Kuriose Geschichte

Dynamit-Erfinder Alfred Nobel: Wie ein tödliches Experiment ihn nach Deutschland führte

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von Emre Bölükbasi

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Videoclip • 01:27 Min • Ab 12


Eine Explosion tötet Alfred Nobels Bruder. Zwei Jahre später mischt er ausgerechnet in Deutschland etwas zusammen, das die Welt verändert. Im Guten wie im Schlechten.

Im Oktober 1866 schaukelt auf der Elbe ein Kahn, weit weg von Häusern und Menschen. An Bord rührt ein Mann eine milchige, hochgefährliche Flüssigkeit mit feinem Pulver zusammen. Er ahnt vermutlich, dass dieser Moment die Welt verändern wird. Der Name dieses neugierigen Mannes: Alfred Nobel.

Im schleswig-holsteinischen Geesthacht erfand der schwedische Chemiker das Dynamit. Der Stoff machte den Mann, in dessen Namen derzeit die renommierten Nobelpreise vergeben werden, zu einem der reichsten Menschen seiner Zeit. Hinter all diesen Erfolgen steckt aber ein dunkles Ereignis.

Nitroglycerin: Sprengkraft mit Haken

Das Nitroglycerin hatte der Italiener Ascanio Sobrero schon 1847 erfunden. Für den Eisenbahn-, Straßen- und Bergbau in Europa und den USA wurde es schnell unverzichtbar. Doch der Stoff hatte einen riesigen Nachteil: Schon kleinste Erschütterungen konnten ihn zünden.

Abgefüllt wurde er oft in Blechkanister oder sogar in Weinflaschen. Die Folgen waren oft dramatisch: Vor Panama war etwa ein Dampfer mit Sprengöl an Bord in Flammen aufgegangen und mit 47 Mann Besatzung gesunken. Wenig später wurde in San Francisco ein Lagerhaus zerstört, 14 Menschen starben.

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Tragödie in Stockholm, Neustart bei Geesthacht

Nobel kannte die Gefahr aus eigener, bitterer Erfahrung. Im Jahr 1864 flog in Stockholm ein Laborgebäude seiner Familie in die Luft. Laut Bericht lagerten dort 125 Kilogramm Nitroglycerin. Nobels jüngerer Bruder Emil und vier weitere Menschen kamen ums Leben. Von den Opfern seien nur noch "formlose Massen von Fleisch und Knochen" übriggeblieben, zitiert der "Spiegel" einen Augenzeugen.

In seiner Heimatstadt durfte der Chemiker danach nicht mehr mit dem Stoff arbeiten. Er suchte sich neue Standorte, gründete unter anderem eine Firma in Hamburg und fand am Geesthang bei Geesthacht ein geeignetes Gelände. Doch auch dort blieb das Unglück nicht aus: Im Mai 1866 explodierte auch dieses Werk.


Die Idee, die das Industriezeitalter antrieb

Nobel gab nicht auf. Im Oktober 1866 mischte er das flüssige Nitroglycerin mit Kieselgur. Das ist ein Mehl aus Algenschalen, das aus der Lüneburger Heide stammt und bis dahin nur als Dämmstoff für Sprengöl-Behälter diente.

Heraus kam eine formbare Masse, die auf Stöße deutlich weniger empfindlich reagierte und sich viel besser transportieren ließ. Ob der Zufall mithalf oder intensive Versuche den Durchbruch brachten, ist bis heute ungeklärt. Am 19. September 1867 ließ sich Nobel seine Erfindung in Schweden patentieren, weitere Patente in anderen Ländern folgten.

Ein Imperium aus Patenten, ein Erbe aus Zweifeln

Der Erfolg war enorm. Nobel sollte später insgesamt 355 Patente und 90 Fabriken in 20 Ländern besitzen. Zusätzlich stieg er ins Ölgeschäft ein, mit Russlands größter Erdölraffinerie, Pipelines und Öltankern.

Doch das Dynamit diente nicht nur dem Fortschritt. Attentäter:innen entdeckten es als Waffe: Der russische Zar Alexander wurde in St. Petersburg während einer Kutschfahrt in die Luft gesprengt, Kaiser Wilhelm I. entkam nur knapp einer Explosion. Allein 1892 seien in Europa mehr als 1.000 Anschläge mit Dynamit verübt worden, berichtet der Norddeutsche Rundfunk (NDR).


Vom Sprengstoff-Pionier zum Friedensstifter

Nobel soll auch nach diesen Erfahrungen erschüttert von Kriegen gewesen sein. Gegenüber der Friedensaktivistin Bertha von Suttner vertrat er den Gedanken der Abschreckung: "An dem Tage nämlich, an dem zwei Armeen in der Lage sein werden, sich gegenseitig in Sekundenschnelle zu vernichten, werden wohl alle zivilisierten Nationen vor einem Krieg zurückschrecken und ihre Truppen nach Hause schicken", ist ein berühmtes Zitat des Chemikers.

Inkognito nahm er an Friedenskongressen teil und spendete an pazifistische Organisationen. 1895, ein Jahr vor seinem Tod, verfügte er, dass der größte Teil seines Vermögens in eine Stiftung fließen solle. Aus deren Zinsen sollten Preise an jene gehen, die "im verflossenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen gebracht haben". Seit 1901 werden die Nobelpreise jedes Jahr an Nobels Todestag in Stockholm verliehen.


Verwendete Quellen:

NDR: "Alfred Nobel in Geesthacht: Der Erfinder des Dynamits"

Spiegel: "Knall auf Knall"

WDR: "26. Mai 1868 - Alfred Nobel erhält US-Patent auf Dynamit"

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