Entscheidungen erwartet
Labour vor Machtkampf: Burnham fordert Starmer heraus
Veröffentlicht:
von dpa:newstime
Neuer Premierminister für England: Keir Starmer gewinnt Wahl in Großbritannien
Videoclip • 01:46 Min • Ab 12
In seiner bisher tiefsten Krise teilt der britische Premier Vatertagsgrüße. Doch ein Paukenschlag in Westminster rückt immer näher. Tritt Keir Starmer bald vor die berühmte schwarze Tür?
Das Wichtigste in Kürze
Andy Burnham könnte schon bald eine Abstimmung über den Labour-Parteivorsitz erzwingen und Starmer direkt herausfordern.
Medienberichten zufolge haben inzwischen mehr als 100 Labour-Abgeordnete den Premier zum Rücktritt aufgefordert.
Wirtschaftsminister Peter Kyle wies Rücktrittsgerüchte zurück, bestätigte aber, dass Starmer seine politische Lage neu bewertet.
Die politische Zukunft von Keir Starmer steht im Vereinigten Königreich zunehmend infrage. Nach dem Einzug seines parteiinternen Rivalen Andy Burnham ins Parlament wächst der Druck auf den britischen Premierminister erheblich. Medienberichten zufolge könnte Starmer schon in den kommenden Tagen Konsequenzen ziehen.
Die Zeitung "The Guardian" berichtete am Sonntag, Starmer werde voraussichtlich bereits am Montag seinen Rücktritt ankündigen. Demnach hätten zahlreiche Labour-Abgeordnete gefordert, Burnham den Weg an die Parteispitze freizumachen. Auch "The Observer" meldete unter Berufung auf Parteiquellen, dass Starmer seinen Rückzug erklären und einen Zeitplan für seinen Abschied präsentieren könnte.
Aus der Downing Street kamen jedoch gegenteilige Signale. Laut BBC hieß es am Samstagabend, an Starmers Position habe sich seit Freitag nichts geändert. Der Premier selbst betonte nach Burnhams Wahlerfolg, dass er im Amt bleiben und sich einem möglichen Rennen um den Parteivorsitz stellen wolle.
Unabhängig davon, ob ein Rücktritt unmittelbar bevorsteht, gilt Starmers politische Zukunft vielen Beobachtern als stark gefährdet. In London mehren sich die Stimmen, die davon ausgehen, dass seine Zeit an der Spitze von Regierung und Partei nur noch begrenzt sein dürfte.
Wirtschaftsminister: Starmer denkt über Zukunft nach
Mit seinem Sieg bei der Nachwahl im Wahlkreis Makerfield hat Andy Burnham den Druck auf Keir Starmer weiter erhöht. Bereits vor der Abstimmung galt als wahrscheinlich, dass der frühere Bürgermeister von Manchester den Premierminister bei einem Erfolg zu einem Machtkampf um den Labour-Vorsitz herausfordern würde. Für Starmer entwickelte sich der Wahlsieg der eigenen Partei daher politisch zum Problem.
Öffentlich zeigte sich der Regierungschef davon zunächst unbeeindruckt. Auf der Plattform X äußerte er sich am Wochenende lediglich zum britischen Vatertag. "Vater zu sein ist meine größte Freude", schrieb Starmer. Gleichzeitig zog er sich mit seiner Familie auf den Landsitz Chequers zurück.
Hinter den Kulissen soll der Druck jedoch deutlich zugenommen haben. Medienberichten zufolge haben seit Freitag zahlreiche Labour-Abgeordnete und Kabinettsmitglieder auf einen Rückzug des Premiers gedrängt. Nach Informationen des Senders Sky soll auch Außenministerin Yvette Cooper zu den Kritiker:innen zählen.
Spekulationen über einen unmittelbar bevorstehenden Rücktritt wies Wirtschaftsminister Peter Kyle zurück. Es gebe keinen Anlass zu glauben, dass entsprechende Berichte zuträfen, sagte er Sky News. Zugleich räumte der Vertraute Starmers ein, dass sich die politische Lage verändert habe. Der Premier wolle nun Zeit gewinnen, um über die aktuellen Herausforderungen und die künftige Ausrichtung nachzudenken. Der BBC sagte Kyle zudem: "Ich möchte hier nicht so tun, als gäbe es keinen Prozess, keine Kräfte, die den Premierminister als Parteivorsitzenden herausfordern - das ist ganz klar der Fall."
Auch in den News:
Minister: Starmer prüft seine Optionen
Hält Keir Starmer an seiner bisherigen Linie fest und schließt einen Rücktritt weiterhin aus, könnte Andy Burnham schon bald eine Abstimmung über den Labour-Parteivorsitz erzwingen. Erst durch seinen Erfolg bei der Nachwahl verfügt Burnham über die nötige Voraussetzung, um Starmer direkt herauszufordern und ihn im Erfolgsfall auch als Premierminister abzulösen.
Neben Burnham wird auch der frühere Gesundheitsminister Wes Streeting als möglicher Kandidat für die Parteiführung gehandelt. Die Krise um Starmer begann jedoch bereits deutlich vor Burnhams Einzug ins Parlament. Der Premier galt schon zuvor als politisch angeschlagen, während Labour in eine der schwersten Phasen seiner jüngeren Geschichte geriet.
Besonders schmerzhaft war die Niederlage bei den jüngsten Kommunal- und Regionalwahlen in England, Schottland und Wales, bei denen die Partei erhebliche Verluste an die rechtspopulistische Partei Reform UK hinnehmen musste. In der Folge bröckelte auch der Rückhalt innerhalb der eigenen Reihen. Streeting distanzierte sich öffentlich von Starmer, zudem trat Verteidigungsminister John Healey nach einem Streit über den Verteidigungshaushalt zurück.
Nach Angaben der Nachrichtenagentur PA sprechen sich inzwischen mehr als 100 Labour-Abgeordnete für einen Rückzug des Premiers aus. Der frühere Innenminister Alan Johnson würdigte Starmer zwar als "einen Kämpfer", verwies aber zugleich auf die schwierige Lage. Gegenüber LBC sagte er: "Er ist ein kluger Mann, er weiß, dass er für immer als der Mann in die Geschichtsbücher eingehen wird, der die Labour-Partei innerhalb von nur fünf Jahren vom zweitschlechtesten Ergebnis ihrer Geschichte zum zweitbesten Ergebnis ihrer Geschichte geführt hat." Dennoch sei nun die "harte Realität" eingekehrt.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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