Hitzesommer mit Folgen

Dürre und Niedrigwasser am Rhein: Warum die komplette Schifffahrt zum Erliegen droht

Veröffentlicht:

von Marie-Finn Bruker

Sat.1 NRW

Niedrigwasser: "Zweiteilung" des Rheins droht

Videoclip • 02:31 Min


Der Pegel des Rheins ist im rheinlandpfälzischen Kaub drastisch gesunken und könnte erstmals einstellig werden. Damit droht Europas wichtigste Wasserstraße zum Erliegen zu kommen – mit massiven Folgen für Wirtschaft und Versorgung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Lage am Rheinengpass in Kaub spitzt sich weiter zu: Sinkt der Pegel weiter, droht der Schiffsfahrt das vollständige Aus.

  • Der erschwerte Schiffsverkehr stellt eine große Belastung für Unternehmen und Wirtschaft dar, von der sich Unternehmen teils nur schwer erholen könnten.

  • Naturschützer:innen sehen aufgrund des Niedrigwassers sogar ganze Flussökosysteme bedroht.

Die Niedrigwasserlage am Rhein verschärft sich dramatisch: Der Pegelstand in Kaub ist auf einen neuen historischen Tiefststand von 16 Zentimetern gesunken. Damit wurde der bisherige Rekordwert von 25 Zentimetern aus dem Oktober 2018 deutlich unterboten. Prognosen der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung deuten darauf hin, dass der Wasserstand in den kommenden Tagen erstmals seit Messbeginn in den einstelligen Bereich fallen könnte – mit fatalen Auswirkungen für Wirtschaft, Mensch und Natur.

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Alle Wege führen nach Kaub – warum?

Die rheinland-pfälzische Stadt zwischen Wiesbaden und Koblenz ist zum Brennpunkt der Krise geworden. Der Grund: Dieser Mittelrheinabschnitt bildet ein Nadelöhr für die gesamte Rheinschifffahrt. Die Fahrrinne ist hier schlechter ausgebaut als stromaufwärts und stromabwärts, und Schiffe können diesen Abschnitt nicht umfahren. Sie müssen sich also nach den dortigen Gegebenheiten richten. Die Industrie- und Handelskammern für Rheinhessen und Pfalz sehen in Kaub einen Engpass, der die Transportkapazitäten auf dem Rhein begrenzt.


16 Zentimeter Pegelstand - was bedeutet das?

Expert:innen sind alarmiert über den Zeitpunkt der Zuspitzung – dass die Situation bereits im August derart kritisch ist, gilt als außergewöhnlich. Eigentlich seien Spätsommer und Herbst typische Niedrigwasserzeiten, also dann, wenn ein Fluss einen Wasserstand erreicht, der deutlich unter dem durchschnittlichen Wert liegt. Doch bereits in den vergangenen Tagen wurden an vielen Rheinpegeln historische Tiefstwerte erreicht, wie etwa 16 Zentimeter in Kaub.

Das bedeutet allerdings nicht, dass der Rhein nur 16 Zentimeter tief ist. Der Wert wird von einem festgelegten Bezugspunkt, dem Pegelnullpunkt, gemessen. Bei einem Pegelstand wie dem in Kaub beträgt die Fahrrinnentiefe, der Bereich des Flusses, in dem der Schiffsverkehr normal möglich ist, gerade einmal 129 Zentimeter.

Schiffsverkehr droht vollständige Blockade

Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein stellt fest: Die meisten Schiffe können bei den herrschenden Wasserständen den Mittelrhein bereits nicht mehr befahren. Auch der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt warnt, dass die gewerbliche Schifffahrt bei derart niedrigen Wasserständen in der Region keinen Gütertransport mehr durchführen könne. Gleiches gelte für die Tagesausflugs- und Kreuzfahrtschifffahrt. Mit weiter fallenden Wasserständen werde der Schiffsverkehr entlang des Mittelrheins über kurz oder lang ganz zum Erliegen kommen.

Was das Niedrigwasser mit Ölpreisen zu tun hat

Der Rhein ist Europas wichtigste Wasserstraße und verbindet Industriegebiete in der Schweiz, Deutschland und anderen Ländern mit den großen Nordseehäfen wie Rotterdam. Besonders für Güter wie Erz, Öl, Chemieprodukte und Kohle sind die Wasserwege von zentraler Bedeutung. Hält das Niedrigwasser länger an, wird der Transport zunehmend schwieriger und teurer. Unternehmen müssen dann unter Umständen ihre Produktion drosseln. Eine aktuelle Studie der DZ Bank zeigt: Je länger die Einschränkungen dauern, desto schwieriger wird es, ausgefallene Produktion später nachzuholen.

Die Industrie- und Handelskammern berichten bereits von erheblichen Belastungen für Unternehmen in Rheinland-Pfalz und im Saarland. Besonders betroffen seien die Chemieindustrie, insbesondere BASF, die Energieversorgung, die Baustoffwirtschaft sowie Hafen- und Logistikunternehmen. Weil Schiffe wegen des Niedrigwassers weniger Ladung aufnehmen können, verteuern sich Transporte.


Die Krise hat auch andere Dimensionen: Die niedrigen Wasserstände legen alte Munition frei und bremsen die Personenschifffahrt und Rheinfähren. Die Fähre in Kaub hat ihren Betrieb bereits eingestellt. Naturschützer:innen sehen in den niedrigen Wasserständen ein Alarmsignal für ganze Flussökosysteme, etwa weil der Sauerstoffgehalt mit höheren Wassertemperaturen sinkt.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von Künstlicher Intelligenz (KI) erstellt und vor der Veröffentlichung von der Redaktion sorgfältig geprüft.


Verwendete Quellen:

Nachrichtenagentur dpa

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