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Renten-Aussage von Juso-Chef Türmer irritiert Lanz: "Was haben Sie gegen sich?"

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

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Rentenreform kommt: Das muss man wissen

Videoclip • 02:14 Min • Ab 12


Bei "Markus Lanz" sorgte Juso-Chef Philipp Türmer mit einer unerwarteten Selbstkritik für Verblüffen: Er warnte davor, dass vom Rentenpaket "vor allen Dingen so Leute profitieren würden wie ich". Damit brachte er den ZDF-Moderator sofort auf Betriebstemperatur.

Das neue Rentenpaket der Bundesregierung sorgt für Wirbel und bei "Markus Lanz" gleich für einen handfesten Schlagabtausch. Bundeskanzler Friedrich Merz und Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas wollen die 33 Vorschläge der Rentenkommission komplett umsetzen. Zum Paket gehören unter anderem eine Anhebung des Renteneintrittsalters, eine kapitalgedeckte Zusatzrente und ein größerer Kreis an Beitragszahlern. Im Studio zeigte sich Journalistin Kerstin Münstermann überrascht vom Tempo und der Einigkeit in Berlin. Sie sagte ehrlich: "Ich habe noch nie ein Konzept erlebt, das tatsächlich die Idee hatte, das gesamte System mal neu anzugehen."

Lanz nahm den Ball auf und stichelte direkt in Richtung des anwesenden Juso-Chefs: "Das ist doch großartig - wenn da nicht Philipp Türmer wäre!" Der Politiker ließ sich nicht lange bitten und ordnete das Konzept als "Licht und Schatten" ein. Besonders störe ihn, "dass von dieser Rente vor allen Dingen so Leute profitieren würden wie ich".

Der ZDF-Moderator hakte ungläubig nach: "Was haben Sie gegen sich?" Türmer erklärte, er habe "relativ spät" mit Ende 20 angefangen "in die Rentenversicherung einzuzahlen - und trotzdem müsste mein Kollege aus der Grundschule, der mit 19 angefangen hat, als Lagerist zu arbeiten, genauso lange (...) in die Rente einzahlen, um ohne Abschläge rauszugehen". Für ihn handle es sich dabei um eine Gerechtigkeitsfrage: Wer früher ins Berufsleben starte, solle auch früher ohne Abzüge rauskommen. Türmer legte nach: "So Leute wie ich, die in akademischen Berufen arbeiten, die sollten länger arbeiten."

Juso-Chef Philipp Türmer (rechts) argumentierte, dass das neu vorgestellte Rentenkonzept Menschen wie ihn bevorzugen würde.

Bild: ZDF / Markus Hertrich


Philipp Türmer: "Ich möchte auch nicht alles zerreden"

Damit war CDU-Politiker Pascal Reddig, selbst Mitglied der Rentenkommission, bei Lanz sofort im Fokus: "Herr Reddig, wie konnte das passieren, dass Sie jetzt Herrn Türmer so derart verschont haben?" Reddig reagierte nüchtern: "Das, was Philipp Türmer gerade beschrieben hat, ist der Grund, warum ich eigentlich der Meinung war, dass Politiker nicht in die Kommission sollten." Lanz lachte: "Hat ja gut geklappt, wenn man Sie anschaut!"

Reddig erinnerte an die Ausgangslage: In den letzten "Jahren und Jahrzehnten" sei es "nie gelungen", "wirklich große Rentenreformen in Deutschland zu machen". Sein harsches Resümee: "Wenn wir jetzt anfangen, alles zu zerreden, dann landen wir genau da, wie in den letzten Jahren immer: Dann wird es keine Reformen geben."

Türmer widersprach: "Ich möchte auch nicht alles zerreden. Ich finde es richtig, dass das Rentenniveau steigen soll, (...) aber trotzdem nehme ich mir heraus, zu kritisieren, wo ich der Meinung bin, dass man es besser machen kann in der Umsetzung." Er schlug vor: "Ich finde, ein besseres Konzept wäre gewesen, wenn berücksichtigt worden wäre, wie lange jemand einzahlt und berücksichtigt wird, wie gesund, wie fit er ist." Türmer forderte: "Die Leute sollten nicht so lange arbeiten müssen, bis es gesundheitlich gar nicht mehr geht."

Lanz platzte daraufhin der Kragen: "Herr Türmer, warum tun Sie ständig so, als wäre das die Idee? Das verstehe ich nicht! Das ist nicht die Idee!" Türmer blieb bei seiner Argumentation und verwies auf "einen wichtigen Zusammenhang": "Die allgemeine Lebenserwartung ist ein statistischer Durchschnittswert, aber die Lebenserwartung steigt nicht für alle gleich. Die Lebenserwartung ist eine Verteilungsfrage." Sie steige "für Leute mit guter Qualifikation, gut bezahlten Jobs" stärker, während "die Lebenswartung von Menschen, die hart arbeiten, die häufig stärker belastet sind", stagniere.


Lanz stichelt in Richtung Türmer: "Wenn Sie es nicht wissen, ist es schätzen"

Lanz wollte es genauer wissen: "Wie viel Prozent betrifft das, von denen, die in Rente gehen?" Türmer schätzte: "Das dürften dann um die 20 Prozent sein." Lanz hielt dagegen: "Nur zehn Prozent der Dachdecker arbeiten überhaupt jenseits von 60. Da kann man doch nicht sagen, das ist ein zutiefst ungerechtes System!" Türmer stellte wütend klar: "Das sage ich nicht, Herr Lanz!"

Zum Ende drängte Lanz weiter auf eine konkrete Zahl: "Von allen, die neu in Rente gehen - wie viel Prozent davon nehmen die Möglichkeit einer Rente mit 63 in Anspruch?" Türmer konterte genervt: "Herr Lanz, ich habe das Gefühl, ich bin heute ein bisschen hier beim Schätz-Quiz gelandet." Lanz blieb hart: "Wenn Sie es nicht wissen, ist es schätzen, richtig." Er mahnte: "Wenn man so hier argumentiert, muss man doch die Basiszahlen irgendwie drauf haben!" Am Ende musste Türmer jedoch passen: "Herr Lanz, da müssen Sie mir aushelfen." Lanz lieferte schließlich selbst und erklärte, dass es "ungefähr 30 Prozent" seien: "270.000 gehen Jahr für Jahr vorzeitig in den Ruhestand."

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