungszeit von zwölf Monaten für die Mutter und zwei Monaten für den Vater. Die Autor:innen der Studie kamen dennoch zu dem Schluss, dass eine Erhöhung der "Vätermonate" volkswirtschaftlich sinnvoll sei. So könnten Frauen schneller in den Job zurückkehren und dem Fachkräftemangel entgegenkommen.
Zudem wurden Eltern gefragt, was ihnen sonst noch in der Kinderphase helfen würde. Die häufigste Antwort von 44 Prozent lautete: "Weniger Behördenkram und eine leichtere Antragstellung".
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
Bundesministerium der Justiz für Verbraucherschutz: "Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium (Mutterschutzgesetz - MuSchG)"
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