Umfrage
Klare Mehrheit: Deutsche arbeiten nicht zu wenig
Veröffentlicht:
von Damian Rausch:newstime
Arbeitszeit-Debatte trifft auf breite Ablehnung
Videoclip • 01:22 Min • Ab 12
Von Arbeitszeit bis Weltpolitik – die Deutschen zeigen sich in aktuellen Umfragen kritisch: gegenüber Regierung, Reformfähigkeit und globalen Risiken. Das Vertrauen ist gering, die Skepsis groß.
Das Wichtigste in Kürze
75 Prozent der Bundesbürger:innen weisen den Vorwurf zurück, zu wenig zu arbeiten
Eine große Mehrheit im ZDF-"Politbarometer" sieht die Sozialversicherungen in ernster Schieflage
Bei der Sonntagsfrage liegen CDU/CSU liegt vorn, Schwarz-Rot hätte aber weiter keine Mehrheit.
Auslöser für die aktuelle Diskussion war unter anderem CDU-Chef Friedrich Merz. Er hatte sich zuletzt kritisch zu Entwicklungen wie der Vier-Tage-Woche und dem Wunsch nach mehr "Work-Life-Balance" geäußert. Drei Viertel der Deutschen finden die Kritik unbegründet, sie würden zu wenig arbeiten. Das zeigt eine aktuelle Umfrage des ZDF-"Politbarometers" vom Freitag (6. Februar). Nur 20 Prozent halten diesen Vorwurf für gerechtfertigt – selbst unter Anhängern der CDU/CSU teilt ihn nur etwa die Hälfte.
Wirtschaftswachstum ja – aber nur unter besseren Bedingungen
Trotzdem sehen 48 Prozent der Befragten einen Zusammenhang zwischen Mehrarbeit und Wirtschaftswachstum. Vor allem ältere Menschen ab 60 Jahren befürworten zusätzliche Arbeitsstunden (61 Prozent), während Jüngere dies deutlich seltener tun. Weitgehende Einigkeit besteht bei den Bedingungen: 89 Prozent finden, dass bessere wirtschaftliche und politische Rahmenbedingungen notwendig wären, damit überhaupt mehr gearbeitet werden kann.
Sozialstaat: Mehrheit für "viel Leistung gegen hohe Steuern"
Beim Thema Sozialstaat sprechen sich 60 Prozent der Deutschen für ein Modell mit hohen Steuern und dafür umfangreichen Sozialleistungen aus. Lediglich 27 Prozent bevorzugen niedrige Steuern bei reduziertem Leistungsumfang – vor allem AfD-Anhänger:innen. Den Zustand der Sozialversicherungen beurteilt eine klare Mehrheit kritisch: 57 Prozent sehen größere Probleme, 31 Prozent sprechen sogar von einem drohenden Zusammenbruch. Nur neun Prozent glauben, das System sei weitgehend in Ordnung. Zur Finanzierung bevorzugen 58 Prozent höhere staatliche Zuschüsse. Leistungskürzungen (15 Prozent) oder Beitragserhöhungen (6 Prozent) stoßen auf geringe Zustimmung.
Geringes Vertrauen in Regierungslösungen
Gleichzeitig ist das Vertrauen in die Bundesregierung gering: Nur 25 Prozent trauen der schwarz-roten Koalition zu, die Probleme bei den Sozialversicherungen zu lösen. 73 Prozent äußern Zweifel – auch unter Anhängern von CDU/CSU und SPD. In der Sonntagsfrage bleibt die CDU/CSU mit 26 Prozent stärkste Kraft. Die AfD verliert leicht und kommt auf 24 Prozent. Die SPD stagniert bei 15 Prozent, die Grünen verbessern sich auf 13 Prozent. Die Linke bleibt bei zehn Prozent. Eine parlamentarische Mehrheit hätte die aktuelle Koalition weiterhin nicht.
Pistorius bleibt beliebtester Politiker
In der Bewertung führender Politiker bleibt Verteidigungsminister Boris Pistorius mit einem Durchschnittswert von +2,0 deutlich vorn. Deutlich schlechter schneiden unter anderem Markus Söder (–0,9) und Alice Weidel (–2,6) ab – letzteres ist der niedrigste Wert im Ranking.
Misstrauen gegenüber Russland und den USA
Außenpolitisch herrscht große Skepsis gegenüber Russland: 80 Prozent glauben nicht, dass Präsident Putin ernsthaft an einer Waffenruhe in der Ukraine interessiert ist. 91 Prozent rechnen kurzfristig nicht mit einem dauerhaften Waffenstillstand. 45 Prozent erwarten, dass Russland möglicherweise auch NATO-Staaten angreifen könnte, 50 Prozent glauben das nicht.
Auch gegenüber einem möglichen militärischen Eingreifen der USA im Iran ist die Mehrheit kritisch: 61 Prozent lehnen ein solches Vorgehen ab. 73 Prozent befürchten, dass ein solcher Schritt den Konflikt in der Region weiter ausweiten würde.
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