Protest gegen Infantino-Pläne

Wegen Investoren-Deal: UEFA beschließt Boykott von WM und allen FIFA-Turnieren

Veröffentlicht:

von Benedikt Rammer

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Widerstand gegen Infantino-Pläne wächst

Videoclip • 01:45 Min • Ab 12


Die nächste Fußball-WM könnte ohne Deutschland und europäische Top-Teams wie Frankreich und Spanien stattfinden. Für dieses absurde Szenario könnte der Machtkampf zwischen den Verbänden FIFA und UEFA sorgen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die UEFA hat den Boykott der nächsten WM und weiterer Turniere der FIFA beschlossen.

  • Dieses Horrorszenario für Millionen von Fußballfans würde eintreten, wenn die FIFA ihren geplanten Investorendeal in die Tat umsetzt.

  • FIFA-Boss Infantino hatte zuletzt bestätigt, dass man die Rechte an WM-Turnieren an private Investoren verkaufen und eine Tochtergesellschaft gründen will, die künftige Turniere organisieren soll.

Es ist ein Beben im internationalen Fußball: Die UEFA macht Ernst und hat eine ultimative Drohung an die FIFA und Präsident Gianni Infantino ausgesprochen. Sie lautet: Wenn ihr den Plan mit dem Investorendeal in die Tat umsetzt, werden wir die nächste WM und alle weiteren Wettbewerbe des Weltverbands zusammen boykottieren. Die Drohung gelte so lange, wie die FIFA ihre Pläne für den Verkauf kommerzieller Rechte nicht vollständig verwerfe.

Das gemeinsame Schreiben der europäischen Verbände unter Führung der UEFA und Präsident Aleksander Ceferin wurde von allen 55 Mitgliedern unterzeichnet.

"Europas Position ist eindeutig. Wir werden diesem Modell niemals unsere Legitimität verleihen. Niemand hat das moralische Recht, etwas zu verkaufen, das er lediglich treuhänderisch für die nächste Generation verwaltet", hieß es darin. Europas Dachverband stellt klar: Selbst wenn unter den 211 Mitgliedsstaaten eine Mehrheit für den Investorendeal votieren sollte, werde man diesen Beschluss nicht mittragen.

UEFA-Boykott könnte schon in diesem Herbst passieren

Nicht einmal zwei Wochen nach Ende der XXL-WM in Amerika gerät FIFA-Boss Infantino so stark unter Druck wie noch nie in seinen mehr als zehn Jahren Amtszeit. Denn: Eine Weltmeisterschaft ohne den amtierenden Titelträger Spanien und die weiteren Fußball-Großnationen wie Frankreich, Deutschland und England ist nicht vorstellbar und würde komplett den sportlichen Reiz verlieren.

Doch die UEFA baut die Drohkulisse nicht erst für die Endrunde 2030, die zu Teilen sogar in Spanien und Portugal ausgetragen werden soll, auf. Sondern für alle FIFA-Wettbewerbe, zum Beispiel auch die WM der Frauen im nächsten Sommer (24. Juni bis 25. Juli) in Brasilien. Und die Playoffs, die bereits in diesem Herbst steigen sollen. Die Drohung gilt ab sofort.

Auch in den News:

FIFA: Verbände sollen sich bis zum 19. September entscheiden

"Als Folge der heutigen Diskussion werden keine Nationalmannschaften aus der UEFA an einem FIFA-Wettbewerb teilnehmen, solange diese Vorschläge bestehen bleiben, es sei denn, dieser Vorschlag wird vollständig verworfen und es werden verbindliche Zusicherungen gegeben, dass die FIFA ihre Führung oder Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer öffnet", schrieb der europäische Dachverband zum offenen Bruch mit dem Weltverband.

Die FIFA hatte mitgeteilt, mit dem potenziellen Verkauf eines Teils ihrer kommerziellen Rechte etwa an der Weltmeisterschaft eine Milliardensumme einspielen zu wollen.

Laut übereinstimmenden Berichten setzte der Weltverband eine Frist für die Zustimmung und versprach im Gegenzug eine Sonderzahlung. Der Stichtag für die Zustimmung der Verbände soll demnach der 19. September sein. Doch für die UEFA hat dieser Termin keine Bedeutung, die eindeutige Ablehnung ist klar kommuniziert.

Infantino verteidigt Pläne – DFB-Boss winkt ab

Infantino hatte den geplanten Einstieg externer Geldgeber zuvor verteidigt. Dieser sei eine "einmalige Chance, die weltweite Entwicklung des Fußballs deutlich zu beschleunigen". Die UEFA sieht das komplett anders und hat deshalb von Anfang an massiven Widerstand angekündigt. Auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf und Vizepräsident Hans-Joachim Watzke positionierten sich eindeutig gegen den Plan.

Der Fußball lebe von der Akzeptanz der Gesellschaft, sagte Neuendorf dem ZDF. "Wir dürfen ihn nicht zum Spielball von Investoren machen. Die Akzeptanz der Fans dürfen wir nicht verlieren, aber wir sind auf dem besten Wege, diese Akzeptanz zunichte zu machen. Das halte ich für überaus problematisch und nicht zustimmungsfähig", so der DFB-Boss.

Auch Tschechien nun gegen FIFA-Pläne

Nicht nur die Idee an sich, sondern auch das Vorgehen der FIFA löste starke Irritationen aus. Am Dienstag wurden die Nationalverbände von dem neuen Plan komplett überrascht. "Es ist unverantwortlich und nicht zu rechtfertigen, dass ein so bedeutsamer Vorschlag für den Fußball im Geheimen ausgearbeitet und beinahe verabschiedet wurde, ohne die Verantwortlichen des Fußballs auch nur ansatzweise zu konsultieren", hieß es von der UEFA nun.

Dass die 55 europäischen Mitgliedsstaaten den Brief geschlossen unterzeichneten, ist bemerkenswert, weil sich der tschechische Verband am Vortag noch offen für den FIFA-Plan gezeigt hatte. "Es gibt Momente, in denen Institutionen nicht danach beurteilt werden, was sie zu akzeptieren bereit sind, sondern danach, wozu sie keine Kompromisse eingehen. Dies ist ein solcher Moment", schrieb die UEFA im Namen ihrer Mitglieder.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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