Politbarometer

Umfrage: Mehrheit gegen das Ende der Rente mit 63

Veröffentlicht:

von Claudia Scheele

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Aus für Rente mit 63: Mehrheit dagegen

Videoclip • 01:12 Min • Ab 12


Drei Viertel der Deutschen lehnen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab. Gleichzeitig verliert die Bundesregierung weiter an Rückhalt.

Das Wichtigste in Kürze

  • 75 Prozent lehnen die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab, auch unter CDU/CSU-Anhänger:innen gibt es keine Mehrheit dafür.

  • Friedrich Merz erreicht mit minus 1,9 seinen bislang schlechtesten persönlichen Bewertungswert, während die AfD in der Wahlprojektion mit 27 Prozent vor der Union liegt.

  • Eine große Mehrheit erwartet starke Klimafolgen für Deutschland, doch nur 19 Prozent halten die politischen Vorbereitungen auf künftige Hitzewellen für ausreichend.

Die geplante Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren stößt in Deutschland auf große Ablehnung. Laut dem Politbarometer der Forschungsgruppe Wahlen sprechen sich 75 Prozent der Befragten gegen das Vorhaben der Bundesregierung aus. Nur 20 Prozent halten die Abschaffung für richtig.

Umgangssprachlich wird die Regelung häufig als "Rente mit 63" bezeichnet. Tatsächlich steigt das Alter für einen abschlagsfreien Renteneintritt für jüngere Jahrgänge bereits schrittweise an. Entscheidend sind vor allem 45 Beitragsjahre in der gesetzlichen Rentenversicherung. Die Bundesregierung will im Herbst ihre Rentenreform beschließen.


Ablehnung reicht bis in die Union

Die Kritik beschränkt sich nicht auf einzelne politische Lager. Besonders deutlich fällt die Ablehnung bei Anhänger:innen der Linken mit 88 Prozent und der AfD mit 83 Prozent aus. Bei der SPD sind ebenfalls 75 Prozent gegen das geplante Renten-Aus. Auch unter Anhänger:innen von Grünen und FDP überwiegt die Ablehnung.

Selbst in der Union findet die Reform keine klare Mehrheit: 67 Prozent der CDU/CSU-Anhänger:innen lehnen die Abschaffung ab. Zuletzt hatten mehrere ostdeutsche CDU-Ministerpräsidenten längere Übergangsfristen gefordert. In Ostdeutschland gibt es vergleichsweise viele Menschen, die wegen eines frühen Berufseinstiegs 45 Jahre lang Beiträge eingezahlt haben.

Merz erreicht persönlichen Tiefstwert

Auch die Bewertung der Bundesregierung und ihres Kanzlers fällt im neuen Politbarometer schwach aus. 75 Prozent sind mit der Arbeit von Friedrich Merz unzufrieden, nur 20 Prozent äußern sich zufrieden. Bei der persönlichen Bewertung erreicht der CDU-Politiker auf einer Skala von plus fünf bis minus fünf mit minus 1,9 einen neuen Tiefstwert.

Am beliebtesten bleibt Verteidigungsminister Boris Pistorius mit einem Durchschnittswert von 1,3. Dahinter folgen Cem Özdemir und Außenminister Johann Wadephul. Schlusslicht der Rangliste ist AfD-Chefin Alice Weidel mit minus 2,5.

Auch in den News:

AfD bleibt vor der Union

In der sogenannten Projektion liegt die AfD weiterhin vorn. Würde am kommenden Sonntag Bundestagswahl stattfinden, käme sie auf 27 Prozent. CDU/CSU erreichen 22 Prozent, die Grünen 14 Prozent. SPD und Linke liegen jeweils bei 12 Prozent, die FDP bei vier Prozent. Schwarz-Rot hätte damit weiterhin keine parlamentarische Mehrheit.

Auch eine mögliche AfD-Regierungsbeteiligung in einem ostdeutschen Bundesland lehnt eine Mehrheit ab. 64 Prozent fänden es schlecht, wenn die Partei nach den Landtagswahlen im September eine Ministerpräsidentin oder einen Ministerpräsidenten stellen würde.


Große Sorgen wegen Klimawandel

Besonders einig sind sich die Befragten bei den Folgen des Klimawandels. 81 Prozent erwarten starke Schäden für Natur und Umwelt, 72 Prozent für die Gesundheit und 69 Prozent für die Wirtschaft. Gleichzeitig glauben nur 19 Prozent, dass die Politik Deutschland ausreichend auf kommende Hitzewellen vorbereitet.

Auch der Einfluss Russlands auf die deutsche Politik wird kritisch gesehen: 79 Prozent halten Desinformation und Geheimdienstaktivitäten Moskaus für gefährlich. Grundlage der Erhebung sind 1.319 Interviews, die vom 17. bis 19. August 2026 telefonisch und online geführt wurden. Die nächste Politbarometer-Sendung ist für den 25. September geplant.


Verwendete Quellen:

Forschungsgruppe Wahlen e.V.: "Politbarometer August 2026"

Nachrichtenagentur Reuters

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