Geld gegen Sabotage
Ukraine: Russland wirbt offenbar Minderjährige über Telegram für Anschläge an
Veröffentlicht:
von Benedikt Rammer:newstime
Schulstart in der Ukraine unter Luftalarm
Videoclip • 31 Sek • Ab 12
Russische Auftraggeber sollen ukrainische Jugendliche über Telegram mit Geld für Brandstiftungen und Sabotage angeworben haben. Viele der Betroffenen kamen aus armen Familien und sitzen nun in Jugendhaftanstalten.
Das Wichtigste in Kürze
Ukrainische Jugendliche sollen über Telegram mit Geld für Sabotage und Brandstiftungen angeworben worden sein.
Viele Betroffene kamen aus finanziell schwierigen Verhältnissen und waren bei den Taten erst 15 oder 16 Jahre alt.
Russland weist die Vorwürfe zurück; die Jugendlichen sitzen teils in Haft und erhalten Unterstützung bei ihrer Rehabilitation.
In der Ukraine sitzen Minderjährige im Gefängnis, weil sie im Auftrag russischer Kontaktpersonen Sabotageakte begangen haben sollen. Die Anwerbung lief nach Berichten der "Washington Post" häufig über Telegram. Versprochen wurde "leicht verdientes Geld" – für Brandstiftungen, Graffiti oder den Umgang mit Sprengsätzen.
Einer der Betroffenen ist Yaroslav Suzanskyi. Er war 16 Jahre alt, als er auf Telegram ein Angebot für rund 165 US-Dollar annahm. Seine Aufgabe: Er sollte einen Signalschaltkasten an einer Bahnstrecke in Brand setzen. Später wurde ihm ein deutlich höherer Betrag für einen Auftrag mit einem Sprengsatz angeboten. Ukrainische Geheimdienstmitarbeiter:innen stoppten ihn, bevor er die Tat ausführen konnte.
Jugendliche aus schwierigen Verhältnissen
Suzanskyi erklärte, seine Familie habe während des Krieges finanzielle Probleme bekommen. Sein Vater und sein Stiefvater seien eingezogen worden, während seine Mutter für drei Kinder sorgen musste. Wegen eines bürokratischen Fehlers habe die Familie zudem staatliche Zahlungen verloren.
Im Dezember 2024 habe er nur noch umgerechnet etwa fünf US-Dollar besessen. "Ich brauchte das Geld", sagte er nach Angaben der "Washington Post". Inzwischen ist Suzanskyi 18 Jahre alt und muss noch mehrere Jahre Haft verbüßen.
Nach Angaben des ukrainischen Justizministeriums sitzen landesweit 13 Minderjährige wegen Fällen mit Russlandbezug in Haft. Mehr als 300 Jugendliche seien wegen ähnlicher Vorwürfe festgenommen worden. Einige erhielten Bewährungsstrafen, gegen andere wird noch ermittelt.
Auch in den News:
Sprengsätze vor Polizeiwachen
Auch der damals 15-jährige Vikentii wurde über Telegram angeworben. Er sollte zunächst andere Jugendliche für Aufträge gewinnen. Später legte er einen Sprengsatz in einem Mülleimer vor einer Polizeiwache in Charkiw ab. Verletzt wurde dabei niemand.
"Als ich die Bombe zur Explosion brachte, wurde mir klar, dass ich etwas wirklich Schlimmes getan hatte", sagte Vikentii laut der "Washington Post". Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt. Der Jugendliche, der ihn angeworben hatte, erhielt vier Jahre.
Behörden warnen vor Ausbeutung
Der stellvertretende ukrainische Justizminister Yevhen Pikalov sieht bei den Jugendlichen vor allem finanzielle Not als Motivation. "Sie haben es nicht getan, weil sie Russland lieben. 500 Dollar auf Telegram – das war alles", sagte er.
Ein Bericht des UN-Menschenrechtsbüros stellte zugleich glaubwürdige Vorwürfe fest, wonach Russland ukrainische Kinder für Überwachung, Informationsweitergabe und Sabotage eingesetzt habe. Russland weist diese Vorwürfe zurück und beschuldigt seinerseits ukrainische Geheimdienste, russische Minderjährige anzuwerben.
In einer Jugendstrafkolonie in Kremenchuk erhalten die Jugendlichen Unterstützung bei Ausbildung und Rehabilitation. Persönliche Mobiltelefone und soziale Medien sind dort nicht erlaubt. Nach ihrer Haft hoffen einige auf einen Neuanfang. Für viele bleibt jedoch die Sorge, wie sich ihre Familien und ihre Heimat während des Krieges entwickeln werden.
Verwendete Quellen:
Washington Post: "Russia recruited Ukrainian children to carry out attacks. They were imprisoned"
:newstime verpasst? Hier aktuelle Folge ansehen
Mehr entdecken

Winterzeit rückt näher
Eine Stunde zurück: Dann startet 2026 die Winterzeit

Werden Mitarbeiter:innen ersetzt?
Fachkräftemangel bei Trigema: Jetzt sollen Roboter aushelfen

Tourismus
Weniger Deutsche am Gardasee: Was hinter dem Rückgang stecken könnte

Softdrink-Handel
Coca-Cola wird teurer – Supermarkt blockiert das komplette Sortiment

Das gilt
Wann müssen Winterreifen drauf? Diese Regel solltest du kennen

:newstime-Interview
KI-Katastrophe im Anmarsch? Professorin warnt vor "Armee aus Gedanken"

