Prozess in Rostock
Großmutter sagt aus: So erlebte sie den achtjährigen Fabian aus Güstrow
Aktualisiert:
von Fabia Söllner:newstime
Falschaussage: Ermittlungen gegen Fabians Vater
Videoclip • 01:14 Min • Ab 12
Im Mordprozess um den getöteten achtjährigen Fabian aus Güstrow sorgten emotionale Szenen und hitzige Debatten zuletzt für eine angespannte Atmosphäre. Nun hat seine Großmutter ausgesagt.
Das Wichtigste in Kürze
Die Großmutter schildert Fabian als lebensfrohen Jungen und berichtet von einem späteren Verhaltenswandel.
Die Verteidigung zweifelt den rekonstruierten Tatablauf an und hat weitere Beweise beantragt.
Am 24. August will sich die Angeklagte erstmals vor Gericht äußern.
Die Aussage der Großmutter des getöteten achtjährigen Fabian gehört zu den emotionalsten Momenten am 21. Verhandlungstag vor dem Landgericht Rostock. Mehrfach muss sie sich die Tränen aus den Augen wischen, als sie von dem Moment berichtet, in dem im vergangenen Oktober feststand, dass ihr Enkel tot ist.
Fabian sei ein "aufgeweckter, lustiger" Junge gewesen, sagt sie. Er habe aber auch seine "Zick-Phasen" gehabt. Vor rund zwei Jahren habe sich sein Verhalten verändert: Er sei schnell wütend geworden und habe keinen Kontakt mehr zu seinem Vater gewollt. Dieser lebte getrennt von Fabians Mutter und war damals mit der heute wegen Mordverdachts angeklagten Frau liiert.
Vater und Angeklagte: Es soll einen Vorfall gegeben haben
Der Verhaltenswandel habe einen Grund gehabt, sagt die Großmutter. Fabian habe ihr erzählt, sein Vater sei "böse" zur heute Angeklagten gewesen, ohne weitere Details zu nennen. Der Vater wies entsprechende Vorwürfe vor Gericht zurück. Nach der Trennung von der Angeklagten hätten sich Vater und Sohn wieder angenähert. Fabian habe seinen Vater wieder sehen wollen.
Die Staatsanwaltschaft wirft der 30-Jährigen vor, den Achtjährigen am 10. Oktober 2025 bei Klein Upahl erstochen und seinen Leichnam anschließend in Brand gesetzt zu haben. Sie sieht einen Zusammenhang mit der Trennung vom Vater. Inzwischen sind beide nach Angaben des Vaters wieder ein Paar.
Beweisanregungen im Fokus
Zu Beginn des Prozesstags stellte die Verteidigung mehrere Beweisanträge. Sie zweifelt den von der Staatsanwaltschaft rekonstruierten zeitlichen Ablauf der Tat und des Vortags an. So sollen unter anderem ein Bewegungsprofil des Autos eines Zeugen erstellt und ein Experte erneut zur Funkzellenauswertung vernommen werden.
Außerdem beantragte die Verteidigung weitere Zeugen zum Tagesablauf von Fabians Vater sowie Ermittlungen zu einem Fahrzeug, das dem auffälligen Pickup der Angeklagten ähneln soll. Die Staatsanwaltschaft stützt ihre Anklage auf eine umfangreiche Indizienkette aus Handydaten, Foto- und Videoaufnahmen sowie Zeugenaussagen.
Auch in den News:
Schwester und Angeklagte geraten aneinander
Nach der vierwöchigen Prozesspause gewährte die Aussage der jüngeren Schwester auch Einblicke in das Leben der Angeklagten. Diese verfolgte die Aussage sichtbar skeptisch, schüttelte mehrfach den Kopf und geriet einmal verbal mit ihrer Schwester aneinander. "Hast du einen Dachschaden oder was?", rief sie ihr zu.
Zuvor hatte die Schwester ausgesagt, die Angeklagte habe schon während ihrer später abgebrochenen Ausbildung nach Wegen gesucht, nicht arbeiten zu müssen. Wegen einer Persönlichkeitsstörung mit Borderline-Symptomen bezieht sie seit Jahren eine Erwerbsunfähigkeitsrente. Richter Holger Schütt ermahnte beide Frauen nach dem Wortwechsel.
Angeklagte kündigt Aussage an
Die jüngere Schwester, zu der nach eigenen Angaben seit längerem kein Kontakt mehr besteht, beschrieb die Angeklagte als liebevoll, aber auch schnell aufbrausend. Sie habe sich mit Lügen Aufmerksamkeit verschafft und sei in der Schulzeit eher eine Außenseiterin gewesen. Beim Verlassen des Gerichtssaals würdigten sich die Schwestern keines Blickes.
Der Prozess wird am 24. August fortgesetzt. Dann will sich die Angeklagte erstmals selbst äußern. Ihre Einlassung werde "bestimmt etwas umfangreicher", kündigte Verteidiger Thomas Löcker an. Auf Nachfragen werde sie voraussichtlich kaum eingehen.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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