Praktisch, aber wenig nachhaltig
Baby-Feuchttücher bei Öko-Test: Ein Markenprodukt enntäuscht
Veröffentlicht:
von Joachim Vonderthann:newstime
Öko-Test und Stiftung Warentest im Vergleich (9. März)
Videoclip • 01:35 Min • Ab 12
Ob beim Windelwechsel oder unterwegs: Feuchttücher sind im Babyalltag praktisch. Im Öko-Test zeigt sich jedoch, dass Parfüm oder Kunststoffe wie PEG-Verbindungen die Bewertung deutlich drücken können.
Das Wichtigste in Kürze
Öko-Test hat sich die beliebten Baby-Feuchttücher genauer angeschaut.
Zwölf Produkte erhielten ein "gutes", fünf ein "befriedigendes" und eines ein "ausreichendes" Gesamturteil.
Ein bekanntes Markenprodukt enttäuscht besonders in einem Bereich.
Schnell und weg – kein Problem. Ob beim Windelwechsel oder für die schnelle Reinigung von Fingerchen und Schnute unterwegs: Eltern wissen, wie praktisch es ist, eine Packung Baby-Feuchttücher griffbereit zu haben.
Vielen ist allen klar, dass es sich um Wegwerfprodukte handelt und dass ein Waschlappen nachhaltiger und ökologischer wäre. Aber der Alltag mit Baby oder Kleinkind ist stressig, und manchmal muss es einfach schnell gehen. Ein Test von Öko-Test (hier für 3,79 Euro abrufbar) will Orientierung geben, welche Produkte am besten geeignet sind. Das Ergebnis: Von den 18 getesteten Produkten erhalten zwölf ein "gutes" Gesamturteil, fünf ein "befriedigendes" und eines ein "ausreichendes".
Ob Essensreste oder anderer Schmutz: Bei Babys und Kleinkindern sind Feuchttücher praktisch. Welche am besten sind, hat sich Öko-Test angeschaut.
Bild: Imago/Westend61
Auch in den News:
Bekanntes Markenprodukt fällt bei den Inhaltsstoffen durch
Ausgerechnet ein bekanntes Markenprodukt schneidet bei den Inhaltsstoffen am schlechtesten ab: Pampers Babywipes Fresh & Clean vom Hersteller Procter & Gamble.
Ein Kritikpunkt, den Öko-Test auch bei anderen Produkten bemängelt, sind die Inhaltsstoffe PEG und PEG-Derivate. Diese Verbindungen können die Haut durchlässiger für Fremdstoffe machen. Bei Babyprodukten sieht die Redaktion das besonders kritisch. Insgesamt kommt das Pampers-Produkt auf "befriedigend".
Das schlechteste Gesamturteil mit "ausreichend" erhalten die Natracare Babyfeuchttücher. Sie sind das einzige Naturkosmetikprodukt im Test. Hier wird vor allem die Summe der weiteren Mängel zum Problem.
Öko-Test: Parfüm hat im Windelbereich nichts verloren
Öko-Test bewertet Parfüm klar negativ. Die Haut von Babys und Kleinkindern muss sich nach der Geburt erst auf das Leben außerhalb des Fruchtwassers einstellen, und die Hautbarriere ist noch lange nicht ausgereift. Fachärzt:innen sowie Hebammen empfehlen deshalb, in der Anfangszeit möglichst ganz auf Kosmetikprodukte zu verzichten und die Babyhaut nur mit lauwarmem Wasser zu reinigen.
Kinderdermatologe Dr. med. Andreas Weins aus dem Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Pädiatrische Dermatologie erklärt: "Aus kinderdermatologischer Sicht empfehlen wir für Säuglinge und Kleinkinder Feuchttücher ohne zugesetzte Duftstoffe und ätherische Öle. Diese Zusätze sind für die Reinigung nicht erforderlich. Ätherische Öle können ebenfalls allergische Kontaktreaktionen auslösen oder die Haut reizen."
Parfüm ist zwar nicht unbedingt ein Auslöser für Windeldermatitis. Duftstoffe können die Haut aber zusätzlich belasten, besonders wenn sie bereits gereizt oder entzündet ist. Deshalb wertet Öko-Test Produkte für den sensiblen Windelbereich um eine Note ab, wenn "Parfum" in der Inhaltsstoffliste steht.
"Biologisch abbaubar" laut Öko-Test Greenwashing
Dass Babyfeuchttücher nach einmaligem Gebrauch im Mülleimer landen, ist allen bekannt, auch den Tester:innen und den Eltern. Drei Hersteller werben trotzdem damit, dass ihr Tuchmaterial "biologisch abbaubar" sei. Betroffen sind unter anderem Bevola (Tuch aus 0 % Plastik) und Natracare. Das beruhigt das ökologische Gewissen zunächst – doch Öko-Test hält solche Auslobungen für Greenwashing.
Wer "biologisch abbaubar" liest, könnte die Tücher im Biomüll oder auf dem Kompost entsorgen. Doch unabhängig vom Material gehören Feuchttücher in den Restmüll. Selbst wenn sich das Tuchmaterial in industriellen Kompostieranlagen zersetzt, gilt dies nicht für die Tränklotion und abgewischte Fäkalien. Letztere gehören in Deutschland aus hygienischen Gründen in die schwarze Tonne.
Luft nach oben beim Umweltschutz
Bei anderen Punkten sehen die Hersteller noch Verbesserungsbedarf:
Kunststoffe in der Tränklotion: Synthetische Polymere fanden die Tester in zwei weiteren Produkten. Verzichten könnten die Hersteller darauf.
Recyclingmaterial in der Verpackung: Nur dm konnte für seine Babylove Feuchttücher ausreichend belegen, dass die Plastikpackung mehr als 30 Prozent Rezyklat enthält. Ein Discounter-Produkt besteht zwar teilweise aus recyceltem Kunststoff, nach Ansicht der Redaktion sollte es aber mehr sein. Alle anderen Hersteller setzen bislang kein Rezyklat ein.
Verwendete Quellen:
Öko-Test: "Feuchttücher-Test: Wie schlagen sich Pampers, Hipp, Lillydoo & Co.?"
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