US-Politik
Trump empfängt Netanjahu und Selenskyj zum Krisengipfel
Veröffentlicht:
von Nadine von Parseval:newstime
Iran-Krieg: US-Bürger gegen Trumps Kurs
Videoclip • 54 Sek • Ab 12
Donald Trump empfängt in Washington gleich zwei Staatschefs, deren Länder im Krieg sind. Während Benjamin Netanjahu den Iran in den Mittelpunkt rückt, hofft Wolodymyr Selenskyj auf weitere Unterstützung für die Ukraine. Beide Treffen könnten weitreichende Folgen haben.
Das Wichtigste in Kürze
Donald Trump trifft Benjamin Netanjahu und Wolodymyr Selenskyj in Washington.
Der Iran-Krieg und der Ukraine-Krieg stehen im Mittelpunkt.
Beide Staatschefs verfolgen dabei unterschiedliche Ziele.
Der Tod des langjährigen US-Senators Lindsey Graham bringt zwei der wichtigsten Verbündeten der USA nach Washington. Zur Trauerfeier für den Republikaner werden sowohl Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu als auch der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj erwartet.
Neben dem Abschied von Graham dürfte für beide Politiker aber noch ein weiterer Termin im Fokus stehen: ein Treffen mit US-Präsident Donald Trump. Dabei geht es um zwei der größten internationalen Krisen – den Krieg zwischen Israel und dem Iran sowie den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Netanjahu will Trump beim Iran überzeugen
Für Benjamin Netanjahu steht vor allem der Iran ganz oben auf der Agenda. Es ist das erste persönliche Treffen mit Trump seit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Islamischen Republik.
Noch zu Beginn der Eskalation arbeiteten Washington und Jerusalem eng zusammen. Inzwischen haben sich die Interessen jedoch teilweise auseinanderentwickelt. Während Israel laut Medienberichten auf eine Fortsetzung der militärischen Offensive setzt, hatte Trump zuletzt verstärkt auf diplomatische Lösungen mit Teheran gesetzt.
Nach der jüngsten Eskalation gelten sowohl die vereinbarte Waffenruhe als auch das Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran inzwischen als gescheitert. Für Trump kommt das zu einem schwierigen Zeitpunkt: In weniger als 100 Tagen stehen die Zwischenwahlen zum US-Kongress an. Ein weiterer Krieg stößt bei vielen Wähler:innen auf Ablehnung.
Belastetes Verhältnis zwischen Trump und Netanjahu
Die unterschiedlichen Positionen zum Iran hatten das Verhältnis der beiden Regierungschefs zuletzt belastet. Vor den richtungsweisenden Wahlen in Israel im Oktober dürfte Netanjahu deshalb besonders daran interessiert sein, Einigkeit mit Trump zu demonstrieren.
Vor dem Treffen sagte der israelische Ministerpräsident, es handle sich bereits um sein achtes Treffen mit Trump während dessen zweiter Amtszeit – "mehr als mit jedem anderen internationalen Staats- oder Regierungschef". Das sei "ein großes Privileg, aber auch eine große Verantwortung".
Trump sprach seinerseits lediglich von einer "kleinen Unstimmigkeit" zwischen beiden beim Thema Iran. Insgesamt lägen sie aber weiterhin nah beieinander.
Neue Geheimdienstinformationen im Gepäck?
Nach Informationen des israelischen Fernsehsenders N12 will Netanjahu Trump aktuelle Geheimdienstberichte vorlegen. Diese sollen belegen, dass der Iran versuche, seine militärischen Fähigkeiten wieder auszubauen. Demnach soll es auch Hinweise auf ein mögliches Atomwaffenprogramm unter der Führung von Ajatollah Modschtaba Chamenei geben. Teheran weist entsprechende Vorwürfe seit Jahren zurück.
Ob Trump deshalb neue Militärschläge gegen den Iran unterstützen würde, gilt allerdings als fraglich. Die israelische Zeitung "Times of Israel" schrieb bereits im Vorfeld, es dürfte schwierig werden, den US-Präsidenten von einem erneuten großangelegten Militäreinsatz zu überzeugen.
Selenskyj setzt auf weitere Ukraine-Hilfe
Auch Wolodymyr Selenskyj nutzt den Aufenthalt in Washington für Gespräche mit Trump. Anders als bei Netanjahu haben sich beide Staatschefs in den vergangenen Wochen mehrfach getroffen – unter anderem beim Nato-Gipfel und beim G7-Gipfel.
Trotz Trumps früherem Versprechen, den Ukraine-Krieg innerhalb von 24 Stunden beenden zu können, ist eine diplomatische Lösung bislang ausgeblieben. Zuletzt hatte sich der US-Präsident vor allem auf den Konflikt mit dem Iran konzentriert.
Auch in den News:
Vom Eklat zur Annäherung
Die Beziehung zwischen Trump und Selenskyj galt lange als schwierig. Vor allem der öffentliche Streit im Oval Office kurz nach Trumps Amtsantritt sorgte weltweit für Schlagzeilen.
Inzwischen hat sich das Verhältnis jedoch deutlich verbessert. Selenskyj erklärte kürzlich, ein kurzes Gespräch im Vatikan im April 2025 habe vieles verändert. "Das war ein historischer Moment, da wir unsere Beziehung in 15, 20 Minuten änderten." Weiter sagte der ukrainische Präsident, er sei darüber sehr froh, weil vom Dialog mit Trump "sehr viele Leben" abhingen.
Sanktionen und Patriot-Raketen im Fokus
Für Selenskyj geht es bei dem Treffen vor allem um weitere Unterstützung im Krieg gegen Russland. Kurz vor seinem Tod hatte Lindsey Graham sich noch für ein neues Sanktionspaket gegen Moskau eingesetzt. Dieses liegt bislang im US-Senat auf Eis.
Darüber hinaus hofft die Ukraine auf zusätzliche Patriot-Flugabwehrraketen. Zwar soll das Land künftig selbst entsprechende Systeme produzieren können, doch bis dahin werden noch Monate vergehen.
Gerade mit Blick auf den kommenden Winter bleibt der Bedarf enorm. Mitte Juli hatte Selenskyj erklärt, die Ukraine benötige mindestens 300 Patriot-Raketen, um sich in den Wintermonaten ausreichend gegen russische Angriffe verteidigen zu können. Gleichzeitig berichten US-Medien, dass auch die amerikanischen Bestände nach dem Einsatz im Iran-Krieg deutlich geschrumpft seien.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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