Lage im Überblick

USA und Iran starten entscheidende Gespräche in der Schweiz

Veröffentlicht:

von dpa

:newstime

Vance: USA sind nicht die Weltpolizei

Videoclip • 01:24 Min • Ab 12


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Trotz neuer Spannungen im Libanon haben die USA und der Iran in der Schweiz hochrangige Gespräche über ein Ende des Krieges aufgenommen. Im Mittelpunkt stehen das iranische Atomprogramm, die Zukunft der Straße von Hormus und die fragile Waffenruhe in der Region.

Das Wichtigste in Kürze

  • In dem Schweizer Luxusresort Bürgenstock beraten Vertreter der USA, des Iran sowie der Vermittlerstaaten Pakistan und Katar über die Umsetzung des jüngsten Rahmenabkommens.

  • US-Vizepräsident JD Vance zeigte sich vor Beginn der Gespräche vorsichtig optimistisch und hofft auf Fortschritte beim Atomstreit sowie bei einer Stabilisierung der Lage im Libanon.

  • Die Verhandlungen werden von anhaltenden Kämpfen zwischen Israel und der Hisbollah überschattet, während sich die Konfliktparteien gegenseitig Verstöße gegen die Waffenruhe vorwerfen.

Überschattet von den anhaltenden Gefechten zwischen der israelischen Armee und der libanesischen Hisbollah sollen heute in der Schweiz hochrangige Gespräche zwischen den Kriegsparteien USA und Iran beginnen. Im Mittelpunkt steht die Ausarbeitung des in der vergangenen Woche unterzeichneten Rahmenabkommens zur Beendigung des Iran-Kriegs, berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Die Verhandlungen sollen konkrete Schritte für eine endgültige Vereinbarung festlegen. Diese soll laut Rahmenabkommen innerhalb von 60 Tagen ausgearbeitet werden und auch eine Lösung für das umstrittene iranische Atomprogramm umfassen.

Für zusätzliche Spannungen sorgte zuletzt die Lage im Libanon. Die Kämpfe dort belasteten die Beziehungen zwischen Washington und Teheran erheblich. Als Reaktion kündigte der Iran am Samstag die Schließung der Straße von Hormus an. Die strategisch wichtige Meerenge war nach Abschluss des Rahmenabkommens gerade erst schrittweise wieder für den Schiffsverkehr geöffnet worden.

Vance erwartet Fortschritte bei den Verhandlungen

An den Gesprächen im Schweizer Luxusresort Bürgenstock bei Luzern nehmen neben Vertreter:innen  der USA und des Iran auch Delegationen der Vermittlerstaaten Pakistan und Katar teil, heißt es weiter in dem Bericht. Für Washington reiste US-Vizepräsident JD Vance an, der sich vor Beginn der Verhandlungen vorsichtig optimistisch zeigte. "Ich denke, wir werden hoffentlich Fortschritte in der Atomfrage erzielen und auch in der Frage der Waffenruhe im Libanon vorankommen", sagte er vor seiner Abreise.

Nach Angaben von Vance befinden sich auch Jared Kushner, Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump, sowie der US-Sondergesandte Steve Witkoff bereits in der Schweiz. Beide seien mit technischen Fragen der Verhandlungen befasst. "Nach meinem Eindruck laufen die Dinge gut", erklärte der Vizepräsident, der nur für ein bis zwei Tage vor Ort bleiben will.

Die iranische Delegation wird unter anderem von Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf und Außenminister Abbas Araghtschi angeführt. Für Pakistan nimmt unter anderem Premierminister Shehbaz Sharif teil.

Wie lange die Verhandlungen dauern sollen, ist bislang unklar. Beobachter:innen halten es für möglich, dass nach einem ersten Treffen Arbeitsgruppen gebildet werden, die einzelne Themen auf niedrigerer Ebene weiterverhandeln.

Eine erste Gesprächsrunde war ursprünglich bereits für Freitag geplant gewesen. Sie scheiterte jedoch an den gegenseitigen Angriffen zwischen der israelischen Armee und der proiranischen Hisbollah-Miliz.

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Auch in den News:

Trump warnt mit Gebühren für Schiffsverkehr

Das am Mittwochabend separat unterzeichnete Abkommen sieht unter anderem die Wiederöffnung der Straße von Hormus sowie die Aufhebung der US-Seeblockade gegen den Iran vor. Während der vorgesehenen 60-tägigen Verhandlungsphase darf Teheran zudem keine zuvor angedrohten Durchfahrtsgebühren für Schiffe erheben. Nach Angaben Pakistans trat die Vereinbarung mit sofortiger Wirkung in Kraft.

Nach der erneuten Sperrung der strategisch wichtigen Meerenge reagierte US-Präsident Donald Trump mit einer Gegenwarnung. Auf seiner Plattform Truth Social brachte er die Einführung einer US-Maut für die Passage ins Gespräch. Sollte kein endgültiges Friedensabkommen erzielt werden, könnten sich die Vereinigten Staaten ihre Rolle als "Schutzengel" der Region bezahlen lassen, schrieb Trump.

Der Krieg hatte Ende Februar begonnen, nachdem die USA gemeinsam mit Israel Angriffe auf den Iran gestartet hatten. Seit Anfang April gilt eine Waffenruhe, während der die Zahl der Angriffe deutlich zurückging. Israel ist an den laufenden Gesprächen zwischen Washington und Teheran nicht beteiligt.

Kämpfe im Libanon halten trotz Waffenruhe an

Trotz einer seit Freitagnachmittag geltenden Waffenruhe im Libanon hielten die Gefechte zwischen der israelischen Armee und der Hisbollah-Miliz auch am Samstag an. Die anhaltenden Kämpfe belasteten zudem die Beziehungen zwischen den USA und dem Iran. Teheran erklärte daraufhin, die Straße von Hormus erneut für den Schiffsverkehr gesperrt zu haben. Der Iran fordert die Einhaltung der Feuerpause sowie den Rückzug israelischer Truppen aus dem Südlibanon.

Das US-Militär wies die Darstellung zurück und betonte, dass die wichtige Schifffahrtsroute weiterhin geöffnet sei. Demnach passierten zuletzt 55 Schiffe, darunter Tanker mit insgesamt rund 17 Millionen Barrel Öl, die Meerenge. Laut einem Bericht der "New York Times" war dies die höchste Zahl an Schiffspassagen seit der Sperrung zu Beginn des Krieges.

Unterdessen berichteten libanesische Medien von zahlreichen israelischen Luftangriffen mit mindestens 35 Todesopfern am Samstag. Israel und die Hisbollah werfen sich gegenseitig vor, die Waffenruhe verletzt zu haben. Bereits am Vortag waren nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 83 Menschen bei israelischen Angriffen ums Leben gekommen.

Beide Seiten beschuldigen sich der Verstöße gegen die Waffenruhe

Die israelische Armee beschuldigte die Hisbollah erneut, die Waffenruhe mehrfach verletzt zu haben. Als Reaktion seien Raketenstellungen, Waffenlager und Kommandozentralen der Miliz angegriffen worden. Die Hisbollah wiederum erklärte, ihre Kämpfer hätten auf einen Vormarsch israelischer Truppen reagiert. Die Angaben beider Seiten konnten zunächst nicht unabhängig bestätigt werden.

Teheran fordert unterdessen von den USA, stärkeren Druck auf die israelische Regierung auszuüben, um die Feuerpause durchzusetzen. Die israelische Armee machte jedoch deutlich, dass sie weiterhin gegen jede Bedrohung für Israel und seine Soldaten vorgehen werde.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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