Nato-Gipfel

Nato ringt vor Gipfel um den richtigen Umgang mit Trump

Veröffentlicht:

von Nadine von Parseval

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Trump: Deutschlands NATO-Beiträge "lächerlich"

Videoclip • 01:02 Min • Ab 12


Der Nato-Gipfel steht ganz im Zeichen der Frage, wie Europas Staats- und Regierungschefs mit Donald Trump umgehen sollen. Während einige auf Diplomatie und persönliche Annäherung setzen, vertreten andere inzwischen einen deutlich härteren Kurs.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor dem Nato-Gipfel wächst die Sorge vor einem neuen Konflikt mit Donald Trump.

  • Europas Regierungschefs verfolgen sehr unterschiedliche Strategien im Umgang mit dem US-Präsidenten.

  • Ob Diplomatie oder deutliche Kritik erfolgreicher ist, bleibt weiter offen.

Schon vor Beginn des Nato-Gipfels richtet sich der Blick vieler Staats- und Regierungschefs weniger auf die eigentlichen Inhalte als auf Donald Trump. Neue öffentliche Angriffe und Vorwürfe des US-Präsidenten haben die Sorge verstärkt, dass das Treffen erneut von Spannungen überschattet werden könnte. Für Bundeskanzler Friedrich Merz und seine Partner:innen stellt sich deshalb die Frage, wie sich ein offener Konflikt vermeiden lässt.

Ein Balanceakt für das Bündnis

Die Nato will beim Gipfel Geschlossenheit demonstrieren und Russland Stärke vermitteln. Gleichzeitig wächst der Druck auf die europäischen Mitgliedstaaten, auf Forderungen aus Washington einzugehen. Dabei geht es nicht nur um höhere Verteidigungsausgaben, sondern auch um politische Unterstützung für die US-Außenpolitik.

Viele Regierungen stehen deshalb vor einem schwierigen Abwägungsprozess. Einerseits soll das transatlantische Bündnis erhalten bleiben, andererseits wollen sich viele Staaten nicht uneingeschränkt den Vorstellungen Trumps unterordnen.


Mark Rutte setzt auf Charmeoffensive

Nato-Generalsekretär Mark Rutte verfolgt seit Monaten einen besonders diplomatischen Kurs. Immer wieder lobt er Trump öffentlich und hebt dessen Einfluss auf steigende Verteidigungsausgaben der europäischen Partner hervor.

Zuletzt präsentierte Rutte im Weißen Haus sogar Schautafeln, die den Erfolg der amerikanischen Forderungen illustrieren sollten. Die Überschrift "Trump Trillion" sorgte allerdings auch für Kritik, weil viele darin übertriebene Schmeichelei sahen.

Aus Sicht vieler Nato-Mitglieder zahlt sich dieser Ansatz bislang dennoch aus. Größere Eskalationen konnten verhindert werden, und Trump ließ sich mehrfach zu Zugeständnissen bewegen. Dennoch zeigen dessen jüngste Aussagen über angeblich unzureichende Verteidigungsausgaben Europas, dass selbst diese Strategie ihre Grenzen hat.

Friedrich Merz sucht den Mittelweg

Auch Bundeskanzler Friedrich Merz versuchte zunächst, eine gute persönliche Beziehung zum US-Präsidenten aufzubauen. Bei seinem ersten Besuch im Weißen Haus überreichte er Trump unter anderem eine gerahmte Kopie der Geburtsurkunde von dessen Großvater sowie einen Golfschläger.

Zunächst zeigte sich Trump ausgesprochen freundlich und lobte Deutschlands höhere Verteidigungsausgaben. Mit dem Verlauf des Iran-Konflikts verschlechterte sich das Verhältnis jedoch zunehmend.

Während Merz den amerikanischen Kurs anfangs zurückhaltend kommentierte, äußerte er später immer deutlichere Kritik. Die Reaktion aus Washington ließ nicht lange auf sich warten. Trump kündigte unter anderem den Abzug tausender US-Soldaten aus Deutschland an und stellte zugesagte Waffenlieferungen infrage.

Inzwischen betont Merz, Deutschland müsse sich wegen seiner steigenden Verteidigungsausgaben nicht verstecken. Diesen Standpunkt wolle er auch beim Nato-Gipfel selbstbewusst vertreten.


Meloni zeigt inzwischen klare Grenzen auf

Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni galt lange als wichtigste Ansprechpartnerin Trumps in Europa. Doch zuletzt kühlte das Verhältnis deutlich ab.

Auslöser waren öffentliche Behauptungen Trumps, Meloni habe ihn bei einem Gipfeltreffen um gemeinsame Fotos gebeten. Die italienische Regierungschefin widersprach dieser Darstellung entschieden und widersetzte sich dem US-Präsidenten später erneut in sozialen Netzwerken.

Auch in der Iran-Frage ging Italien auf Distanz. US-Flugzeuge erhielten keine Erlaubnis, den Militärstützpunkt Sigonella für Einsätze zu nutzen. Anders als früher bemühte sich Meloni diesmal nicht um Schadensbegrenzung, sondern verteidigte ihre Position offensiv.

Viele Beobachter:innen sehen darin einen Strategiewechsel. Zwar hält Meloni den Kontakt nach Washington aufrecht, macht aber zugleich deutlich, dass gute Beziehungen nicht bedingungslose Zustimmung bedeuten.

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Spanien setzt ebenfalls auf Widerspruch

Einen ähnlichen Kurs verfolgt Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez. Auch er verweigerte den USA die Nutzung spanischer Militärstützpunkte für den Iran-Konflikt und nahm heftige Kritik aus Washington in Kauf. Trump reagierte mit scharfen Drohungen. Sánchez blieb dennoch bei seiner Haltung und erklärte, blinder Gehorsam gegenüber den Vereinigten Staaten sei kein Zeichen verantwortungsvoller Führung.

Der Nato-Gipfel dürfte zeigen, welcher Umgang mit Donald Trump innerhalb des Bündnisses künftig als erfolgversprechend gilt. Während einige Regierungschefs auf diplomatische Annäherung setzen, bevorzugen andere inzwischen eine selbstbewusste und klare Linie. Fest steht schon jetzt: Die Frage, wie Europa mit einem unberechenbaren US-Präsidenten umgehen soll, bleibt eine der größten Herausforderungen für das westliche Bündnis.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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