Digitalstudie der Postbank
Viele Eltern lassen Kinder am Handy weitgehend frei - und fordern strengere Regeln
Veröffentlicht:
von Claudia Scheele:newstime
Kinder und Social Media: Das muss man wissen
Videoclip • 01:48 Min • Ab 12
In vielen Familien fehlen klare Regeln für Smartphones und soziale Netzwerke. Gleichzeitig wünschen sich die meisten Eltern strengere Altersgrenzen und Handyverbote an Schulen.
Das Wichtigste in Kürze
Laut Postbank Digitalstudie 2026 gibt es in den meisten Familien keine festen Zeitlimits für Smartphones und oft auch keine klaren Regeln für soziale Netzwerke.
Gleichzeitig befürwortet eine große Mehrheit Altersgrenzen für Social Media, besonders häufig ab 16 Jahren.
Auch Handyverbote an Schulen finden breite Zustimmung, weil viele Eltern Smartphones als Störfaktor für Unterricht und Konzentration sehen.
Das Smartphone gehört für viele Kinder längst selbstverständlich zum Alltag. Doch viele Eltern in Deutschland begleiten diese Nutzung nur noch locker. Das zeigt die Postbank Digitalstudie 2026, für die im Mai mehr als 3.000 Menschen befragt wurden, darunter 732 Personen mit Kindern im Haushalt.
Demnach gibt es in 65 Prozent der Familien keine zeitlichen Begrenzungen für die tägliche Handynutzung. Auch am Abend wird nur selten eingegriffen: In rund zwei Dritteln der Haushalte existiert kein Verbot für Smartphones vor dem Schlafengehen. Viele Eltern wissen damit offenbar nur begrenzt, wie lange ihre Kinder tatsächlich am Bildschirm verbringen.
Kaum Kontrolle bei TikTok, Instagram und YouTube
Besonders auffällig ist der lockere Umgang mit sozialen Netzwerken. In 57 Prozent der Familien fehlen laut Studie klare Regeln für die Nutzung von Plattformen wie TikTok, Instagram oder YouTube. Vor allem Eltern ab 40 Jahren kontrollieren die Online-Aktivitäten ihrer Kinder selten oder gar nicht. In dieser Altersgruppe trifft das auf 61 Prozent zu.
Gleichzeitig verbringen viele Minderjährige viel Zeit in sozialen Medien. Nach Angaben der Eltern nutzen 47 Prozent der unter 18-Jährigen diese Plattformen täglich länger als eine Stunde. Damit wächst die Lücke zwischen der intensiven Nutzung auf der einen und der elterlichen Kontrolle auf der anderen Seite.
Mehrheit will strengere Grenzen
Trotz der oft lockeren Praxis sprechen sich die meisten Befragten für strengere Vorgaben aus. 86 Prozent halten eine Altersbeschränkung für soziale Netzwerke für sinnvoll. Besonders häufig wird gefordert, dass Kinder soziale Medien erst ab 16 Jahren nutzen sollen. Für diese Grenze sprechen sich 44 Prozent aus. Weitere 27 Prozent würden eine Nutzung ab 14 oder 15 Jahren erlauben.
Auffällig ist dabei der Unterschied zwischen Menschen mit und ohne Kinder. In Haushalten ohne Kinder wird das Thema deutlich strenger gesehen. Dort plädieren 48 Prozent für eine Altersgrenze ab 16 Jahren. In Familien mit Kindern sind es nur 31 Prozent. Das deutet darauf hin, dass der Alltag mit digitalen Geräten viele Eltern pragmatischer werden lässt.
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Die Studie zeigt außerdem, dass Kinder immer früher ein eigenes Gerät bekommen. 54 Prozent erhalten ihr erstes Smartphone zwischen dem neunten und zwölften Lebensjahr. Jedes fünfte Kind besitzt laut der Befragung sogar schon mit acht Jahren oder früher ein eigenes Handy. Jüngere Eltern geben ihren Kindern tendenziell früher ein Smartphone als ältere.
Wenn Regeln gesetzt werden, betreffen sie meist konkrete Alltagssituationen. In 51 Prozent der Familien ist das Handy bei Mahlzeiten tabu. Etwa jede zweite Familie verbietet die Nutzung außerdem bei Hausaufgaben oder in der Schule. Weil Eltern ihre Vorgaben außerhalb des eigenen Zuhauses aber nur begrenzt durchsetzen können, wird der Ruf nach klaren Regeln in Bildungseinrichtungen lauter. 82 Prozent der Eltern und 83 Prozent aller Befragten sprechen sich für ein Handyverbot an Schulen aus. Als Hauptgrund nennen viele, dass Smartphones Unterricht und Konzentration stören.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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