Viele Ungereimtheiten
Pathologe zweifelt an Suizid als Jeffrey Epsteins Todesursache
Veröffentlicht:
von Momir TakacIn einer vom US-Justizministerium herausgegebenen Fassung war Jeffrey Epsteins Todesursache ursprünglich "ungeklärt".
Bild: picture alliance / Hans Lucas
Wie starb Jeffrey Epstein wirklich? Ein mit dem Fall vertrauter Gerichtsmediziner hat erhebliche Zweifel, dass sich der Sexualstraftäter selbst erhängte.
Das Wichtigste in Kürze
Jeffrey Epstein wurde 2019 leblos in seiner Gefängniszelle aufgefunden.
Die offizielle Todesursache lautet Suizid durch Erhängen.
Ein Pathologe, der mit dem Fall vertraut ist, äußert starke Zweifel.
Während immer neue Enthüllungen um Jeffrey Epstein ans Licht kommen, hat ein Pathologe starke Zweifel an der Todesursache des verurteilten Sexualstraftäters geäußert. Dr. Michael Baden führte die Obduktion damals zwar nicht selbst durch, sei aber als Beobachter anwesend gewesen, sagte im Interview mit "The Telegraph".
Pathologe fordert Neuntersuchung von Jeffrey Epsteins Tod
Epstein war 2019 in seiner Gefängniszelle tot aufgefunden worden. Die offizielle Todesursache lautet: Selbstmord durch Erhängen. Doch Baden ist anderer Meinung. Er forderte in der britischen Tageszeitung, dass Epsteins Tod neu untersucht werden muss. "Meiner Meinung nach wurde sein Tod höchstwahrscheinlich durch Strangulation und nicht durch Erhängen verursacht", sagte der Pathologe, der von Epsteins Nachlassverwaltung beauftragt wurde.
Angesichts der vorliegenden Informationen seien weitere Untersuchungen gerechtfertigt, erklärte er weiter. Er sei sich damals mit dem Gerichtsmediziner einig gewesen, dass "weitere Informationen benötigt wurden, um die Todesursache und die Todesumstände zu ermitteln".
Dr. Baden stellt Todesursache von Epstein stark infrage
Im Dezember gab das US-Justizministerium im Rahmen der ersten Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Akten
eine redigierte Fassung des Obduktionsberichts heraus. Darin ist eine "ungeklärte" Todesursache vermerkt. Baden behauptete jetzt, dass die damalige leitende Gerichtsmedizinerin von New York, Dr. Barbara Sampson, fünf Tage nach Veröffentlichung von Epsteins Sterbeurkunde die Todesursache auf Selbstmord durch Erhängen änderte. Laut Baden soll sie bei der Autopsie nicht einmal dabei gewesen sein. Auch ein in den Akten falsch eingetragener Todestag Epsteins wirft Fragen auf.
Baden wundere sich auch, dass die endgültige Diagnose so schnell gestellt wurde. Bei ungewöhnlichen oder verdächtigen Fällen dauere dies normalerweise Wochen oder Monate. Auch spräche der Autopsiebefund "viel eher für eine Quetschverletzung durch Fremdeinwirkung", argumentierte er.
Verletzungen passen nicht zu Epsteins Suizid durch Erhängen
Noch etwas gebe ihm zu Bedenken. In 50 Jahren als Gutachter von Obduktionsberichten zu Todesfällen von Häftlingen in allen staatlichen und lokalen Gefängnissen des Bundesstaates New York habe er nie einen Fall von Suizid durch Erhängen gehabt, bei dem drei Halswirbel gebrochen waren. "Schon bei einer einzigen Fraktur müssen wir die Möglichkeit eines Tötungsdelikts untersuchen. Zwei Frakturen erfordern definitiv eine umfassende Untersuchung", sagte er "The Telegraph".
Auch die in Epsteins Zelle gefundene Schlinge passe nicht zu den Verletzungen. Dies habe Baden bereits 2019 bei der Obduktion angemerkt. "Sie war nicht glatt wie das Laken, die Spuren [an Epsteins Hals] hätten ein anderes Material erfordert", so der Pathologe. Wie blank die Nerven liegen, zeigte zuletzt Donald Trump, dem auch eine Nähe zu Epstein nachgesagt wird. Der US-Präsident beschimpfte eine Reporterin, als sie eine Frage zum Skandal stellte.
Verwendete Quellen:
telegraph.co.uk: I witnessed Epstein’s post mortem. His death must be reinvestigated
bild.de: Epstein hat sich nicht selbst umgebracht!
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