Polit-Talk nach Gipfel

"Infantino der NATO": Lanz verurteilt Trump-Kurs von NATO-Chef Mark Rutte

Veröffentlicht:

von Natascha Wittmann

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Trump unzufrieden: NATO-Partner unter Druck

Videoclip • 01:53 Min • Ab 12


Bei "Markus Lanz" ging es am Mittwoch um den NATO-Gipfel in Ankara und die Frage, wie Europa mit Donald Trump umgehen soll. Dabei nahm Lanz NATO-Generalsekretär Mark Rutte wegen dessen auffällig freundlichem Kurs gegenüber dem US-Präsidenten ins Visier.

Der NATO-Gipfel in Ankara wurde zum nächsten Stresstest im Verhältnis zwischen Europa und den USA. Donald Trump ließ vor Ort durchblicken, wie unzufrieden er mit der aus seiner Sicht zu geringen Unterstützung europäischer Partner im Krieg gegen den Iran ist. Parallel zum Treffen verstärkten die USA ihre Angriffe auf den Iran. Außerdem nahm Trump Spanien ins Visier und spekulierte erneut über eine Annexion Grönlands.

Bei "Markus Lanz" diskutierte die Runde am Mittwochabend (8. Juli), wie Europa auf diesen Kurs reagieren sollte. Sicherheitsexperte Nico Lange beschrieb den Gipfel als Veranstaltung mit klarer Priorität: Das Verhältnis zu Trump dürfe nicht kippen "Der NATO-Gipfel ist ja kein ehrliches Gespräch, sondern es geht darum, Trump bei Laune zu halten. (...) Das ist ja auch in unserem Interesse, dass das passiert." Gleichzeitig warnte Lange, Europa müsse sich unabhängiger machen und klären, wie es "Verteidigung und Abschreckung" künftig selbst finanzieren will, "weil wir uns nicht auf die Amerikaner verlassen können".

Lanz blickte anschließend auf NATO-Generalsekretär Mark Rutte, der Trump zuletzt sehr freundlich begegnet war. Der Moderator stichelte: "Wie viel ist Selbstachtung eigentlich wert?" USA-Expertin Annett Meiritz antwortete: "In Zeiten von Trump müsste sie eigentlich alles wert sein. (...) Aber das ist dieser Spagat der Diplomatie, den wir jetzt seit nunmehr als neun Jahren fahren."


USA-Expertin springt nach harter Lanz-Kritik für Mark Rutte in die Bresche

Entscheidend sei laut der USA-Expertin jedoch, "den Draht zu den Amerikanern nicht abreißen zu lassen". Meiritz betonte dabei, dass die Strategie immer häufiger an ihre Grenzen stoße, denn: "Dieses Beweihräuchern, dieses Lösungen anbieten, Geld anbieten, (...) das funktioniert immer weniger, wenn die andere Seite nicht mitspielt." Lanz spitzte es zu und nannte Rutte den "Infantino der NATO".

Meiritz widersprach zwar nicht komplett, setzte aber einen anderen Akzent: "Mark Rutte ist ja derjenige, der immer und immer wieder dafür sorgt, dass die Dinge am Ende nicht komplett eskalieren." Aus europäischer Sicht sei Rutte oft "der Draht zu Trump, mit dem er sich versteht und der sozusagen das Schlimmste abwenden kann".

Roderich Kiesewetter über Donald Trump: "Er veralbert uns"

Trotzdem wurde in der Runde deutlich: Das Gefühl, abhängig zu sein, bleibt. CDU-Politiker Roderich Kiesewetter sagte, er sei in "großer Sorge". Er stellte die Frage, die über allem hängt: "Sind wir Europäer Spielball?" In Bezug auf Trumps teils harsche Wortwahl in Ankara blieb Annett Meiritz blieb dennoch nüchtern: "Es sollte uns eigentlich schocken, (...) aber in Wahrheit ist es doch so, dass Trump nicht nur in der Weltpolitik, im Kriege führen, sondern auch in der Rhetorik die Maßstäbe so verschoben hat, dass wir doch eigentlich nichts anderes mehr von ihm erwarten."

Kiesewetter zog am Ende der Sendung trotzdem ein hartes Fazit und sagte: "Was Trump macht, ist doch die Verulkung der regelbasierten Ordnung. Er veralbert uns." Die klare Forderung des CDU-Politikers lautete, Europa müsse enger mit Kanada zusammenarbeiten und die Abhängigkeit von Washington reduzieren. "Wir müssen auch eine gewisse Risiko-Minimierung mit den USA betreiben, um unsere eigene Sicherheit von diesen Verulkungen unabhängiger zu machen", konstatierte Kiesewetter mit strengem Blick. Lanz entgegnete konsterniert: "Das ist doch verrückt!"

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