Mehr Einzahler
Merz will große Rentenreform "zügig umsetzen" – diese Änderungen sind geplant
Aktualisiert:
von Emre Bölükbasi:newstime
Rentenkommission legt Reformvorschläge vor
Videoclip • 01:41 Min • Ab 12
Der Bundeskanzler macht Tempo: Nach monatelangem Koalitionsstreit verkündet Merz die vollständige Umsetzung des Rentenkommissions-Pakets. Was konkret geplant ist.
Das Wichtigste in Kürze
Die Rentenreform naht – und sie hat es in sich.
Die Kommission fordert: Die Rente mit 63 soll weg.
Millionen Versicherte sollen länger arbeiten und tiefer in die Tasche greifen.
Es klingt wie ein Schwur: "Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden", verkündete Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Dienstag (23. Juni) nach der Übergabe des Rentenkommissionsberichts im Kanzleramt. Die 13-köpfige Rentenkommission hatte den Bericht für eine große Rentenreform nach monatelangen Beratungen verfasst.
Der CDU-Politiker machte unmissverständlich klar, dass einzelne Maßnahmen nicht herausgepickt werden dürften. Die 33 Vorschläge würden ineinandergreifen und sich gegenseitig ausbalancieren – ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniere.
Merz würdigte die Empfehlungen als "ausgewogenes Paket" von "allergrößter Bedeutung", das den Trend umkehren und dazu führen könne, dass das Rentenniveau steigt und die Beiträge sinken. Kürzungen von Rentenleistungen werde es nicht geben, versprach der Kanzler. "Es ist allerhöchste Zeit. Nichtstun ist keine Option."
Auch in den News:
Bas: "Kein Rosinenpicken"
Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas (SPD) schlug in dieselbe Kerbe – allerdings mit noch deutlicheren Worten. "Es gibt jetzt kein Rosinenpicken, es ist ein Gesamtkunstwerk", betonte sie. In dem Paket greife alles ineinander, so dass man nicht das eine oder andere weglassen könne. Für die Umsetzung müssten sicherlich noch die Koalitionsfraktionen mitgenommen werden, räumte sie ein. Sie sei aber "sehr zuversichtlich", dass dies gelingen könne.
Schrittweise Anhebung bis 68 Jahre
Das Renteneintrittsalter soll sich künftig an der steigenden Lebenserwartung orientieren. Nach den Berechnungen würden Beschäftigte 2041 erst mit 67,5 Jahren regulär in Rente gehen können, 2051 mit 68 Jahren. Die Altersgrenze würde damit ab 2042 alle zehn Jahre um ein halbes Jahr steigen.
Auch der vorzeitige Ruhestand wird erschwert: Wer nach 45 Berufsjahren mit Abschlägen in Rente gehen will, soll dies künftig erst ab 64 statt wie bisher ab 63 Jahren können. Die beliebte abschlagsfreie "Rente mit 63" nach 45 Beitragsjahren soll komplett wegfallen – allerdings mit Übergangsregelungen für rentennahe Jahrgänge.
Neue Kapitalsäule und steigende Beiträge
Als Kernstück der Reform ist eine verpflichtende Kapitalrente geplant. Zunächst sollen 0,5 Prozent des Bruttolohns am Aktienmarkt angelegt werden, später zwei Prozent – je zur Hälfte von Arbeitnehmer:innen und Arbeitgeber:innen finanziert. Diese Zusatzrente nach schwedischem Vorbild soll von einem Staatsfonds verwaltet werden und ab 2040 höhere Gesamtrenten ermöglichen.
Der reguläre Rentenbeitrag wird ebenfalls steigen: Bereits 2028 soll er von derzeit 18,6 auf 19,9 Prozent klettern. Die Beiträge zur Kapitalsäule kämen zusätzlich hinzu. Langfristig soll das Rentenniveau durch beide Säulen zusammen bei 50 Prozent liegen.
Alle :DECODED-Folgen:
Mehr Einzahler für die Rentenkasse
Um die Finanzierung zu stärken, sollen künftig auch Politiker:innen wie Bundestagsabgeordnete sowie Selbstständige in die gesetzliche Rente einzahlen. Eine vollständige Einbeziehung der Beamt:innen ist vorerst nicht vorgesehen, deren Pensionsniveau soll aber abgeschmolzen werden.
Zudem empfiehlt die Kommission, beitragsfreie Minijobs nur noch für Schüler:innen zuzulassen – ein Anreiz, die Arbeitszeit zu erhöhen.
Gemischte Reaktionen
Die Vorschläge stoßen auf geteiltes Echo. Während der Sachverständigenrat die Empfehlungen lobt, kritisieren Gewerkschaften und Linke die Pläne scharf. IG-Metall-Chefin Christiane Benner warnte, die Abschaffung der Rente nach 45 Jahren werde in den Betrieben auf "heftige Ablehnung" treffen. Verdi-Chef Frank Werneke bemängelte, die Vorschläge gingen "an der Lebenswirklichkeit arbeitender Menschen vorbei".
DIW-Präsident Marcel Fratzscher hält die Reform für "zu vorsichtig" und fordert Nachbesserungen, insbesondere bei der Bekämpfung von Altersarmut.
Die Bundesregierung will die Empfehlungen nun prüfen und bis zur Sommerpause ein Reformpaket vorlegen.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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