Von London bis Oslo
Epstein-Skandal erschüttert die Eliten Europas: Wen die Files jetzt schwer belasten
Aktualisiert:
von Emre Bölükbasi:newstime
Epstein-Skandal: Kommt es zur Anklage?
Videoclip • 14:23 Min • Ab 12
Eine beispiellose Enthüllungswelle zieht immer weitere Kreise – von Minister:innen bis Royals. Wie der Pädokriminelle Epstein sein Netzwerk in höchste Kreise spannte und nun Regierungen sowie Königshäuser ins Wanken bringt.
Das Wichtigste in Kürze
Neu veröffentlichte Akten belasten europäische Top-Politiker:innen, Royals und Diplomat:innen – von Großbritannien bis Norwegen.
Es gibt Ermittlungen gegen britische Botschafter:innen, norwegische Ex-Minister:innen und französische Kultureliten wegen Korruption und Geldwäsche.
EU-Behörden sollen systematisch prüfen, ob Epsteins europäisches Netzwerk in Missbrauch verwickelt war.
Die veröffentlichten Akten im Fall des Sexualstraftäters Jeffrey Epstein haben eine politische Schockwelle ausgelöst, die von London bis Oslo reicht. Immer mehr hochrangige Persönlichkeiten geraten in Erklärungsnot – vom britischen Ex-Botschafter bis zur norwegischen Kronprinzessin.
Britischer Ex-Botschafter Peter Mandelson im Zentrum des Skandals
Den britischen Premierminister Keir Starmer hätten die jüngst ans Licht gekommenen Epstein-Akten fast seinen Job gekostet, obwohl er selbst nicht mit dem Pädokriminellen in Verbindung gebracht wird. Sehr wohl aber sein früherer Botschafter in den USA, Peter Mandelson. Dessen enge Kontakte zu dem verurteilten Sexualstraftäter lösten eine schwere Regierungskrise in Großbritannien aus, mehrere Vertraute des Premiers traten in kurzer Folge zurück.
Starmer hatte Mandelson erst vor gut einem Jahr zum Botschafter in den USA ernannt. Kritiker:innen zweifeln nun an seinem Urteilsvermögen, da er nach eigener Aussage von Mandelsons Kontakt zu Epstein wusste, wenn auch nicht im Detail. Die britische Polizei ermittelt gegen den 72-jährigen Mandelson, nachdem E-Mail-Verläufe nahelegen, dass er während der Finanzkrise sensible Informationen an Epstein weitergegeben hat.
Die Ermittlungen werden von der Polizei als "komplex" bezeichnet und erfordern "umfangreiche weitere Beweiserhebung und -analyse". An zwei Adressen wurden bereits Durchsuchungen durchgeführt.
Royals im Epstein-Sog
Als wäre eine Regierungskrise noch nicht genug, zieht der Epstein-Skandal auch die britischen Royals immer mehr in seinen Sog. Nachdem die Epstein-Akten neue Vorwürfe gegen den in Ungnade gefallenen Ex-Prinz Andrew ans Licht gebracht hatten, kündigte König Charles III. an, die Polizei bei etwaigen Ermittlungen gegen seinen jüngeren Bruder zu unterstützen.
Die veröffentlichten E-Mail-Verläufe legen die Echtheit eines berüchtigten Fotos vom früheren Prinzen Andrew und Epstein-Opfer Virginia Giuffre nahe. Die inzwischen verstorbene Giuffre hatte Andrew vorgeworfen, sie mehrmals missbraucht zu haben, unter anderem 2001 in London, als sie noch minderjährig war.
Weitere E-Mails zeigen, dass Andrew den Sexualstraftäter gemeinsam mit einer Frau aus Rumänien zum Abendessen in den Buckingham Palast eingeladen haben soll. Die Einladung wurde offenbar im September 2010 ausgesprochen – zu einem Zeitpunkt, als Epstein bereits als verurteilter Sexualstraftäter bekannt war.
US-Handelsminister in Bedrängnis
Widersprüchliche Aussagen bringen auch den US-Handelsminister Howard Lutnick in Bedrängnis. Lutnick hatte im vergangenen Jahr angegeben, 2005 den Kontakt zu Epstein abgebrochen zu haben. Bei einer Anhörung im US-Kongress legte er nun dagegen mehrere Treffen mit Epstein offen, unter anderem einen Besuch mit seiner Familie auf Epsteins Privatinsel im Jahr 2012.
Der republikanische Kongressabgeordnete Thomas Massie warf Lutnick vor, bewusst gelogen zu haben. Vor einem Senatsausschuss sagte der Minister, es gebe etwa zehn E-Mails, die ihn mit Epstein in Verbindung brächten. Die beiden hätten sich innerhalb von 14 Jahren nur wenige Male getroffen.
Norwegische Politik und Königshaus erschüttert
In Norwegen musste die Botschafterin Mona Juul ihr Amt aufgeben. Sie und ihr Mann Terje Rød-Larsen müssen sich Ermittlungen wegen des Verdachts auf schwere Korruption stellen. Der frühere Top-Diplomat Rød-Larsen soll ein "persönliches finanzielles Verhältnis" zu Epstein gehabt haben. Die beiden Kinder des Paars sollen im Testament des US-Amerikaners mit jeweils fünf Millionen Dollar bedacht worden sein.
Ähnlichen Ermittlungen muss sich Thorbjørn Jagland stellen, der nicht nur schon mal an der Spitze der norwegischen Regierung stand, sondern in seiner langen Karriere auch Generalsekretär des Europarates und Chef des norwegischen Nobelkomitees war.
Besonders brisant: Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit soll ein vertrautes Verhältnis zu Epstein gehabt haben. Das legen Mails nahe, die die beiden sich über Jahre geschrieben haben sollen. Darin verabredeten sie sich und tauschten sich zu Ernährung, Musik und Epsteins "Frauenjagd" aus. 2013 machte sie Urlaub in Epsteins Haus in Palm Beach. Viele Norweger:innen fragen sich nun: Kann Mette-Marit überhaupt noch Königin werden?
Frankreichs Ex-Kulturminister unter Verdacht
Verdacht auf Geldwäsche und schweren Steuerbetrug: Die Vorwürfe gegen den früheren französischen Kulturminister Jack Lang und seine Tochter Caroline wiegen schwer. Im Zuge der Epstein-Enthüllungen leitete Frankreichs Finanzstaatsanwaltschaft Vorermittlungen gegen die beiden ein.
Dabei soll es um eine von Epstein gegründete Gesellschaft mit Sitz in einem Steuerparadies gehen, an der Caroline Lang die Hälfte der Anteile gehalten haben soll. Die Vorwürfe weist Jack Lang zurück, seine enge Beziehung zu Epstein sei von "Naivität" geprägt gewesen. Unter Druck trat er am vergangenen Samstag (7. Februar) von seinem Posten als Präsident des Pariser Kulturinstituts "Institut du monde arabe" zurück.
Rufe nach europäischer Aufarbeitung werden lauter
Zur Aufklärung des Epstein-Skandals sollen nach Ansicht von Europaabgeordneten auch EU-Behörden beitragen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Sicherheit und Verteidigung im Europäischen Parlament, Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP), sagte dem "Handelsblatt": "Europäische Institutionen wie Europol und die zuständigen EU-Geldwäschebehörden sollten vorhandene Erkenntnisse umgehend und systematisch auswerten und, wo erforderlich, eng mit internationalen Partnern zusammenarbeiten."
Auch das Bündnis Sahra Wagenknecht fordert eine Untersuchung durch das Europaparlament. "Es gilt zu klären, ob die europäischen Kontakte von Epstein um dessen Menschenhandel und Missbrauch wussten", sagte der BSW-Europaabgeordnete und Parteivorsitzende Fabio De Masi.
Die Verstrickungen reichen weit
Der 2019 gestorbene US-Multimillionär Jeffrey Epstein hatte jahrelang einen Missbrauchsring betrieben, dem Dutzende junge Frauen und Mädchen zum Opfer fielen. Zugleich unterhielt er enge Kontakte zu höchsten Kreisen in Politik, Wirtschaft und Wissenschaft.
Die nun veröffentlichten Millionen von Dokumenten werfen ein grelles Licht auf das Netzwerk, das Epstein weltweit geknüpft hatte – und ziehen immer mehr einflussreiche Persönlichkeiten in seinen dunklen Sog.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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