Nach Grönland-Streit

NATO-Einsatz in der Arktis gestartet: Signal an Putin, Xi – und Trump

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von Christopher Schmitt

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NATO-Mission für Grönland vorgeschlagen (22. Januar)

Videoclip • 31 Sek • Ab 12


Die NATO reagiert auf den von Donald Trump losgetretenen Grönland-Konflikt: Das Bündnis baut seine Arktis-Präsenz aus – auch, um Russland und China abzuschrecken.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der NATO-Einsatz "Arctic Sentry" – "Wächter der Arktis" – hat begonnen.

  • Der Streit zwischen den USA sowie europäischen NATO-Staaten soll hiermit entschärft werden.

  • Ziel ist eine verbesserte Überwachung Grönlands sowie die Großmächte Russland und China abzuschrecken.

Die NATO hat einen neuen Einsatz namens "Arctic Sentry" gestartet, um ihre militärische Präsenz in der Arktis zu erhöhen und zur Entschärfung des von US-Präsident Donald Trump angezettelten Grönland-Konflikts beizutragen.

Wie NATO-Oberbefehlshaber Alexus G. Grynkewich ankündigte, soll mit dieser Maßnahme eines der strategisch bedeutendsten und zugleich klimatisch herausforderndsten Gebiete abgesichert werden.

Was die NATO mit dem Einsatz erreichen will

Mit dem Einsatz "Arctic Sentry" ("Wächter der Arktis") verfolgt die NATO mehrere strategische Ziele:

  • Verbesserte Überwachung der riesigen Eisinsel Grönland

  • Abschreckung der Großmächte Russland und China

  • Entschärfung des Grönland-Konflikts mit den USA

Die verstärkte Bündnispräsenz im hohen Norden wurde von Alliierten wie Großbritannien angeregt, um den Streit um Grönland zu entschärfen, in dem US-Präsident Donald Trump zeitweise mit Strafzolldrohungen einen Verkauf der Insel an sein Land erzwingen wollte.

Deutsche Beteiligung

Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hatte bereits im Januar signalisiert, dass Deutschland Kapazitäten für den Einsatz stellen würde. Die Bundeswehr plant, sich mit Eurofightern sowie Transportflugzeugen vom Typ A400M zu beteiligen. Ein Sprecher des deutschen Verteidigungsministeriums betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Deutschland wird sich hier einbringen. Das ist ganz klar."

Trumps Grönland-Deal nach Davos

Der Grönland-Konflikt wurde von US-Präsident Donald Trump angezettelt, der den Verkauf der riesigen Insel an die USA erzwingen wollte. Er begründete sein Vorgehen mit der Behauptung, dass das zu Dänemark gehörende Territorium sonst nicht vor Russland und China sicher sei.

Grönland ist zu vier Fünfteln mit Eis bedeckt, sechsmal so groß wie Deutschland, hat aber nur knapp 57.000 Einwohner:innen. Die Insel ist unter anderem wegen ihres Rohstoffreichtums und als Basis für die militärische Kontrolle der Arktis strategisch interessant.

Zuletzt teilte Trump nach einem Treffen mit NATO-Generalsekretär Mark Rutte beim Weltwirtschaftsforum in Davos mit, dass ein Rahmen für eine zukünftige Vereinbarung über Grönland und die gesamte Arktis-Region entworfen worden sei. Dieser sieht vor, die Sicherheit in der Arktis durch das gemeinsame Handeln der Alliierten zu gewährleisten, insbesondere durch die sieben arktischen Alliierten USA, Kanada, Dänemark, Norwegen, Schweden, Finnland und Island.

Angaben aus NATO-Kreisen zufolge sollen die USA zudem ihre Militärpräsenz auf Grönland ausweiten dürfen und möglicherweise auch ein Mitentscheidungsrecht über bestimmte Investitionen auf der rohstoffreichen Arktisinsel bekommen.

Strategische Bedeutung der Arktis

In der NATO wird betont, dass der hohe Norden ein Tor zum Nordatlantik darstellt und wichtige Handels-, Transport- und Kommunikationsverbindungen zwischen Nordamerika und Europa beherbergt, die geschützt werden müssen. Der Kreml betrachtet die Arktis als zentral für seine Großmachtambitionen und hat seine militärischen Aktivitäten dort deutlich verstärkt, ein neues Arktis-Kommando eingerichtet sowie ehemalige sowjetische Militärstandorte in der Arktis wieder in Betrieb genommen – darunter Flugfelder und Tiefwasserhäfen.

Auch Chinas wachsendes Interesse am hohen Norden wird als besorgniserregend angesehen, da Peking versucht, Zugang zu Energie, kritischen Rohstoffen und zu See- und Kommunikationslinien zu erhalten.

Mehr britische Soldaten in Norwegen

Großbritannien kündigte am Mittwoch (11. Februar) an, die Zahl seiner in Norwegen stationierten Soldat:innen innerhalb von drei Jahren von aktuell rund 1.000 auf 2.000 verdoppeln zu wollen. Dies soll auch zur Abschreckung in der Region beitragen. Der britische Verteidigungsminister John Healey erklärte: "Die Anforderung an die Verteidigung steigen und Russland stellt die größte Bedrohung der Arktis und des hohen Nordens dar, die wir seit dem Kalten Krieg gesehen haben."

Führung und Organisation des Einsatzes

"Arctic Sentry" soll vom operativen NATO-Hauptquartier Norfolk im US-Bundesstaat Virginia geführt werden. Dieses ist unter anderem für den Atlantik, die Arktis, Grönland, Island, Norwegen und Großbritannien sowie seit Kurzem auch Dänemark, Schweden und Finnland zuständig.

Die NATO hatte zuletzt im vergangenen September einen ähnlichen Einsatz namens "Eastern Sentry" ("Wächter des Ostens") unter dem Eindruck von Luftraumverletzungen durch russische Kampfjets und Kamikaze-Drohnen gestartet. Dieser führte insbesondere zu einer Mobilisierung von zusätzlichen Überwachungs- und Flugabwehrkapazitäten.

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Der Drahtseilakt der NATO

Für die NATO ist der Grönland-Konflikt seit Monaten ein höchst brisantes Thema. Einerseits muss das Bündnis um seine Glaubwürdigkeit fürchten, wenn ein führendes Mitglied androht, sich notfalls durch wirtschaftlichen oder militärischen Zwang Gebiete eines anderen NATO-Staates einzuverleiben – vor allem auch mit Blick auf den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine und Chinas Ansprüche auf Taiwan.

Andererseits wäre es für die NATO ein Super-GAU, wenn die USA im Streit über ein solches Thema aus dem Bündnis austreten würden, weil die Abschreckung der NATO vor allem auf dem Atomwaffenarsenal und der Stärke der konventionellen Streitkräfte der USA beruht.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.

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