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Erneut tödlicher ICE-Einsatz: Mann bei Abschieberazzia in Maine erschossen

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

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USA: Wieder Schüsse bei ICE-Einsatz

Videoclip • 33 Sek • Ab 12


Nur wenige Tage nach einem tödlichen Schusswaffeneinsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE in Texas ist erneut ein Mensch ums Leben gekommen. Diesmal wurde bei einer Razzia im Bundesstaat Maine ein Mann erschossen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei einem Einsatz der US-Einwanderungsbehörde ICE ist im Bundesstaat Maine ein Mann erschossen worden.

  • Nach dem tödlichen Vorfall hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen gegen den beteiligten Beamten aufgenommen.

  • Der Fall verschärft die Debatte über das Vorgehen der ICE und den Einsatz von Bodycams bei Abschieberazzien.

Die tödlichen Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE sorgen erneut für Unruhe in den Vereinigten Staaten. In der Küstenstadt Biddeford im Bundesstaat Maine ist bei einer Abschieberazzia ein Mann erschossen worden. Die Staatsanwaltschaft des Bundesstaats hat Ermittlungen eingeleitet.

Ermittlungen nach tödlichen Schüssen

Nach Angaben der Behörden wurde der Mann während eines Einsatzes der Immigration and Customs Enforcement (ICE) getötet. Maines Generalstaatsanwalt Aaron Frey bestätigte, dass erste Erkenntnisse darauf hindeuteten, dass ein ICE-Beamter geschossen habe. Der beteiligte Beamte wurde vorläufig vom Dienst freigestellt. Die Gouverneurin von Maine, Janet Mills, erklärte, ihre Regierung sei über den Vorfall informiert worden. Auch die örtliche Polizei bestätigte, dass bei dem Einsatz ein Mensch ums Leben gekommen sei.


Behörden schildern Fluchtversuch

Nach Darstellung eines ICE-Sprechers überwachten Einsatzkräfte die zuletzt bekannte Adresse eines Mannes mit einer rechtskräftigen Abschiebeanordnung. "Ein illegaler Einwanderer verließ die Wohnung in einem Fahrzeug", erklärte der Sprecher.

"Die ICE-Strafverfolgung versuchte, das Fahrzeug anzuhalten. Das Fahrzeug versuchte, vom Tatort zu fliehen, und aus Sorge um die öffentliche Sicherheit gab ein Beamter einen Schuss ab." Rettungskräfte seien unmittelbar danach alarmiert worden. Neben der örtlichen Polizei war auch das FBI am Einsatzort.

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Bürgerrechtsorganisation widerspricht Darstellung

Die Behörden nannten den Namen des Getöteten zunächst nicht. Nach Angaben der Maine Immigrants' Rights Coalition handelt es sich um einen 26-jährigen Mann aus Kolumbien. Der Leiter der Organisation, Ruben Torres, erklärte gegenüber der "Washington Post", der Mann habe eine gültige Sozialversicherungsnummer besessen und legal in den USA arbeiten dürfen. Außerdem sei er der alleinige Ernährer seiner Familie gewesen und habe an laufenden Einwanderungsverfahren teilgenommen.

Keine Bodycams im Einsatz

Besonders kritisch sehen Politiker:innen und Bürgerrechtsorganisationen, dass die beteiligten ICE-Beamt:innen keine Bodycams trugen. Der unabhängige Senator Angus King erklärte nach Gesprächen mit dem Heimatschutzministerium auf einer Pressekonferenz: "Die Bodycams waren bei den Beamten nicht eingeschaltet, und deshalb haben wir keine Videoaufnahmen dessen, was sich in diesem Fall ereignet hat."

King forderte eine umfassende Untersuchung. Es müsse geklärt werden, ob tatsächlich eine Gefahr für die Beamt:innen bestanden habe und ob der Einsatz tödlicher Gewalt gerechtfertigt gewesen sei.

Augenzeug:innen berichteten von mehreren Schüssen. Aufnahmen einer Türklingelkamera sollen mindestens fünf Schüsse aufgezeichnet haben. Ein weiteres Video, das nach dem Einsatz entstanden sein soll, zeigt laut Berichten, wie Beamt:innen eine reglose Person aus dem Fahrzeug ziehen und anschließend Handschellen anlegen. Ob die Darstellung der Behörden zutrifft, lässt sich bislang nicht unabhängig überprüfen.

Zweiter tödlicher Vorfall binnen weniger Tage

Erst wenige Tage zuvor war bei einem ICE-Einsatz in Houston im Bundesstaat Texas ein Einwanderer aus Mexiko erschossen worden. Das Heimatschutzministerium erklärte damals, der Mann habe Einsatzkräfte mit seinem Fahrzeug angegriffen. Der Schuss sei aus Notwehr gefallen.

Auch in diesem Fall trugen die beteiligten Beamt:innen keine Bodycams. Frühere Einsätze hatten bereits Zweifel an offiziellen Darstellungen ausgelöst, nachdem Videoaufnahmen den Ablauf teilweise anders zeigten als zunächst von den Behörden geschildert.


Debatte über ICE verschärft sich

Die jüngsten Vorfälle treffen auf eine ohnehin aufgeheizte Debatte über die verschärfte Einwanderungspolitik der US-Regierung. ICE hat die Zahl der Abschiebemaßnahmen in den vergangenen Wochen deutlich erhöht.

Nach den tödlichen Schüssen forderten demokratische Politiker:innen erneut eine verpflichtende Ausstattung aller ICE-Beamt:innen mit Bodycams. In Maine kam es zudem zu Protesten gegen die Einwanderungsbehörde. Demonstrierende verlangten strengere Kontrollen des Vorgehens von ICE und forderten politische Konsequenzen.


Tödliche ICE-Einsätze sorgen seit Monaten für Kritik

Der tödliche Einsatz in Maine ist kein Einzelfall. Erst wenige Tage zuvor war in Houston der Mexikaner Lorenzo Salgado von einem ICE-Beamten erschossen worden. Das US-Heimatschutzministerium erklärte damals, Salgado habe ein Einsatzfahrzeug gerammt und versucht, einen Beamten zu überfahren. Sein Sohn widersprach dieser Darstellung auf Facebook und schrieb, sein Vater habe seit fast 35 Jahren in den USA gelebt und mit seiner Arbeit auf dem Bau die Familie ernährt.

Bereits im Januar waren zudem die US-Bürger Renée Good und Alex Pretti bei Einsätzen von Bundesbeamt:innen in Minneapolis getötet worden. Videoaufnahmen stellten die offiziellen Schilderungen der Behörden später teilweise infrage und lösten landesweite Proteste gegen die verschärfte Einwanderungspolitik von Präsident Donald Trump aus.

Die Einwanderungsbehörde ICE ist dem US-Heimatschutzministerium unterstellt und für die Durchsetzung der Einwanderungsgesetze verantwortlich. Dazu gehören Razzien, Festnahmen und Abschiebungen.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa:

Frankfurter Rundschau: "ICE erschießt Mann in Maine: Generalstaatsanwalt leitet Ermittlungen ein – Bodycam fehlte"

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