Umstrittenes Verkehrsprojekt
Stuttgart 21: Deutsche Bahn verschiebt Inbetriebnahme des Tiefbahnhofs
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Stuttgart 21: Bahn bleibt auf Milliardenkosten sitzen
Videoclip • 01:20 Min • Ab 12
Die Deutsche Bahn verschiebt die Inbetriebnahme von Stuttgart 21 erneut deutlich. Der neue Tiefbahnhof in Stuttgart soll nun erst Ende 2031 starten statt wie zuletzt geplant 2026.
Das Wichtigste in Kürze
Die Deutsche Bahn will den neuen Tiefbahnhof von Stuttgart 21 nun erst Ende 2031 in Betrieb nehmen.
Hauptgründe für die neue Verzögerung sind unter anderem Probleme bei der vollständigen Digitalisierung des Bahnknotens.
Die Kosten des Projekts liegen bereits bei rund 11,3 Milliarden Euro und könnten durch die Verschiebung weiter steigen.
Die Deutsche Bahn hat die Inbetriebnahme des Bahnprojekts Stuttgart 21 um fünf Jahre verschoben. Der neue Tiefbahnhof solle nun Ende 2031 in Betrieb gehen. Das erklärten Bahnvertreter:innen laut Teilnehmerkreisen im Verkehrsausschuss des Deutschen Bundestages. Darüber hatten in den vergangenen Wochen bereits mehrere Medien berichtet. Grundlage dafür sei eine umfassende Prüfung des Projekts durch die Bahn.
Schon im November hatte der Konzern die geplante Teileröffnung für Ende 2026 abgesagt. Als Grund nannte die Bahn unter anderem Probleme bei der Digitalisierung. Bahnchefin Evelyn Palla hatte damals zunächst keinen neuen Termin genannt und eine genaue Überprüfung angekündigt. Die jetzige Entscheidung ist nun offenbar das Ergebnis dieser Prüfung.
Inbetriebnahme immer wieder vertagt
Stuttgart 21 gehört seit Jahren zu den bekanntesten und zugleich umstrittensten Verkehrsprojekten in Deutschland. Gebaut wird an dem Vorhaben bereits seit 2010. Ursprünglich war noch eine Eröffnung im Jahr 2019 vorgesehen. Später wurde der Termin mehrfach nach hinten verschoben, zuletzt auf Dezember 2026.
Das Projekt umfasst deutlich mehr als nur den neuen Hauptbahnhof in Stuttgart. Stuttgart 21 steht für die komplette Neuordnung des Bahnknotens in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Dazu gehören neue Bahnhöfe, zusätzliche Schienenwege, Tunnelröhren, Brücken und weitere Bauwerke. Auch ein neuer Fernbahnhof am Flughafen ist Teil des Projekts.
Auch in den News:
Digitaler Bahnknoten als Kern des Projekts
Zum Bahnprojekt Stuttgart-Ulm gehört außerdem die Schnellfahrstrecke Wendlingen-Ulm, die bereits 2022 eröffnet wurde. Das Herzstück von Stuttgart 21 bleibt aber der neue unterirdische Hauptbahnhof. Anders als der bisherige Kopfbahnhof soll er als Durchgangsbahnhof funktionieren. Die Bahn erhofft sich davon langfristig einen effizienteren Betrieb.
Besonders anspruchsvoll ist die geplante Technik. Der Bahnknoten Stuttgart soll als erster in Deutschland vollständig digitalisiert werden. Fernzüge, Regionalzüge und S-Bahnen sollen dort ausschließlich mit dem digitalen Zugsicherungssystem ETCS fahren. Klassische Lichtsignale sind in diesem Konzept nicht mehr vorgesehen. Diese umfassende Digitalisierung gilt als einer der entscheidenden Gründe für die erneute Verzögerung.
Auch die Kosten von Stuttgart 21 steigen weiter
Mit der längeren Bauzeit dürften auch die Kosten weiter wachsen. Schon jetzt ist Stuttgart 21 deutlich teurer als ursprünglich geplant. In dem Finanzierungsvertrag von 2009 war die Verteilung der Kosten nur bis zu einer Höhe von gut 4,5 Milliarden Euro geregelt. Zuletzt bezifferte die Deutsche Bahn die Gesamtkosten auf rund 11,3 Milliarden Euro.
Mit der erneuten Verschiebung um fünf Jahre könnte dieser Betrag weiter steigen. Die zusätzlichen Kosten muss die Bahn nach einem Gerichtsurteil allein tragen. Das erhöht den Druck auf den Konzern, das Projekt nun verlässlich weiterzuführen. Klar ist bereits jetzt: Stuttgart 21 wird die Deutsche Bahn noch viele Jahre beschäftigen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtengentur dpa
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