Trump erteilt Lizenz

Patriot-Flugabwehr für die Ukraine – Hoffnung aus eigener Herstellung?

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

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Neue ukrainische Super-Rakete bedroht Moskau (3. Juli)

Videoclip • 01:24 Min • Ab 12


Künftig könnte die Ukraine selbst Patriot-Flugabwehrraketen produzieren. US-Präsident Donald Trump stellte Wolodymyr Selenskyj dessen lang ersehnte Lizenz in Aussicht. Für Kiew wäre das ein möglicher Wendepunkt im Abwehrkampf gegen russische Angriffe.

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Zuge des NATO-Gipfels in Ankara hatte der US-amerikanische Präsident Donald Trump der Ukraine die Genehmigung einer Patriot-Produktion in Aussicht gestellt.

  • Das System ist nach ukrainischen Angaben die einzige Möglichkeit, gegen ballistische Raketen im russischen Angriffskrieg anzukommen.

  • Kosten und der genaue Produktionsablauf sind bislang unklar – die Herstellung der Patriot-Systeme ist sehr komplex und wird durch den Krieg erschwert.

US-Präsident Donald Trump hat der Ukraine eine Lizenz zur Produktion von Patriot-Flugabwehrsystemen in Aussicht gestellt. Darüber hatte er am Rande des NATO-Gipfels in Ankara mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj gesprochen. "Wir haben das Unternehmen noch nicht darüber informiert, aber das wird schon gut gehen", fügte Trump am Mittwoch (8. Juli) hinzu. So könne sich die Ukraine nicht beschweren, dass die USA ihnen nicht genug solcher Lenkkörper gebe.

Die US-amerikanischen Patriot-Systeme sind nach Angaben der Ukraine als einzige in der Lage, die von Russland eingesetzten ballistischen Raketen abzuwehren.

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Knappheit der ukrainischen Patriot-Abwehr

"Das Patriot-System ist heute das beste antiballistische System in der Welt", lobte Selenskyj die US-amerikanische Waffe. Die Ukraine habe diese während des Krieges eingehend getestet. Für ihn ist das Go der Vereinigten Staaten ein großer Erfolg. Angesichts der verheerenden russischen Angriffe hatte der ukrainische Präsident mehrere Wochen lang für eine eigene Produktion und die Vergabe dieser Lizenz geworben.

Nach Angaben des "Spiegel" waren die Patriot-Bestände der Ukrainer:innen frühzeitig knapp geworden. Mittlerweile seien sie sogar fast vollständig aufgebraucht. Daraufhin hatte das Land die Nutzung des US-amerikanischen Flugabwehrsystems rationiert. Pro ballistischer Rakete nutze die Ukraine somit nur noch eine Abwehr anstatt, wie üblich, zwei. Die russischen Geschosse seien aufgrund ihrer hohen Schlaggeschwindigkeit jedoch besonders schwierig zu bekämpfen.

Patriot steht für "Phased Array Tracking Radar for Intercept on Target". Das komplette System besteht aus verschiedenen Komponenten wie etwa einem Radar, einem Feuerleitstand, Antennen und Startgeräten für die Flugabwehrraketen. Sie können Ziele auf eine Entfernung von etwa 100 Kilometern und bis in Höhen von 30 Kilometern treffen – abhängig vom eingesetzten Lenkflugkörper.


Experte betont Komplexität der Produktion

Informationen des "Spiegel" zufolge ist die Produktion des Patriot zeitaufwendig. Der Krieg im Iran soll die USA und ihre Verbündeten hunderte Raketen pro Tag gekostet haben. Zuletzt stellten die USA jährlich nur 650 der Raketen her. Russland produziere allein von der ballistischen Kurzstreckenrakete Iskander 700 im Jahr, so der ukrainische Geheimdienst.

Die Ukraine gelte zwar schon lange als erfahren im Waffenbau, dennoch müsse man von einem langfristigen Projekt ausgehen, so der Raketenexperte Fabian Hinz gegenüber dem "Spiegel". "Das System ist mit seinen Untersystemen und verschiedensten Bauteilen sehr komplex", erklärte der Experte. Abgesehen davon, dass die Produktion in der Ukraine unter Kriegsbedingungen stattfindet, müsse das Land mehrere Bauteile importieren. Jede Produktionssteigerung bei der Flugabwehr sei zu begrüßen, jedoch sollte man sich laut Hinz auch über die Einschränkungen im Klaren sein.

Massenproduktion soll im August starten

Die Patriot-Version Pac-3 kostet derzeit nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur (dpa) etwa vier Millionen Dollar. Nach Angaben des "Spiegel" benötige allein deren Fertigung etwa zwei Jahre, dazu kämen noch einmal 30 Monate für den Motor.

Die Ukraine habe bereits Pläne, um den Produktionsprozess schneller und günstiger zu gestalten. So nutze eine ukrainische Firma eine Kombination aus sowjetischer Technologie und westlicher Technik. Die Massenproduktion der Rakete, deren Preis unterhalb einer Million Euro liege, solle im August beginnen. Dennoch muss geklärt werden, wie und in welcher Zeit die ukrainische Produktionsstätte finanziert werden soll. Für Russland wäre der Standort auch ein Ziel für Angriffe.

Seit über vier Jahren wehrt sich die Ukraine mit massiver westlicher Hilfe gegen eine russische Invasion. Der Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine Russland begann am 24. Februar 2022, als der russische Präsident Wladimir Putin seinen Truppen befahl, in die Ukraine einzumarschieren. Der Kreml-Chef begründete die Invasion mit einer angeblichen "Entmilitarisierung und Entnazifizierung" der Ukraine sowie dem "Schutz der Menschen" vor vermeintlichem "Genozid". Inzwischen kontrolliert Russland etwa 20 Prozent des ukrainischen Gebiets, einschließlich der bereits 2014 annektierten Krim.

Symbolbild zum Thema Deutschland liefert Patriot-Systeme: Unterstützung für die ukrainische Flugabwehr

Bild: bluedesign - stock.adobe.com



Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

Spiegel: "Wie schnell kann die Ukraine ihre Patriot-Raketenabwehr nun selbst bauen?"

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