Geplatzter Deal
Europa erhöht den Druck auf Gianni Infantino – droht dem FIFA-Boss jetzt die Klage?
Veröffentlicht:
von Marie-Finn Bruker:newstime
Droht Infantino jetzt der WM-Boykott? (31. Juli)
Videoclip • 01:55 Min • Ab 12
Auf den geplatzten Milliardendeal folgt großer Vertrauensverlust: Immer mehr Nationalverbände wenden sich von Gianni Infantino ab. Droht dem FIFA-Boss nun sogar eine Klage der UEFA?
Das Wichtigste in Kürze
Infantinos Plan, 20 Prozent der kommerziellen FIFA-Rechte für rund 20 Milliarden Dollar zu verkaufen, ist an großem Widerstand gescheitert.
Nun droht der europäische Fußballverband mit einer Klage und fordert die Sicherung aller Beweismittel.
Auch der Rückhalt des FIFA-Chefs bröckelt: Erste Nationalverbände wie Wales und Serbien entziehen Infantino vor der geplanten Wiederwahl 2027 ihre Unterstützung.
Mit einem lauten Knall ist Gianni Infantinos Investorendeal verpufft. Der Plan des FIFA-Chefs, Anteile an den kommerziellen Rechten von Wettbewerben wie der Männer- und Frauen-WM an private Investoren zu verkaufen, scheiterte – vor allem angesichts des massiven Widerstands der Europäischen Fußball-Union (UEFA). Nach der Boykott-Drohung holt der Verband zum nächsten Schlag aus: Folgen jetzt rechtliche Schritte gegen den Weltverbandspräsidenten?
Auch in den News:
UEFA droht mit rechtlichen Konsequenzen
Die UEFA weitet den Druck auf den Spitzenfunktionär der FIFA aus. Das Ziel: Gianni Infantino soll aus seinem Amt verschwinden. In einem Schreiben erhebt der EU-Verband nun den schweren Verdacht, der Schweizer sowie Geschäftspartner:innen könnten Beweise vernichten wollen.
Dem "Telegraph" und der "Financial Times" zufolge forderte die Fußball-Union in einem Schreiben dazu auf, jegliches Material im Zusammenhang mit dem zurückgezogenen Investorenvorhaben nicht zu vernichten. "Sie und die FIFA sind verpflichtet, unverzüglich alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um sämtliche in diesem Schreiben bezeichneten Dokumente und elektronisch gespeicherten Informationen zu identifizieren, aufzufinden und zu sichern, die sich in Ihrem oder im Besitz, Gewahrsam oder unter der Kontrolle der FIFA befinden", heißt es nach den Angaben.
Weiter zitiert der "Telegraph" aus dem Schreiben: "Die UEFA teilt hiermit förmlich mit, dass sie aktiv die Einleitung rechtlicher Schritte, eines Schiedsverfahrens und/oder Beschwerden bei den zuständigen Aufsichtsbehörden (zusammen die 'Verfahren') prüft. Diese beziehen sich auf den von der FIFA vorgeschlagenen FFE-Plan sowie auf alle damit in Zusammenhang stehenden Angelegenheiten, die nachstehend näher erläutert werden."
Verbindung zu Joshua Kushner
Infantinos Plan war es, die Investitionen des Weltverbands umzukrempeln und Anteile der kommerziellen FIFA-Rechte an private Investor:innen zu verkaufen. Diese hätten rund 20 Prozent der Anteile an dem neu zu gründenden Tochterunternehmen FIFA Forward Enterprise (FFE) erwerben können, dessen Wert zunächst mit 20 Milliarden Dollar beziffert war.
Die FFE hätte die FIFA-Premium-Produkte der WM sowie der Club-WM gebündelt. Joshua Kushner als Technologieinvestor der Firma Thrive hätte eine Schlüsselrolle innerhalb des Infantino-Deals übernehmen sollen. Damit richtet sich die Mahnung der UEFA auch gegen den Unternehmer, dessen Bruder Jared mit der Tochter von US-Präsident Donald Trump, Ivanka, verheiratet ist. Auch Gianni Infantino selbst wird eine enge Beziehung zu Trump nachgesagt.
Der Deutschen Presse-Agentur (dpa) wurde bestätigt, dass ein Schreiben zur Sicherung von Beweismitteln versandt wurde.
EU-Verbände werfen Infantino "Versagen" vor
Eigentlich hätte Infantinos Kandidatur beim FIFA-Kongress des Weltverbands in Marokko 2027 dem Noch-Chef erneut die Krone aufsetzen sollen. Doch nun entziehen die ersten europäischen Nationalverbände dem Schweizer ihre Unterstützung.
Wales machte den ersten Schritt und sah öffentlich vom Beistand Infantinos einer möglichen Wiederwahl ab. "Die jüngsten Defizite in den Bereichen verantwortungsvolle Verbandsführung, Entscheidungsprozesse, Führung, Werte, Stakeholder-Management, Kommunikation und Urteilsvermögen haben dazu geführt, dass Herr Infantino das Vertrauen des FAW verloren hat, weiterhin an der Spitze des Weltfußballs zu stehen", zitierte Sky News in England den Walisischen Fußball-Verband FAW.
Dies habe man bereits der FIFA schriftlich mitgeteilt. "Das Wohl des Fußballs nicht an erste Stelle zu setzen, ist ein Versagen, das wir nicht akzeptieren können", heißt es weiter vom Co-Gastgeber der EM 2028 im Vereinigten Königreich und in Irland. Medienberichten zufolge will nun auch England mit einem entsprechenden Brief nachziehen.
Ähnlich sieht es in Serbien aus. In dem Schreiben des Verbands heißt es, man sei der Ansicht, dass es "in der gegenwärtigen Situation neues Vertrauen, einen neuen Ansatz und eine neue Führung" brauche, die dazu beitrage, "den Dialog, die Geschlossenheit und die Glaubwürdigkeit der internationalen Fußballinstitutionen wiederherzustellen".
Noch in der diesjährigen WM hätten über 200 Nationen der 211 FIFA-Mitgliedsverbände Gianni Infantino ihre Unterstützung in Marokko zugesichert. Deutschland gehörte damals nicht dazu.
Verwendete Quellen:
Nachrichtenagentur dpa
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