Nahost-Konflikt

Trotz Trump-Warnung: Netanjahu würde auch allein den Iran angreifen

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Trump soll Netanjahu beschimpft haben

Videoclip • 58 Sek • Ab 12


- Anzeige -
- Anzeige -

Die USA und Israel haben zunehmend unterschiedliche Auffassungen über das Vorgehen gegen den Iran. Israels Premier Netanjahu ist offenbar bereit, notfalls allein gegen das Mullah-Regime vorzugehen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Iran-Krieg entzweit die engen Partner USA und Israel.

  • Premier Netanjahu zieht in Betracht, auch im Alleingang das Mullah-Regime anzugreifen.

  • Experten halten einen solchen Vorstoß aus mehreren Gründen für sehr riskant.

Netanjahu will womöglich ohne Trump gegen den Iran vorgehen

Seit Dienstag greifen sich die USA und der Iran zwar wieder gegenseitig an, doch eigentlich will US-Präsident Donald Trump den Konflikt in laufenden Verhandlungen diplomatisch beenden. Deshalb warnte er auch kürzlich erst seinen engen Verbündeten, Israels Premier Benjamin Netanyahu vor einem erneuten Krieg gegen das Mullah-Regime. Sollte es zu einem neuen Konflikt kommen, könnte Israel auf sich allein gestellt sein, sagt Trump in einem Interview des US-Nachrichtenportals Axios. "Ich habe gesagt: 'Bibi (Netanyahu), du solltest besser vorsichtig sein, oder du wirst sehr bald auf dich allein gestellt sein'", zitiert das Portal den US-Präsidenten.

Doch dieses Risiko ist Netanjahu offenbar bereit einzugehen. Nach Angaben des Fernsehsenders i24News erwägt Israels Regierungschef unter Umständen einen eigenständigen Militärschlag gegen den Iran ohne Unterstützung der USA. Der Sender berief sich auf eine Kabinettssitzung am Montagabend und zitierte Netanjahu mit den Worten: "Es könnte sein, dass wir in eine Situation geraten, in der wir den Iranern allein, ohne Rückendeckung der USA, gegenüberstehen – mit allen damit verbundenen Kosten: Rüstungsausgaben und weltweite Isolation." Israel wolle nicht, dass es so weit komme, wisse aber, dass es so weit kommen könne, sagte Netanjahu demnach.


- Anzeige -
- Anzeige -

Trump beschimpft Netanjahu

Der Iran hatte am Sonntag wieder Israel angegriffen - erstmals seit Inkrafttreten der zwischen Washington und Teheran vereinbarten Waffenruhe in dem Krieg, den die USA und Israel am 28. Februar begonnen hatten. Israel wehrte sich trotz der eindringlichen Warnung von Trump gegen die Angriffe und reagierte mit Gegenschlägen. Daraufhin forderte Trump beide Seiten auf, die Attacken einzustellen. Schon zuvor war es zu Differenzen zwischen Trump und Netanjahu gekommen. Wegen der Drohung Israels, Ziele im Libanon zu attackieren, soll Trump Israels Premier am Telefon mit den Worten "You're fucking crazy" ("Du bist komplett verrückt") beschimpft haben.

Israelischer Alleingang gegen den Iran birgt große Risiken

Ein möglicher Alleingang Israels gegen den Iran ohne US-Hilfe birgt nach Ansicht von Experten aber enorme Risiken. Der israelische Iran-Experte Danny Citronowicz warnte auf X, ein signifikanter militärischer Schritt ohne amerikanische Unterstützung wäre ein strategisch gewaltiges Wagnis für Israels nationale Sicherheit und sollte daher nur in Betracht gezogen werden, wenn keine Alternativen bestehen.

Citronowicz wies auch auf die Konsequenzen hin, falls es ein Abkommen mit dem Iran gebe, das die US-Regierung als zentralen Erfolg betrachte. Dann könnte eine einseitige israelische Aktion gegen den Iran ohne Abstimmung mit Washington einen hohen Preis fordern - auch in den strategischen Beziehungen zwischen Israel und den Vereinigten Staaten.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Nachrichtenagentur Reuters

Bild: "Netanjahu zu Alleingang gegen den Iran bereit"

- Anzeige -
- Anzeige -

Mehr entdecken