NATO-Sorgen
Will Putin den Ukraine-Krieg ausweiten statt ihn zu beenden?
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Putins Plan für Kiew-Einnahme enthüllt
Videoclip • 01:21 Min • Ab 12
Kremlnahe Quellen sehen derzeit keine Chance auf Friedensgespräche. Stattdessen könnte Russland den Krieg ausweiten und auch NATO-Ziele ins Kalkül ziehen.
Das Wichtigste in Kürze
Reuters berichtet unter Berufung auf drei kremlnahe Quellen, dass Wladimir Putin derzeit keine Friedensgespräche will und eher auf eine neue Eskalation setzt.
In russischen Debatten werden inzwischen auch Angriffe auf NATO-Ziele im Baltikum, in Rumänien und auf EU-Rüstungsbetriebe erwähnt.
Expert:innen warnen, dass solche Drohungen auch darauf zielen könnten, die NATO politisch zu spalten, statt sofort einen offenen Großkrieg zu beginnen.
Russlands Präsident Wladimir Putin lehnt nach Informationen von Reuters derzeit Friedensgespräche mit der Ukraine ab. Die Nachrichtenagentur beruft sich dabei auf drei dem Kreml nahestehende Personen. Demnach hätten die jüngsten ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien und Häfen Putins Entschlossenheit eher verstärkt als geschwächt.
Zwei der Insider sagten laut Reuters, Putin werde den Konflikt stattdessen wahrscheinlich weiter verschärfen. Einer von ihnen, der den Präsidenten dem Bericht zufolge regelmäßig trifft, sprach von einer "hohen Wahrscheinlichkeit" einer Eskalation in den kommenden Monaten. Unabhängig überprüfen lassen sich diese Aussagen nicht.
Putin erwägt offenbar, Ukraine-Krieg auszuweiten
Die Reuters-Angaben stehen im Gegensatz zu Äußerungen von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte am Montag erklärt, Putin wolle ein Ende des Krieges. Zuvor hatte Trump getrennt mit Putin und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj telefoniert. Am Rande des NATO-Gipfels traf er Selenskyj dann auch persönlich.
Aus ukrainischen Regierungskreisen verlautete Reuters zufolge, Geheimdienstberichte deuteten darauf hin, dass Putin neue Militäreinsätze oder sogar einen Angriff auf ein weiteres europäisches Land vorbereiten könnte. In Russland selbst werde inzwischen offener über eine Ausweitung des Krieges gesprochen. Genannt würden dabei unter anderem NATO-Stützpunkte im Baltikum.
Baltikum und Rumänien im Fokus
Der frühere Beamte des russischen Verteidigungsministeriums Andrei Ilnizki schrieb laut Reuters in einem Zeitungsbeitrag, eine nächste Phase des Konflikts könne Angriffe auf NATO-Basen im Baltikum und in Rumänien sowie auf EU-Rüstungsbetriebe umfassen. Gemeint seien Fabriken, die Drohnen mit großer Reichweite und Raketen für die Ukraine herstellen.
Kreml-Sprecher Dmitri Peskow wies diese Berichte auf Nachfrage von Reuters nicht direkt zurück. Stattdessen hieß es von ihm, Russland müsse seine Sicherheit stärken. Das wird von Beobachter:innen als bewusst offene Formulierung gewertet, die Raum für weitere Drohungen lässt.
Putins Ziel könnte Spaltung der NATO sein
Der Militärexperte Jack Watling von der Londoner Denkfabrik Rusi sieht hinter solchen Szenarien nicht unbedingt den Plan für einen offenen Krieg mit der NATO. Reuters zufolge könnte es Russland eher darum gehen, mit begrenzten Angriffen die Allianz über die richtige Reaktion zu spalten. Auch innenpolitisch könnte eine Konfrontation mit der NATO für Putin nützlich sein, etwa als Rechtfertigung für eine unpopuläre weitere Mobilmachung.
Währenddessen rückt die russische Armee im Donbas nach Reuters-Informationen weiter langsam vor. Putin habe sich demnach darauf festgelegt, den verbliebenen Teil der Region Donezk einzunehmen. Der Krieg kostet weiter unzählige Menschenleben: Nach Schätzungen des US-Forschungsinstituts CSIS wurden seit Beginn des russischen Angriffs 2022 rund zwei Millionen Soldat:innen getötet, verwundet oder als vermisst gemeldet. Laut dem britischen Geheimdienst sollen im Ukraine-Krieg fast 500.000 russische Soldaten getötet worden sein.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur Reuters
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