Nahost
Trump drängt Netanjahu zu weiteren Iran-Gesprächen
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
US-Politik gegen Iran-Krieg: Und Trump?
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Trotz neuer Gespräche zwischen Washington und Teheran wächst die Sorge vor einer weiteren Eskalation im Nahen Osten. Während Trump auf Verhandlungen setzt, bereiten die USA offenbar zusätzliche militärische Optionen vor.
Das Wichtigste in Kürze
US-Präsident Donald Trump hat sich nach einem Treffen mit Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu für die Fortsetzung der Verhandlungen mit dem Iran ausgesprochen.
Medienberichten zufolge bereitet das Pentagon einen möglichen Einsatz eines zweiten Flugzeugträger-Verbands im Nahen Osten vor.
Expert:innen warnen, dass ein Scheitern der Gespräche ohne klares politisches Ziel zu einer militärischen Eskalation mit ungewissem Ausgang führen könnte.
US-Präsident Donald Trump hat nach Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu betont, dass er derzeit eine diplomatische Lösung im Streit mit dem Iran bevorzugt. Auf seiner Plattform Truth Social erklärte Trump, er habe darauf gedrängt, die Verhandlungen mit Teheran fortzusetzen, um die Chancen auf eine Einigung auszuloten. Netanjahu hob bei dem Treffen in Washington erneut die Sicherheitsinteressen Israels hervor.
Die israelische Regierung warnt seit Jahren vor einem Abkommen, das sich ausschließlich auf das iranische Atomprogramm konzentriert. Aus Sicht Israels müssten auch das Raketenarsenal Teherans sowie die Unterstützung verbündeter Gruppen in der Region Teil einer Vereinbarung sein. Nach dem Treffen teilte Netanjahus Büro mit, beide Seiten hätten vereinbart, ihre enge Abstimmung und Zusammenarbeit fortzusetzen.
Trump: "Hoffentlich werden sie dieses Mal vernünftiger"
Bereits vor dem israelischen Angriff auf den Iran im Juni 2025 hatten Trump und Netanjahu öffentlich unterschiedliche Signale ausgesendet. Wenige Tage später beteiligten sich jedoch auch die USA an den Militärschlägen und griffen iranische Atomanlagen an. Die israelische Offensive begann damals kurz vor einer weiteren geplanten Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran über das iranische Atomprogramm.
Nach seinem jüngsten Treffen mit Netanjahu erklärte Trump, der Iran habe sich damals gegen eine Einigung entschieden. Zugleich äußerte er die Hoffnung, dass Teheran nun kompromissbereiter auftreten werde. Irans Außenminister Abbas Araghtschi betonte dagegen auf der Plattform X die Bereitschaft seines Landes zu diplomatischen Lösungen. Eine Vereinbarung über das zivile Atomprogramm sei möglich, sofern sie ausgewogen und fair ausfalle. Gleichzeitig machte Araghtschi deutlich, dass der Iran seine staatliche Souveränität notfalls mit allen Mitteln verteidigen werde.
Kommt ein zweiter US-Flugzeugträger zum Einsatz?
Mehrere israelische Medien berichteten zuletzt, dass die Regierung von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu einen neuen militärischen Konflikt mit dem Iran für kaum vermeidbar halte. Demnach werde in Jerusalem davon ausgegangen, dass die verhärteten Fronten in den Verhandlungen mit Teheran langfristig zu einer weiteren Eskalation führen könnten.
Unterdessen berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf US-Regierungsvertreter, dass das Pentagon Vorbereitungen für einen möglichen zusätzlichen Militäreinsatz im Nahen Osten getroffen habe. Demnach sei ein zweiter Flugzeugträgerverband angewiesen worden, sich für einen möglichen Einsatz bereitzuhalten. Eine endgültige Entscheidung über eine Verlegung sei jedoch noch nicht gefallen. Nach Angaben der Zeitung habe Präsident Donald Trump bislang keinen entsprechenden Einsatzbefehl erteilt. Die Planungen könnten sich daher noch ändern.
Auch in den News:
USA verstärken Militärpräsenz im Nahen Osten
Trump hatte zuvor in einem Interview mit dem US-Portal "Axios" erklärt, dass die Entsendung eines weiteren Flugzeugträgers in den Nahen Osten geprüft werde, falls die Gespräche mit dem Iran ohne Ergebnis bleiben. Demnach stellte der US-Präsident klar, dass Washington entweder eine Einigung anstrebe oder erneut zu weitreichenden Maßnahmen greifen werde. Vor diesem Hintergrund werteten israelische Medien das Treffen zwischen Trump und Netanjahu als richtungsweisend für die weitere Entwicklung des Konflikts.
Bereits in den vergangenen Wochen hatten die USA ihre Militärpräsenz in der Region ausgebaut. Dazu gehört unter anderem der Einsatz des Flugzeugträgers "USS Abraham Lincoln". Ein zusätzlicher Trägerverband würde die US-Streitkräfte weiter verstärken. Nach Informationen des "Wall Street Journal" befinden sich zudem weitere Kriegsschiffe, Luftabwehrsysteme und Kampfflugzeuge in der Golfregion.
Noch kein Termin für Verhandlungen
Trump begründet seinen harten Kurs gegenüber Teheran auch mit den landesweiten Protesten im Iran Anfang des Jahres, die nach seiner Darstellung gewaltsam unterdrückt wurden. Das Treffen mit Netanjahu fand zudem kurz nach einer neuen Gesprächsrunde zwischen Vertretern der USA und des Irans in der omanischen Hauptstadt Maskat statt. Trump stellte weitere Verhandlungen in Aussicht, ein Termin dafür wurde bislang jedoch nicht bekanntgegeben.
Mit Blick auf die laufenden Gespräche warnen Experten vor den Folgen eines möglichen Scheiterns. Der israelische Iran-Analyst Danny Citrinowicz stellte auf der Plattform X die Frage, welches konkrete Ziel die USA mit einem Militärschlag verfolgen würden. Ohne eine klare politische Strategie bestehe die Gefahr, dass militärische Maßnahmen zwar die Spannungen verschärften, jedoch keine dauerhafte Lösung hervorbrächten.
Nach Ansicht des Experten müssten mögliche Einsätze auf ein klar definiertes und begrenztes Ziel ausgerichtet sein. Andernfalls drohe Washington in einen Konflikt hineingezogen zu werden, dessen Verlauf und Folgen nur schwer kalkulierbar seien.
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Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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