Koalition der Willigen

Selenskyj: Ukraine stärkste militärische Kraft Europas

Veröffentlicht:

von Joachim Vonderthann

:newstime

Merz bei Ukraine-Gipfel in Paris

Videoclip • 01:42 Min • Ab 12


Der ukrainische Präsident Selenskyj verweist beim Treffen der Koalition der Willigen in Paris auf die Stärke seines Militärs. Zugleich warnt er vor Russlands ballistischen Raketen und bittet eindringlich um Abwehrwaffen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Selenskyj nennt im Rahmen eines Treffens der Koalition der Willigen die ukrainische Armee eine der stärksten der Welt.

  • Mit mehreren europäischen Ländern, darunter Deutschland, vereinbart die Ukraine eine gemeinsame Raketenabwehr.

  • Zum französischen Nationalfeiertag erweist Präsident Macron seinem ukrainischen Gast eine besondere Ehre.

Macron erweist Ukraine große Ehre am Nationalfeiertag

Mit seiner letzten Militärparade zum französischen Nationalfeiertag zum Ende seiner zweiten Amtszeit hat Präsident Emmanuel Macron ein mächtiges Zeichen der Unterstützung der Ukraine gesetzt. An der Spitze der Parade auf den Pariser Champs-Élysées marschierten 500 Soldaten aus Mitgliedsländern der sogenannten Koalition der Willigen, die das von Russland angegriffene Land unterstützen, darunter auch deutsche Soldaten. Die Kunstflugstaffel "Patrouille de France" wurde von zwei Mirage-Kampfjets mit französisch-ukrainischer Besatzung begleitet.

Auf der Ehrentribüne wohnte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj der Parade bei, zusammen mit rund 30 weiteren Staats- und Regierungschefs der Koalition der Willigen, darunter auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU).

Auch in den News:

Selenskyj: "Haben heute eine der mächtigsten Armeen der Welt"

Selenskyj war am Montag durchaus selbstbewusst zum Treffen der Unterstützerstaaten nach Paris gereist - um gleichzeitig für die Lieferung dringend benötigter Abwehrwaffen zu werben. Im Gespräch mit dem französischen Nachrichtensender BFMTV stellte er klar: "Wir haben heute eine der mächtigsten Armeen der Welt."

Selenskyj begründete diese Einschätzung mit drei zentralen Stärken. Erstens stelle die Ukraine inzwischen zentrale Waffen und Ausrüstung selbst her – darunter Drohnen, Raketen, Artillerie, gepanzerte Fahrzeuge und 155-Millimeter-Geschütze: "Wir stellen jetzt alles her."  Zweitens hätten Waffenlieferungen aus Partnerländern und der schnelle Ausbau der ukrainischen Drohnenproduktion das Land technologisch zur stärksten militärischen Kraft Europas gemacht. Drittens hätten die Erfahrungen aus einem jahrelangen modernen Krieg die ukrainischen Streitkräfte auf eine Weise geprägt, die kaum eine andere Armee der Welt vorweisen könne.

Gleichzeitig betonte Selenskyj die defensiven Absichten seines Landes: "Unsere Doktrin ist es, uns zu verteidigen. Es geht nicht darum, fremdes Gebiet zu besetzen, sondern das eigene Land zu schützen."


Ballistische Raketen sind Putins "letztes Mittel"

Den russischen Einsatz ballistischer Raketen bezeichnete der ukrainische Staatschef als "letztes Mittel" von Kremlmachthaber Wladimir Putin. "Es ist real das letzte Mittel, diesen blutigen Krieg in die Länge zu ziehen", sagte er. Zugleich warnte er: Russlands ballistische Raketen könnten bald Reichweiten von 5.000 Kilometern erreichen – womit sie jede europäische Stadt treffen könnten.

Für die Ukraine selbst beklagte Selenskyj einen akuten Mangel an Flugabwehrraketen für das US-amerikanische Patriot-System: "Sie sind qualitativ hochwertig, aber knapp." Die USA würden aufgrund der iranischen Angriffe zunächst die eigenen Arsenale auffüllen und die Verbündeten am Persischen Golf beliefern – bevor die Ukraine an die Reihe komme.

Mit Blick auf den kommenden Winter wurden Selenskyjs Forderungen noch konkreter. Er bat die Partnerländer um zusätzliche Lieferungen von Flugabwehrraketen: "Wir haben berechnet, dass in diesem Paket 100 Patriot-Raketen pro Monat sein sollten – 300 Raketen für den Winter."

Gemeinsame europäische Raketenabwehr und Manöver vereinbart

Am Vorabend hatte die von Frankreich und Großbritannien angeführte Koalition der Willigen bei einem Treffen in Paris ihren Willen zur weiteren militärischen Unterstützung der Ukraine bekräftigt. Neben der Zusage weiterer Waffenlieferungen wurde eine Zusammenarbeit bei der Raketenabwehr beschlossen. Deutschland, Frankreich, Großbritannien und sechs weitere europäische Staaten vereinbarten mit Kiew den Aufbau einer Koalition für eine integrierte Raketenabwehr. Der Schutz Europas erfordere eine umfassende Architektur zur Raketenabwehr, um künftige Angriffe abzuschrecken und abzuwehren, hieß es in einer Erklärung. Das neue Bündnis solle bestehende Systeme der beteiligten Länder ergänzen.

Zudem kündigte Macron erste gemeinsame Manöver der Koalition der Willigen an. Wie der polnische Ministerpräsident Donald Tusk in Paris präzisierte, sollen diese Militärmanöver in diesem Herbst in Polen stattfinden. Beteiligt seien Truppen aus Frankreich, Großbritannien und Polen.

Frankreich erinnert am Nationalfeiertag an den Sturm auf die Bastille im Jahr 1789, der als symbolischer Beginn der Französischen Revolution angesehen wird.



Verwendete Quellen:

Focus Online: "Selenskyj wirbt in Paris: „Ukrainische Armee eine der stärksten der Welt”

Nachrichtenagentur Reuters

Nachrichtenagentur dpa

Mehr entdecken