United Nations (UN)
Vereinte Nationen: Eine internationale Organisation zur Friedenssicherung
Aktualisiert:
von Franziska Hursach:newstime
Vereinte Nationen strafen Deutschland ab (3. Juni)
Videoclip • 03:11 Min • Ab 12
Die Vereinten Nationen vereinen 193 Länder in ihrem Kampf um Weltfrieden und Menschenrechte. Doch trotz ambitionierter Ziele wie den Sustainable Development Goals kämpft die Organisation mit finanziellen Herausforderungen, politischen Blockaden und schwerwiegenden Vorwürfen von innen heraus.
Das Wichtigste in Kürze
Die Vereinten Nationen sind ein Zusammenschluss von 193 Mitgliedsstaaten, die 1945 gegründet wurden, um Kriege zu verhindern und Menschenrechte zu schützen.
Die UN unterhalten weltweit elf Friedensmissionen mit etwa 50.000 Blauhelmsoldat:innen und leisten umfangreiche humanitäre Hilfe in Krisengebieten wie Afghanistan, der Ukraine und dem Jemen.
Die Organisation sieht sich jedoch massiver Kritik ausgesetzt – von politischen Blockaden im Sicherheitsrat über mangelnde Fortschritte bei den Nachhaltigkeitszielen bis hin zu Vorwürfen der sexuellen Ausbeutung durch UN-Personal.
Vereinte Nationen: Ein Zusammenschluss fast aller Staaten der Welt
Bei den Vereinten Nationen (Englisch: United Nations, kurz UN) handelt es sich um einen Zusammenschluss von mittlerweile 193 Ländern, deren Hauptaufgaben waren und sind: Verhinderung von Kriegen und Schutz der Menschenrechte. Die globale und internationale Vereinigung wird auch als Organisation der Vereinten Nationen oder UNO (kurz für United Nations Organization) bezeichnet.
Seit 1945 wirken die Vereinten Nationen als Motor für Fortschritt und Frieden.
Gründung der Vereinten Nationen – Grundstein für eine neue Weltordnung
Der Gründung der Vereinten Nationen ging ein langjähriger Prozess voraus. Bereits während des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1941 wurde die sogenannte Atlantik-Charta veröffentlicht. In dieser legten der britische Premierminister Winston Churchill und US-Präsident Franklin D. Roosevelt ihre gemeinsamen Vorstellungen einer internationalen Friedensordnung für die Nachkriegszeit dar. Schon damals war das Ziel der Atlantik-Charta, einen dauerhaften Weltfrieden und eine Zusammenarbeit aller Nationen zu ermöglichen.
1942 stimmten mehrere Länder, darunter die USA, Großbritannien, die Sowjetunion, China sowie weitere 22 Nationen, der Atlantik-Charta zu und verpflichteten sich zu deren Prinzipien. Die gemeinsame Erklärung der USA und Großbritanniens gilt als wichtiger Schritt auf dem Weg zu den Vereinten Nationen.
Mit dem Ziel, weitere Weltkriege zu verhindern, wurde die UN kurz nach dem Zweiten Weltkrieg (1939 - 1945) ins Leben gerufen. Vertreter:innen aus 50 Ländern versammelten sich vom 25. April bis zum 26. Juni 1945 auf einer Konferenz in San Francisco, Kalifornien. Die Kriegsgegner Deutschlands und Japans legten damit den diplomatischen Grundstein für eine neue Weltordnung und die Nachfolgeorganisation des Völkerbundes.
In den folgenden zwei Monaten entwarfen und unterzeichneten sie die sogenannte UN-Charta, die auf der Atlantik-Charta aufbaut. Sie wird auch "Erklärung der Vereinten Nationen" oder "Charta der Vereinten Nationen" genannt. In dieser wurden sowohl Ziele und Aufgaben als auch die Prinzipien der Vereinten Nationen festgelegt.
Polen folgte als 51. Gründungsmitglied Mitte Oktober. Offiziell umgesetzt wurde die Idee der Weltorganisation vier Monate nach dem Ende der Konferenz von San Francisco am 24. Oktober 1945 mit dem Inkrafttreten der UN-Charta. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR traten später, im Jahr 1973, bei.
Weitere Themen:
Ziele und Aufgaben der UN
In ihrem Kernbestand haben sich die Prinzipien der UN-Charta seit dem Jahr 1945 kaum verändert. Noch immer arbeitet die UN daran, den Weltfrieden und die internationale Sicherheit zu wahren sowie für Menschen in Not humanitäre Hilfe zu leisten.
Hauptziele
In der Erklärung der Vereinten Nationen wurden vier Hauptziele festgelegt:
Wahrung des internationalen Friedens und der Sicherheit
Entwicklung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Nationen
Internationale Zusammenarbeit und Förderung der Menschenrechte
Das Zentrum zu sein, in dem die Mitgliedstaaten gemeinsam an ihren Zielen arbeiten können.
Die UN unterhalten Friedensmissionen weltweit und werden von UN-Mitgliedsländern in Krisengebiete geschickt, um dort für Sicherheit und Frieden zu sorgen. Dafür setzt die Organisation Maßnahmen wie Aufbauhilfen und Vermittlungsaktivitäten ein. Sanktionen, Boykottmaßnahmen und militärische Einsätze sollen der Friedenserzwingung dienen.
Die militärischen Einheiten der UN werden umgangssprachlich auch "Blauhelme" oder "Blauhelm-Soldaten" genannt. Aktuell gibt es elf solcher Missionen mit insgesamt etwa 50.000 Blauhelmsoldat:innen, die größten davon in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo und im Libanon. Diese Friedensmissionen werden durch einen separaten Haushalt von rund sechs Milliarden Dollar jährlich finanziert.
Die Organisation leistet auch umfangreiche humanitäre Hilfe in Krisengebieten. In Afghanistan beispielsweise sind 28 Millionen Menschen für ihr Überleben von humanitärer Hilfe abhängig. Für die Ukraine benötigten die UN 2024 etwa 3,1 Milliarden Dollar, um 14,6 Millionen Menschen zu unterstützen. Im Jemen sind nach UN-Angaben gut 23 Millionen von 32 Millionen Einwohner:innen auf Hilfe angewiesen.
Der UN-Haushalt umfasst unter anderem politische, juristische und regionale Zusammenarbeit für bessere Menschenrechte vor Ort. Die Organisation engagiert sich auch in Bereichen wie Bildung, Gesundheitsversorgung, Klimaschutz und digitale Zusammenarbeit.
Annahme der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte
Etwa drei Jahre nach Unterzeichnung der UN-Charta wurde die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte von den damaligen Mitgliedern der Vereinten Nationen angenommen. Sie gilt als Meilenstein der gesellschaftlichen Entwicklung und schreibt in 30 Artikeln unter anderem die Freiheit und Gleichheit aller Menschen sowie Meinungs- und Versammlungsfreiheit und Schutz vor Staatswillkür fest.
Die UN setzen sich aktiv für Menschenrechte ein, insbesondere für die Rechte von Frauen und Mädchen. Sie fordern beispielsweise die Freilassung inhaftierter Menschenrechtsverteidiger:innen und verurteilen Menschenrechtsverletzungen weltweit.
Millenniums-Entwicklungsziele
Die Millenniums-Entwicklungsziele (Millennium Development Goals, kurz: MDGs) wurden im Jahr 2000 beschlossen. Sie liefen bis 2015 und wurden dann durch die Sustainable Development Goals ersetzt.
Die MDGs bestanden aus acht übergeordneten Zielen, für welche erstmals klare und überprüfbare Zielwerte festgelegt wurden:
Beseitigung der extremen Armut und des Hungers
Verwirklichung der allgemeinen Primarschulbildung
Förderung der Gleichstellung der Geschlechter und Ermächtigung der Frau
Senkung der Kindersterblichkeit
Verbesserung der Gesundheit von Müttern
Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen Krankheiten
Sicherung der ökologischen Nachhaltigkeit
Aufbau einer weltweiten Entwicklungspartnerschaft
Die MDGs sollten bis 2015 erreicht werden, doch die Bilanz fällt gemischt aus. Während einige Regionen nennenswerte Fortschritte erzielten – etwa durch Halbierung der extremen Armut – scheiterten andere. Global betrachtet konnte das Ziel daher nicht vollständig erreicht werden. Trotz Kritik an den Indikatoren trugen die MDGs zu einer kohärenteren internationalen Entwicklungszusammenarbeit bei.
Der abschließende Bericht von 2015 bescheinigte der Weltgemeinschaft "Grund zu feiern". Richard Dictus vom UNDP Deutschland bezeichnete ihn als "Baseline für die Zukunft". Auch Jens Martens vom Global Policy Forum erkannte die Erfolge an, kritisierte aber, dass die MDGs von Anfang an zu wenig ambitioniert und selektiv ausgewählt worden seien.
Sustainable Development Goals
Bis 2030 sollen die 17 Ziele der Agenda 2030 umgesetzt werden. Die SDGs umfassen unter anderem eine nachhaltige Entwicklung für den Menschen und Planeten, Klimaschutz, ein Ende der Armut, Zugang zu Bildung und Förderung von Frieden und Wohlstand.
Die Bilanz zur Halbzeit ist ernüchternd. Nur 15 Prozent der 17 Ziele sind auf gutem Weg. Bei einem UN-Gipfel im September 2023 in New York bekräftigten die 193 Mitgliedstaaten zwar ihre Ziele, doch die Fortschritte sind schleppend.
Konkret zeigt sich:
Armut und Hunger: Wenn es so weitergeht wie bisher, werden im Jahr 2030 noch immer 575 Millionen Menschen in großer Armut und mehr als 600 Millionen in Hunger leben. Eine UNDP-Untersuchung in 95 Ländern ergab, dass seit 2019 nur jedes fünfte Land die Armutsquote gesenkt habe, während sie in 72 der Länder entweder gleich geblieben sei oder zugenommen habe.
Klimaschutz: 72 von 95 untersuchten Staaten hätten ihren CO2-Ausstoß erhöht, 38 sogar um mehr als zehn Prozent.
Bildung und Gesundheit: Weder bei Armutsbekämpfung oder Hungerbekämpfung, bei Bildung für alle noch bei einem Gesundheitssystem für alle Menschen auf der Welt sei man kurz vor Zielerreichung.
Die Erfüllung der Ziele bis 2030 gilt unter Expert:innen als quasi unerreichbar. Zahlreiche Krisen wie die Corona-Pandemie, der Ukraine-Krieg und eine Schuldenkrise in armen Ländern haben die Erreichung der Ziele extrem zurückgeworfen.
Die Weltlandwirtschaft könnte problemlos 12 Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.
Menschenrechtsrat
Der UN-Menschenrechtsrat ist ein 2006 als Nachfolger der UN-Menschenrechtskommission gegründetes und in Genf angesiedeltes Unterorgan der UN-Vollversammlung. Ihm gehören 47 Mitgliedsstaaten an, die jeweils für drei Jahre von der UN-Vollversammlung gewählt werden. Die Mitgliedsländer werden nach einem geografischen Schlüssel gewählt.
Der UN-Menschenrechtsrat soll die Einhaltung der Menschenrechte in aller Welt überwachen. Er kann auf Missstände aufmerksam machen, Resolutionen verabschieden und Untersuchungen durchführen lassen. Das Gremium kann Untersuchungskommissionen einrichten und weist auch die UN-Hochkommissarin für Menschenrechte an, bestimmte Problemfelder zu untersuchen. Der Rat erstellt immer wieder kritische Berichte über die Verletzung der Menschenrechte in einigen Konflikten.
Allerdings kann der Menschenrechtsrat keine Sanktionen erlassen. Seine Beschlüsse sind nicht bindend, haben aber moralisches Gewicht. Alle UN-Mitglieder können am Rat teilnehmen, aber nur die 47 Mitgliedsländer können über Resolutionen abstimmen.
Weitere Themen:
So sind die Vereinten Nationen aufgebaut
Der Hauptsitz der Vereinten Nationen ist in New York, USA. Die Organisation hat außerdem noch weitere offizielle Amtssitze in Genf (Schweiz), Nairobi (Kenia) und Wien (Österreich). Die UN haben eine komplexe Struktur, die auf sechs Hauptorganen basiert.
UN-Sicherheitsrat
Der Sicherheitsrat ist das mächtigste UN-Gremium, bestehend aus 15 Mitgliedsstaaten. Fünf davon sind dauerhafte Mitglieder: China, Frankreich, Russland, die USA und Großbritannien. Die anderen zehn Mitglieder werden regelmäßig neu gewählt. Wie der Name schon vermuten lässt, ist die Aufgabe des Sicherheitsrats die Wahrung des Weltfriedens und der internationalen Sicherheit.
Durch Verhandlungen, Empfehlungen oder Anordnungen sollen Konflikte verhindert und beigelegt werden. Was der Sicherheitsrat beschließt, muss von jedem UN-Mitglied umgesetzt werden. Nur Entscheidungen des Sicherheitsrats sind völkerrechtlich bindend.
Der Sicherheitsrat leidet laut Rafael Grossi, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA, jedoch unter einer "fast völligen Blockade, da die USA, China und Russland sehr oft gegensätzliche Positionen vertreten". "Zu oft ist der UN-Sicherheitsrat blockiert, wenn es auf klare Entscheidungen ankommt.", sagte auch die damalige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
UN-Generalversammlung
Die Generalversammlung umfasst alle 193 Mitgliedsstaaten mit gleichen Rechten. Ihre Abstimmungen gelten als wichtiger Indikator für Unterstützung oder Ablehnung in der Staatengemeinschaft, sind aber nicht völkerrechtlich bindend. Für die Versammlung kommen jährlich im Herbst alle UN-Staaten zusammen.
UN-Sekretariat und UN-Generalsekretär
Das Sekretariat ist das wichtigste Verwaltungsorgan der Vereinten Nationen. Die Hauptaufgabe ist die organisatorische Unterstützung der anderen Organe, wie durch die Organisation von Konferenzen, das Verfassen von Berichten sowie die Aufstellung des Haushaltplans.
Der oberste Verwaltungsbeamte ist der UN-Generalsekretär. Seit dem 1. Januar 2017 ist dies António Guterres, der ehemalige Premierminister Portugals. Der Posten wird zum 1. Januar 2027 neu besetzt und das Amt rotiert traditionell zwischen den Weltregionen. Neben seiner exekutiven Funktion repräsentiert er die Vereinten Nationen nach Außen. Der Generalsekretär kann bei humanitären und anderen Problemen besonderer Dringlichkeit auch auf eigene Initiative handeln.
Wirtschafts- und Sozialrat (ECOSOC)
Der Wirtschafts- und Sozialrat fungiert als Bindeglied zwischen der politischen Ebene der Generalversammlung und den aktiven Entwicklungstätigkeiten. Seine Arbeit besteht aus der Koordination und Überprüfung der wirtschaftlichen und sozialen Arbeit der Vereinten Nationen. Der Rat setzt sich aus 54 Mitgliedsstaaten zusammen, die von der Generalversammlung für drei Jahre gewählt werden.
Internationaler Gerichtshof
Der Internationale Gerichtshof ist das juristische Hauptorgan der Vereinten Nationen und hat seinen Sitz nicht in New York (wie alle anderen Hauptorgane), sondern in Den Haag. 15 Richter:innen aus unterschiedlichen Staaten werden sowohl von der Generalversammlung als auch vom Sicherheitsrat gewählt. Die Richter:innen haben im Namen des Gerichtshofs die Aufgabe, Rechtsstreitigkeiten zwischen Staaten beizulegen und Gutachten zu Rechtsfragen abzugeben.
Treuhandrat
Ursprünglich war die Aufgabe des Treuhandrats, Territorien unter Kolonialherrschaft zurück in die Selbstverwaltung zu führen. Zur Zeit der Gründung der Vereinten Nationen war dies ein höchst aktuelles Anliegen. Mit der Unabhängigkeit von Palau, dem letzten verbliebenen Treuhandgebiet der Vereinten Nationen, hat der Rat am 1. November 1994 formell seine Arbeit eingestellt. Der Rat kommt heute nur noch bei Bedarf zusammen.
Neben den Hauptorganen gibt es zahlreiche Unterorgane und Sonderorganisationen, wie beispielsweise das Entwicklungsprogramm (UNDP), der Kinderhilfsfonds (UNICEF), die Weltgesundheitsorganisation (WHO) oder die Organisation der Vereinten Nationen für Erziehung, Wissenschaft und Kultur (UNESCO).
Finanzierung der UN
Die UN werden durch Mitgliedsbeiträge finanziert. Der reguläre UN-Haushalt belief sich 2022 auf rund 3,1 Milliarden Dollar. Die Blauhelm-Friedensmissionen werden durch einen separaten Haushalt von rund sechs Milliarden Dollar jährlich finanziert.
Vereinte Nationen: Missionen für den Frieden
Die Vereinten Nationen unterhalten aktuell elf Friedensmissionen weltweit. Zu den größten gehören die Einsätze in der Zentralafrikanischen Republik, im Südsudan, der Demokratischen Republik Kongo und im Libanon mit jeweils mehr als 10.000 Einsatzkräften. Mit ihren Friedensmissionen konnten die Vereinten Nationen bereits zahlreiche Erfolge verbuchen.
So wird die UNAMET-Mission der Vereinten Nationen in Osttimor vonseiten der UN als Erfolg angesehen. Insgesamt fünf UN-Einsätze absolvierten von 1999 bis 2013 die "Blauhelme" in dem zu Beginn von Indonesien annektierten Land. Nachdem Osttimor 2002 erfolgreich seine Unabhängigkeit erklärt hatte, gab es noch zahlreiche Unruhen. Die letzten UN-Soldat:innen verließen Osttimor 2013.
Auch die Bilanz der UNAMSIL-Mission in Sierra Leone fiel überwiegend positiv aus. Sie dauerte von 1999 bis 2005 und sollte den Bürgerkrieg (1991 - 2002) mit ihren geschätzten 75.000 hauptsächlich zivilen Todesopfern beenden. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gelang es der UN, ein Friedensabkommen durchzusetzen.
15 Jahre lang (2003 - 2018) dauerte eine der größten Friedensmissionen der Vereinten Nationen mit dem Namen UNMIL in Liberia. UN-Soldat:innen sollten die Sicherheitslage in dem von Bürgerkriegen gebeutelten Land stabilisieren und helfen, Frieden herzustellen. Schritt für Schritt konnte hier humanitäre Hilfe geleistet werden.
In Haiti hielten sich die Blauhelme 13 Jahre lang auf, bevor sie die Friedensmission MINUSTAH in dem Karibikstaat im Jahr 2017 als beendet erklärten. Aufgrund von bewaffneten Konflikten wurde die Stabilisierungsmission 2004 ins Leben gerufen, um die Zivilbevölkerung zu schützen und humanitäre Hilfe zu leisten.
Der Friedenseinsatz in der Demokratischen Republik Kongo namens MONUSCO dauert seit 1999 bis heute an.
Im Grenzgebiet zwischen Israel und dem Libanon haben die UN seit 1978 Blauhelmsoldaten stationiert. UNIFIL ist eine der ältesten UN-Friedensmissionen und umfasst aktuell rund 7.500 Soldat:innen aus fast 50 Ländern. Der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen hat beschlossen, dass dieser Einsatz am 31. Dezember 2026 enden soll.
Die UN-Hilfsmission UNAMA für Afghanistan erhielt ihr erstes Mandat 2002 und beschäftigte zuletzt etwa 990 Angestellte. Das Mandat wurde im März 2026 nur um drei Monate verlängert. Neben der Überwachung der Menschenrechtslage leistet UNAMA kritische Entwicklungshilfe und koordiniert die Arbeit des Welternährungsprogramms und des Kinderhilfswerks UNICEF.
UNMISS im Südsudan ist mit rund 13.000 Blauhelm-Soldat:innen aus 73 Ländern, etwa 1.500 Polizist:innen und 2.600 Zivilisten die größte UN-Friedensmission weltweit. Die Bundeswehr ist mit bis zu 50 Soldat:innen beteiligt. Die UN-Mission UNISFA im Sudan mit rund 4.000 Soldat:innen und Polizist:innen ist zuständig für die zwischen dem Südsudan und dem Sudan umstrittene Region Abyei.
Deutschland stellte für den UN-Stabilisierungseinsatz MINUSMA in Mali bis 2022 etwa 1.200 Blauhelm-Soldat:innen. Die Bundesregierung beschloss im November 2022 den Abzug der deutschen Soldat:innen bis Mai 2024.
Die UNTSO-Mission in Israel und Palästina, die bereits seit 1948 besteht, ist die am längsten laufende Mission. Das Nahostproblem ist seit Jahrzehnten eines der größten Streitthemen bei den Vereinten Nationen. Die Beziehung zwischen Israel und den UN gilt als angespannt.
Insgesamt sind aktuell etwa 50.000 Blauhelmsoldat:innen weltweit im Einsatz. Die Vereinten Nationen stehen jedoch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen: Massive Kürzungen der USA führten 2025 dazu, dass die UN ankündigten, ungefähr 25 Prozent bei ihren Truppen zur Friedenssicherung zu kürzen. Dies würde die Einsätze für rund 13.000 der insgesamt etwa 50.000 Blauhelmsoldat:innen beenden.
Dafür ernten die Vereinten Nationen Kritik
Die Vereinten Nationen mussten sich schon reichlich Kritik stellen, auch aus den eigenen Reihen. Mehrere Staaten fordern Reformen der UN-Strukturen. Die amerikanische Vize-Botschafterin Cherith Norman Chalet sprach von Reformbedarf, mangelnder Transparenz und Anfälligkeit gegenüber Autokratien.
Die frühere Außenministerin Annalena Baerbock betonte, dass die UN "ein 'Upgrade' benötigen, um ihre Mission für künftige Generationen weiterhin erfüllen zu können". Auch der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan mahnte dringende Reformen an, unter anderem des Sicherheitsrats. Bemängelt wird unter anderem die ungleiche Verteilung des Gremiums. Demnach seien keine afrikanischen und lateinamerikanischen Staaten mit einem ständigen Sitz vertreten. Auch könnten ständige Mitglieder durch ihr Vetorecht wichtige Entscheidungen gegenseitig blockieren – wohingegen nichtständige Mitglieder nichts dagegen unternehmen können, da ihnen das Privileg des Vetorechts nicht zusteht.
Auch wurden die Vereinten Nationen schon mehrfach mit heftigen Vorwürfen der sexuellen Ausbeutung und Missbrauch durch UN-Mitarbeiter:innen konfrontiert. Berichte über solche Ausbeutung kommen aus verschiedenen Entwicklungsländern und sorgen schon seit Jahren für Empörung.
So sollen Mitglieder der Friedensmission Frauen in Haiti ausgenutzt und ihnen nur im Gegenzug für Sex Nahrungsmittel und Medikamente zur Verfügung gestellt haben. Im Fokus der Vorfälle stehen auch die Demokratische Republik Kongo und Liberia.
UN-Generalsekretär António Guterres sagte solchen sexuellen Übergriffen bei seinem Amtsantritt den Kampf an: "Wir sind hier, um mutige, akute und dringend benötigte Aktionen umzusetzen, um der sexuellen Ausbeutung und Misshandlung bei den Vereinten Nationen ein für alle Mal die Wurzeln auszureißen".
Seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 haben sich auch die bereits angespannten Beziehungen zwischen Israel und der Vereinten Nationen weiter verschlechtert. Der israelische UN-Botschafter Gilad Erdan ging sogar so weit, den Rücktritt von Generalsekretär António Guterres zu fordern. Dies geschah, nachdem Guterres Israels Verantwortung zur Einhaltung der Menschenrechte angemahnt hatte.
Guterres ist für sein Amt ungeeignet.
Die FDP-Verteidigungspolitikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann hat UN-Generalsekretär Guterres scharf für seine Äußerungen zum Krieg in Nahost kritisiert. "Der Kampf um eine neue Weltordnung ist im schlechtesten Sinne in vollem Gange. Statt seinen Job zu machen, redet UN-Generalsekretär Guterres den Antidemokraten das Wort, unterschlägt die Gräuel der Kriege in der Ukraine und in Syrien und setzt die völkerrechtswidrigen Angriffe auf diese beiden Länder mit dem legitimen Selbstverteidigungsrecht Israels gleich", sagte Strack-Zimmermann der Deutschen Presse-Agentur (dpa). "Guterres ist für sein Amt ungeeignet", stellte sie fest.
Es kommt außerdem immer wieder vor, dass Länder im UN-Menschenrechtsrat vertreten sind, denen Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen werden. Kritiker:innen werfen dem Gremium vor, Missstände bei Großmächten wie China nicht ausreichend zu verurteilen. Die USA waren 2018 unter Präsident Donald Trump aus dem Rat ausgetreten, kehrten 2021 unter Präsident Joe Biden zurück. 2025 ordnete der wiedergewählte Trump erneut den Austritt aus dem Rat an. Der US-Präsident kritisierte die UN 2026 ein weiteres Mal: die Organisation würde ihr Potenzial nicht ausschöpfen und sei "nicht sehr hilfreich" gewesen.
Vernachlässigung bestimmter Regionen
Die Vereinten Nationen müssen sich auch immer wieder dafür verantworten, Teile Afrikas zu vernachlässigen. Der Sprecher von UN-Generalsekretär Guterres sagte bezüglich Umsturzversuchen in der Sahelzone: "Wenn man sich die Sahelzone anschaut – ob dort weniger, nicht genügend Engagement und Investitionen seitens der internationalen Gemeinschaft stattgefunden haben –, denke ich, dass die Antwort wahrscheinlich 'Ja' lautet."
FAQ: Vereinte Nationen
Die Vereinten Nationen (UN) sind eine internationale Organisation, die 1945 mit zunächst rund 50 Mitgliedern gegründet wurde. Heute gehören ihr 193 Mitgliedsstaaten an. Die Bundesrepublik Deutschland und die DDR traten 1973 bei. Die UN verstehen sich als "Anker des multilateralen Systems" und wurden geschaffen, um internationale Zusammenarbeit zu fördern. Ihr Hauptquartier befindet sich in New York. Zu den Hauptaufgaben der Vereinten Nationen gehören: Friedenssicherung durch Blauhelm-Friedensmissionen, Humanitäre Hilfe in Krisenregionen, Förderung von Menschenrechten, Vermittlung in internationalen Konflikten und Koordination globaler Herausforderungen wie Klimawandel, Pandemien und Armut.
Die zwei festen Nicht-Mitglied-Beobachterstaaten bei den Vereinten Nationen (UN) sind der Heilige Stuhl (Vatikanstadt) und der Staat Palästina. Während der Vatikan freiwillig auf die Vollmitgliedschaft verzichtet, ist Palästina als Staat international nur begrenzt anerkannt. Beide haben ständigen Beobachterstatus.
Die Vereinten Nationen wurden am 24. Oktober 1945 gegründet. An diesem Tag trat die UN-Charta in Kraft, die am 26. Juni 1945 in San Francisco unterzeichnet wurde.
Verwendete Quellen:
marcopolo.de: "Abseits der UN: Diese Länder gehören nicht zu den Vereinigten Nationen"
dgvn.de: "Die Vereinten Nationen im Überblick"
unric.org: "Aufgaben und Ziele der Vereinten Nationen", "Das System der Vereinten Nationen"
Nachrichtenagentur dpa
auswaertiges-amt.de: "Struktur und Finanzierung der Vereinten Nationen"
sueddeutsche.de: "Warum die UN unersetzlich sind"
bpb.de: "Vereinte Nationen"
deutschlandfunk.de: "Bericht: Blauhelme haben Frauen in Haiti sexuell ausgebeutet"
nachhaltig-entwickeln.dgvn.de: "Millenniums-Entwicklungsziele"
peacekeeping.un.org: "Where we operate"
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