Nahost
Konflikt eskaliert: USA und Iran greifen erneut an
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von Michael Reimers:newstime
US-Politik gegen Iran-Krieg: Und Trump?
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran hält offenbar nicht. Nach Angaben des US-Militärs wurden mehrere iranische Raketen und Drohnen abgewehrt, während beide Seiten neue Angriffe in der strategisch wichtigen Golfregion melden.
Das Wichtigste in Kürze
Das US-Militär hat nach eigenen Angaben sechs iranische Raketen abgefangen, die auf Kuwait und Bahrain abgefeuert worden waren.
Zuvor sollen US-Streitkräfte iranische Drohnen abgewehrt und Radarstellungen auf der Insel Qeschm sowie im Ort Goruk angegriffen haben.
Der Iran meldete Gegenangriffe auf US-Stützpunkte in der Region.
Trotz der vereinbarten Waffenruhe ist es in der Golfregion erneut zu militärischen Auseinandersetzungen zwischen den USA und dem Iran gekommen, berichtet die Deutsche Presse-Agentur (dpa). Nach Angaben des US-Militärs wurden sechs auf Kuwait und Bahrain abgefeuerte iranische Raketen abgefangen.
Zuvor hatte das US-Militär im Bereich der Straße von Hormus nach eigenen Angaben vier iranische Drohnen abgewehrt und anschließend im Iran Radarstellungen auf der dortigen Insel Qeschm und im Ort Goruk attackiert.
Auch in den News:
Iran reklamiert Attacken auf US-Einrichtungen für sich
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten laut der Nachrichtenagentur Tasnim, als Vergeltung für die US-Angriffe seien Ziele des "Feindes" in der Region attackiert worden. Zuvor hatte Kuwait den Einsatz seiner Luftabwehr gegen Raketen- und Drohnenangriffe gemeldet. Auch in Bahrain wurde am frühen Morgen Raketenalarm ausgelöst.
Das US-Militär wies iranische Angaben zurück, wonach das Hauptquartier der US-Marine in Bahrain beschädigt worden sei. Eine unabhängige Bestätigung der Darstellungen beider Seiten lag zunächst nicht vor.
Der Iran hatte zuvor schon mehrfach Geschosse auf Kuwait und andere Staaten am Persischen Golf gefeuert, heißt es der dpa zufolge. In den Golfstaaten unterhalten die USA mehrere Militärstützpunkte in unmittelbarer Nähe zum Iran. Erst am Mittwoch war der internationale Flughafen von Kuwait Ziel eines Drohnenangriffs geworden. Dabei kam mindestens ein Mensch ums Leben, zahlreiche weitere wurden verletzt.
USA und Iran weisen sich gegenseitig die Schuld zu
Die Führung in Teheran spricht bei ihren Angriffen stets von Vergeltung für die Angriffe des US-Militärs. Die USA wiederum sprechen von Selbstverteidigung angesichts von Angriffen oder Provokationen seitens des Irans.
Nach Angaben des US-Regionalkommandos Centcom stellten die abgefangenen iranischen Drohnen in der Straße von Hormus eine Gefahr für den Schiffsverkehr dar, heißt es außerdem in dem Bericht. Die anschließenden Angriffe auf Ziele auf der Insel Qeschm und im Ort Goruk seien der Abwehr weiterer Bedrohungen gedient. Welche Waffen dabei eingesetzt wurden, wurde zunächst nicht mitgeteilt.
Globale Wirtschaft blickt auf die Straße von Hormus
Zu Beginn des Krieges hatten iranische Streitkräfte die Kontrolle über die strategisch wichtige Straße von Hormus übernommen. Die Meerenge gilt als eine der bedeutendsten Handelsrouten der Welt, da über sie große Mengen an Öl, Flüssiggas und anderen Rohstoffen transportiert werden. Die USA reagierten darauf mit einer Seeblockade, um iranische Ölexporte einzuschränken.
Der Konflikt zwischen den USA, Israel und dem Iran begann am 28. Februar mit Angriffen auf iranische Ziele. Zwar gilt seit knapp zwei Monaten eine Waffenruhe, dennoch kommt es weiterhin zu vereinzelten militärischen Zwischenfällen und gegenseitigen Angriffen. Parallel dazu bemühen sich Washington und Teheran in schwierigen Verhandlungen um ein Rahmenabkommen zur Beendigung des Konflikts.
Kuwait bestellt Drohnenabwehr in den USA
Angesichts der anhaltenden Spannungen in der Region verstärkt Kuwait seine Verteidigungsfähigkeit. Das US-Außenministerium genehmigte den Verkauf von Drohnenabwehrsystemen im Wert von rund zwei Milliarden US-Dollar (etwa 1,7 Milliarden Euro) an den Golfstaat.
Mit der Beschaffung will sich Kuwait besser gegen mögliche Angriffe aus der Luft schützen. Wann die Systeme ausgeliefert werden sollen, wurde zunächst nicht bekanntgegeben. Bei größeren Rüstungsgeschäften liegen zwischen Bestellung und Auslieferung häufig mehrere Jahre.
Trump: Großteil der iranischen Raketen zerstört
US-Präsident Donald Trump geht davon aus, dass dem Iran nur noch ein vergleichsweise kleiner Teil seines ursprünglichen Raketenarsenals zur Verfügung steht. Im Gespräch mit dem Fernsehsender NBC News sagte er, zahlreiche Drohnenfabriken, Raketenproduktionsanlagen und Abschussvorrichtungen seien zerstört worden. Dennoch verfüge Teheran weiterhin über Raketen und Drohnen für militärische Einsätze.
Trump schätzte den verbliebenen Bestand auf rund 21 bis 22 Prozent des ursprünglichen Arsenals. Zwar handele es sich weiterhin um eine beträchtliche Anzahl an Waffen, jedoch längst nicht mehr um die Kapazitäten zu Beginn des Konflikts.
Medienberichte zeichnen anderes Bild
Worauf sich die Einschätzung des US-Präsidenten stützt, blieb zunächst offen. In den vergangenen Monaten hatten mehrere US-Medien unter Berufung auf Regierungsvertreter und Geheimdienstinformationen deutlich höhere Zahlen genannt.
So berichtete die "New York Times" Mitte Mai, der Iran verfüge weiterhin über rund 70 Prozent seiner mobilen Abschussrampen sowie seines Raketenbestands. Auch die "Washington Post" kam unter Berufung auf informierte Kreise zu ähnlichen Einschätzungen. Die tatsächliche Stärke des iranischen Raketenarsenals lässt sich derzeit nicht unabhängig überprüfen.
Auch an Israels Nordgrenze halten die Kämpfe an
Trotz einer bestehenden Waffenruhe kommt es weiterhin zu Zwischenfällen zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz. In mehreren Regionen im Norden Israels wurde in der Nacht erneut Raketenalarm ausgelöst. Nach Angaben der israelischen Armee konnte eine Drohne abgefangen werden. Zwei weitere unbemannte Fluggeräte seien nahe dem Einsatzgebiet israelischer Truppen im Südlibanon abgestürzt. Verletzte wurden nicht gemeldet.
Neuer Anlauf für Waffenruhe stößt auf Widerstand
Nach Angaben des US-Außenministeriums hatten sich Israel und der Libanon in der Nacht zum Donnerstag auf einen neuen Versuch zur Umsetzung der bislang kaum wirksamen Waffenruhe verständigt. Die libanesische Regierung zählt jedoch nicht zu den direkten Konfliktparteien und verfügt nur über begrenzten Einfluss auf die Hisbollah.
Die vom Iran unterstützte Miliz war an den Gesprächen nicht beteiligt und wies die vorgeschlagenen Bedingungen nach eigenen Angaben zurück. Damit bleiben die Aussichten auf eine nachhaltige Beruhigung der Lage an der israelisch-libanesischen Grenze vorerst ungewiss.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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