Betrugsskandal um Geschäftsmann aus China

Chen Zhi in Kambodscha verhaftet: Der tiefe Fall eines Cybermilliardärs

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von Benedikt Rammer

Chen Zhi soll durch Betrug über 50 Milliarden Dollar verdient haben. Allein 15 Milliarden Dollar hielt er laut Berichten in Bitcoins.

Bild: Rick Bowmer/AP


Chen Zhi, einst einer der reichsten Männer der Welt, steht im Zentrum eines riesigen Betrugsskandals. Nun wurde er in Kambodscha verhaftet und an China ausgeliefert – mit schwerwiegenden Vorwürfen, die seine kriminellen Machenschaften offenlegen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Chen Zhi, einst Milliardär und Berater der kambodschanischen Regierung, wurde wegen Online-Betrugs an China ausgeliefert.

  • Rund 100.000 Menschen sollen in Kambodscha Opfer seiner Betrugslager gewesen sein.

  • ein Imperium generierte jährlich bis zu 12,5 Milliarden Dollar – fast die Hälfte des BIP von Kambodscha.

Chen Zhi, auch bekannt als Vincent Chen, war einst eine der schillerndsten Figuren der internationalen Geschäftswelt. Mit einem laut der "Frankfurter Allgemeinen" geschätzten Vermögen von über 50 Milliarden Euro und einem globalen Unternehmensimperium galt der 38-Jährige als einer der mächtigsten Berater:innen der kambodschanischen Regierung. Doch sein Aufstieg wurde von kriminellen Machenschaften überschattet, die ihn nun zu Fall brachten. Am Donnerstag (8. Januar) wurde Chen Zhi von Kambodscha an China ausgeliefert – ihm wird vorgeworfen, eine der größten Online-Betrugsoperationen der Geschichte geleitet zu haben.

Sein Vermögen, das unter anderem Villen in London, Yachten und ein Picasso-Gemälde umfasst, verdeckt eine dunkle Seite. Allein 15 Milliarden Dollar hielt er in Bitcoins, die im Oktober von den USA beschlagnahmt wurden – der höchste Betrag in der Geschichte des US-Justizministeriums. Doch hinter dem Bild eines seriösen Geschäftsmannes verbarg sich ein System aus Zwangsarbeit und Betrug, das zigtausende Menschen in sogenannten Betrugslagern gefangen hielt und um ihr Erspartes brachte.

Das Ausmaß des Skandals

Nach Angaben der Vereinten Nationen waren allein in Kambodscha rund 100.000 Menschen Opfer dieser Betrugslagern. Unter Chen Zhis Führung wurden chinesische Opfer gezielt mit falschen Investmentversprechen oder romantischen Avancen betrogen. Der Menschenhandel nahm laut US-Justizministerin Pamela Bondi "industrielle Ausmaße" an und brachte jährlich Erlöse von bis zu 12,5 Milliarden Dollar ein – etwa die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts Kambodschas.

Chen selbst bestritt die Vorwürfe laut der "Frankfurter Allgemeinen" vehement und präsentierte sich als Philanthrop und respektierter Unternehmer. Seine "Prince Holding Group" bezeichnete sich als eines der größten Konglomerate Kambodschas und warb mit nachhaltiger und ethischer Unternehmensführung. Doch hinter der Fassade offenbarte sich laut Ermittlungen ein Netzwerk aus Korruption und Gewalt.


Chens Imperium war "weit größer als alle Drogenkartelle weltweit"

Die Auslieferung Chens an China unterstreicht den wachsenden Einfluss Pekings in Südostasien. Laut Berichten liefen seit Jahren Ermittlungen gegen den Milliardär, der enge Verbindungen zu chinesischen Behörden und Geheimdiensten unterhalten haben soll. Der Investigativjournalist Jack Adamovic Davies beschreibt das Imperium Chens als "weit größer als alle Drogenkartelle weltweit". Zudem soll Chen Beamte bestochen und Hacker eingesetzt haben, um Dissidenten zu verfolgen.

Die Auswirkungen seiner Machenschaften sind auch international spürbar: In Kambodscha führte der Skandal zu einem Rückgang chinesischer Touristen, die Angst vor Entführungen und Betrugslagern haben. Die wirtschaftlichen Schäden und das politische Erdbeben werden noch lange nachwirken.

Chen Zhi, einst Symbol für Macht und Reichtum, ist nun eine zentrale Figur eines der größten Betrugsskandale Asiens. Die Ermittlungen gegen ihn werfen ein Schlaglicht auf die kriminellen Strukturen in Südostasien – und zeigen zugleich die komplexen politischen Verflechtungen zwischen Kambodscha und China. Ob seine Festnahme langfristig Auswirkungen auf das System haben wird, bleibt offen.


Verwendete Quellen:

Frankfurter Allgemeine: "Der tiefe Fall des Scam-Prinzen"

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